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Die Welt · 1905-09-08 · 36 (8.9.1905) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
36 (8.9.1905)
Date
1905-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Administration: WIEN IX., Türkinstrasst Nr. 9. Tölephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration : Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und unverlangte Manuskripte weder zurückgesendet noch aufbewahrt. Preist der Anzeigen : laut aufli*g«nd*m Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abendt goschlossezi Einzelne NuniMtri 30 Netter. Rß7liriQnrPICOB Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: UMuyopi Deutschland ganzjährig Mk* 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Nr. 36. Wien, 8. September 1905. — 8. Elul 5665. 9, Jahrgang. Wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten, welche mit der Einzahlung des Pränumerationsbetrages im Rückstände sind, um — . rechtzeitige - — Erneuerung, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Administration. Der Friede. Fast eine Million ausgesucht kräftiger Männer, die Blüte zweier Reiche, die noch vor kurzer Zeit bereit waren, einander vernichtend zu zerfleischen, machen nun kehrt, um ihre junge Kraft der friedlichen Arbeit, dem Aufschwung des Vaterlandes zu widmen, und die aufrichtige Freude aller Nationen begleitet sie — der Friede ist geschlossen. Die Juden, deren hohe geistige Traditionen sie immer zu leidenschaftlichen Vorkämpfern der Menschenliebe gemacht, empfinden tiefe Genugthuung über die blosse Tatsache des Friedensschlusses. Sie haben aber noch andere gewichtige Gründe, um bei einer Rükkschau auf die mandschurischen Ereignisse Zufriedenheit fühlen zu Können; moralische Gründe nebst der Freude über den Umstand, dass die Last der Kriegsjahre nun von den ohnehin schwer beladenen russischen Brüdern genommen ist. Die Juden haben nämlich auf den Schlachtfeldern vom Yalu bis Mukden einen alten Kampf gewonnen, den sie seit Jahrzehnten gegen eine vielköpfige Lügenhydra führen mussten: den Kampf gegen die schweren Vorwürfe von Mangel an Patriotismus und soldatischen Tugenden. Einstimmig melden alle Berichte, dass in den geschlagenen Entscheidungen nur die Fähigkeiten der Generale massgebend waren. An Tapferkeit, ja an Heroismus waren die Armeen selbst einander ebenbürtig, Japaner sowohl als Russen. Nun aber kämpften in der Reihe der letzteren ganze Massen unserer Brüder. Schon zu den ersten Kämpfen gingen ihrer nicht weniger als zwölf tausend ab, wie wir schon damals schrieben, und diese Zahl wurde in der anderthalbjährigen Kriegsdauer noch stark vervielfacht. Selbs eine führende russische Zeitung, die behaglich davon lebt, dass antisemitische Lügen gerne geglaubt und unterstützt werden, gab in einer Uebersicht neulich die Anzahl der jüdischen Feldsoldaten in der Mandschurei mit 42.000 an. Verdoppeln wir diese Statistik, um die Wahrheit zu erreichen, dann finden wir einen tätigen Anteil der Juden an den Kriegsnöten des Wohnlandes, von dem ihr Anteil an der Bevölkerungsziffer nur ein geringer Bruchteil ist. Konstatieren wir nun mit gerechtem Stolz: Keine einzige Stimme ist laut geworden, welche es gewagt hätte, gegen die jüdischen Soldaten den Vorwurf der Feigheit zu erheben! Im Gegenteil: Aus dem Munde von Generälen, Kriegsberichterstattern und aus den Aeusserungen des japanischen Feindes wird den Juden volles Lob herrlichen Mannesmutes in Strapazen und Gefechten gezollt! Ihre Pflicht gegen den Staat erfüllten auch bis zu den höchsten Forderungen die Brüder daheim. Ueber die Forderungen der eifrigen Steuerbehörden hinaus trugen sie mit vollen Händen allen Gesellschaften Unterstützungen zu, welche sich die Sorge für die Armee ins Programm gesetzt hatten. Kein Mensch hätte ihnen verargen können, wenn sie die unfreiwillige Notwendigkeit der Leistungen nicht überschritten hätten. Was darf ein Staat von Leuten verlangen, deren Leben er ins Mittelalter zurückversetzt hat, die als Kammerknechte des Kaisers nur zur Ausbeutung da sind, in einem riesigen Kerker schmachten und zu Zirkusspielen für den Pöbel dienen, wenn dieser nach Brot verlangt? Die russischen Brüder haben aber eine weitsichtige Politik getrieben, als sie dem bedrängten Staate mit allen Mitteln zu Hilfe eilten. Sie haben das Ihrige getan, um die Lüge vom fehlenden Patriotismus der Juden zu vernichten, die Lüge, die ihnen schon so viel Unheil gebracht hat und gebracht hätte — oder bringen wird, je nach den Ansichten und Launen über Gerechtigkeit, die in Russland jetzt einkehren werden. Den Juden des Westens hat das Vorgehen unserer russischen Brüder, ihre freudige Hingabe von Gut und Blut an den fordernden Staat ein herrliches Geschenk gebracht: Ein historisches Zeugnis, von unantastbaren Autoritäten beglaubigt, voll von bedeutenden Tatsachen

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