Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- Separat-Ausgabe Nr. 6 (3.8.1905)
- Date
- 1905-08-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 6 Separat-Ausgabe „Die $ Welt" Seite 7 nackt mit einem Mantel über den Knieen. Und in diesen einfachen Vorwurf wusste der Künstler eine ganze Serie von Empfindungen zu legen. Er setzte die Krone des Schmerzes auf das Haupt seiner mächtigen, mnskelgewaltigen Cyklopengestalt. Aber' nichts von jenem Winseln, das nicht Männerschmerz, sondern Weibergreinen bedeutet-, könnt ihr euch einen jener edelgeborenen Spagniolen vorstellen, der dem Inquisitor in die Hände gefallen ist, dessen Körper wohl, dessen feindesverachtenden Mut aber man nie töten kann und der mit königlicher Kraft des Schweigens sich martern lässt? So ein Jude ist Modell gestanden zum Kopfe von Glicensteins «Genius», dessen Angelinische Wucht an Vorbilder aus altgriechischen Tempeln mahnt. So sitzt er, vorgebeugt, wie Moses, als er in der Wüste nachdachte, gewaltig wie das eiserne Judaea des Hasmonaers, gebeugt, wie unser Volk unter seinen Drängern, aber bereit, sich gebieterisch und zornsprühend zu erheben und mit den schmetternden Tönen seines Schofars die Tapferen zum Heldenkampf zu rufen. In Gips, und nicht in zierlich glatter Ausführung ist das Kunstwerk ausgeführt — gerade dadurch umso reizenderdenn stürmende Gedanken lenken von Kleinigkeiten ab. Es ist eine Frage, wohin Glicensteins prachtvolles Geschenk an sein Volk gestellt werden wird. Soll es mit Ahasver herumziehen, oder haben wir doch schon einen Ruhepunkt, an dem wir wenigstens unsere geistigen Schätze ruhig aufbewahren können, bis wir zu ihrer Schutzwehr nachkommen? Der Palästinakommission entsteht unserer Ansicht nach die schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe, ein kostbares Werk jüdischer Kunst würdig und an an sicherer Stelle aufzubewahren. Auch für die Ausstellung von Boris Schatz, dem tüchtigen Bildhauer war nicht vorgesorgt worden. Er ist auf den Kongress gekommen, um die Angelegenheiten des „Bezalel" zu betreiben, jener Kunstgewerbeschule, die für Palästina geplant ist; eine Zukunftshoffniing sieht in dieser Schule den Anfang einer erfolgreichen Konkurrenz für den kolossalen europäischen Markt in künstlerischen und Luxusgegenständen. Man braucht nicht breit au werden, da unser Oppenheimer, der Nationalökonom, also ein Mathematiker unter den Politikern, den kolossalen Nutzen des „Bezalel" scharfsichtig erkannt und eine treffsichere Lanze dafür eingelegt hat. Man darf sich der vollberechtigten Erwartung hingeben, dass Schatz den richtigen Leiter der Unternehmung geben wird. Diese Erkenntnis stammt fürs erste aus einer untergeordneten persönlichen Beobachtung, welche man an Schatz's Energie machte. Er hat sich im Handumdrehen mit Zimmermann und Tapezierer aus einem Wohnzimmer einen wahrhaftigen Ausstellungsraum gemacht, in welchem er mit einer Serie von Reliefs sozusagen seine künstlerische Visitkarte bei dem Kongresse abgab, einen Nachtrag zu seinem früher bereits eingehend erstatteten Befähigungsnachweis. In dieser Serie findet man die dritte Empfehlung des zukünftigen Lehrers Schatz, die man auch aus dem Verkehr mit ihm gewinnen kann. Ein in der Tiefe entsprungener Strom von Gemüt, von liebenswürdiger Güte, dieser besten Erziehungsmittel für Kinder offenbart sich in der Ausstellung des Küustlers als Befruchter seiner Lebeustätigkeit. Wer die „Jüdische Mutter" gesehen hat, die ihr' Kind zur Ahnosenbüchse emporhebt, damit es sein Kreuzerchen einlege, die Grossmutter, die mit freudig bewegter Miene ihrem betenden Enkelkinde zusieht, muss diese beiden Reliefs als künstlerisch vollendete Verklärung der jüdischen Frauenseele, dieses Goldlagers geistiger Empfindungen ergriffen bewundern. Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet das trauerumflorte Kelief Herzls, das sich aber zum Schaden des Eindrucks an ältere Bilder unseres toten Führers anlehnt. Ueberaus gelungen sind aber wieder die betenden und segnenden Juden, in ihrer Sonderart parallel den bekannten Werken Israels, Kaufmanns und Krestins in Wien, Das tote Material ist überall vom Atem eines adeligen und bedeutungsvollen Lebens beseelt, den Rabbinern ist die Hoheit ihrer Sendung überzeugungstreu verliehen, jüdische Art des Denkens, Liebens und Lebens ist bei allen Werken mit der Kenntnis und Treue eines wurzelechten Juden wiedergegeben, so besonders bei dem figurenreichen Tableau ,.Das Seelengebet". Stimmungsvolle Rahmen mit hebräischen Inschriften fügen sich zur Schönheit des Ganzen, in welchem noch die Totenmaske eines alten Juden, eine Judith und der kühne modellierte Kopf des Helden Matatjahu hervorragen. In jeder Fiber vom Judentum durchtränkt, für das Judentum glühend, hat Schatz sein grosses künstlerisches Können mit praktischer Wirklichkeit vereint und hat die Schwelle eines neuen und tatkräftigen, dem Wohl seines Volkes gewidmeten Lebens betreten. Möge sein Weg von Basel nach Palästina rasch und sicher, der Erfolg des Lehrers ebenso gross sein wie der des Künstlers! J. Uprimny Der VII. Kongress. Dem Sekretariate des Kongressbureaus wurden weiter folgende Resultate gemeldet. Gewählt wurden: Kiew: Delegierter Hillel Katel. Baku: Delegierter Sam. Itzkowitsch. Lubin: Delegierter Elie Eberlin, Paris. Slonim: Delegierter David Gebstein; Ers. Mayer HofTmann. Bolechow: Delegierter Dr. M. Ehrenpreis, Sofia. Warschau: Delegierter S. P. Rabbinowitz. Umany: Delegierter Naum Schimkin, Odessa. P i r i a h u : Delegierter Leo Rubinow, Poltawa. Kaiisch: Delegierter S. Ph. de Vries, Mzn, Haarlem. Li petz: Delegierter Moses Wolleruer, Kiew. L u b 1 i n : Delegierter N. Pines, Warschau. Warschau: Delegierter S. P. Rabinowitz. . Kolomea: Delegierter Dr. S. Roseneck. Tombor: Delegierter M. Pines, Petersburg. Drabow: Delegierter J. Teplitzky. 011 e m i a: Delegierter Dr. M Dogilewski, Salzburg. Wien: Delegierter Dr. Isidor Margulies. Tscherkassy: Delegierter Weiss. Uniedzia: Delegierter W. Mendelew. Makorow: Delegierter Sch. Kolker. Bender: Delegierter Baruch Cholodenko. Alexandria (Jaffa): Delegierte Frau Dr. Rebeka Joffe. Kremenetz: Delegierter Moses Katz. Stanislau: Delegierter Dr. Rubin Jonas, Kozlow: Delegierter Jehuda Marschall, Samara. Bialystok: Delegierter Dr. Jak. Feuchtwanger, Frankfurt a. M. Torontino: Delegierter J. Grünfeld; Ers. S. Elkis, Balta. P1 u m s k: Delegierter A. Podlischewski, Warschau. Budapest: Delegierte Hugo Schey, Dr. J. Kahn. W i n n i p e g ^Canada): Delegierter Mme. Dr. Kritschewsky, Paris. Stanislau: Delegierter Dr. Markus ßraude. Gnebec: Delegierter Dr. B. Kritschewsky, Paris. Winnipeg: Delegierter Albert Schwabsky, Paris. Beuthen: Delegierter Heinrich Koplowitz, Ers. Dr. Herrn. Stahl. Hamilton: Delegierter M. Eberline jeune. London: Delegierter S. Weitzkorn. Berdiczew: Delegierter Israel Serubabel. London: Delegierter M. Wolf. Wien: Delegierter Isidor Gewitsch. Neu-Sandec: Delegierte Jak. Nussbaum, Prof. A. Kurrein; Ers. Dr. Pasmanik. Teplitz: Delegierter Dr. E. Margulies; Ers. Dr. Isidor Margulies. Kanitz: Delegierter Otto Weich; Ers. Dr. Sigm. Friedmann, Ung. Ostrau.