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Die Welt · 1905-08-02 · 31 (2.8.1905) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
31 (2.8.1905)
Date
1905-08-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 „Die $ Welt« Separat-Ausgabe No. 31 sondern es gingen uns auch die besten Sammler aus der russischen Intelligenz für diese Zeit verloren, weil sie gezwungen waren, ihren Militärpflichten nachzukommen, Infolge der verstärkten Auswanderung der Juden aus Russlancl während dieser Periode sind zum Teil auch die Juden ausserhalb Russlands materiell ziemlich stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Divergenzen über das Ostafrikaprojekt haben ebenfalls sehr ungünstig auf die Sammlungen eingewirkt, denn in vielen Kreisen, die sonst fleissig für den Nationalfonds gearbeitet hatten, vergass man im Streite für und gegen Uganda die Hauptsache, nämlich den Lebensnerv unserer Bewegung, die Beschaffung der Mittel für unser angestrebtes Ziel. Diese zwei Umstände vorausgeschickt und zugegeben, dass sie äusserst störend eingewirkt haben, müssen wir dennoch unser tiefstes Bedauern darüber aussprechen, dass die Institution des Nationalfonds bei unserem Volke bisher so wenig Verständnis gefunden hat, denn sonst müssten die Sammlungen trotz der hervorgehobenen traurigen Ereignisse, die im Golus bis jetzt nie aufhören, ein ganz anderes Ergebnis geliefert haben, Leider wird bei uns viel zu viel über Prinzipien und abstrakte Dinge geschrieben, viel politisiert und hauptsächlich viel zu viel kritisiert, während wir doch vor allem reeller, nutzbringender Arbeit bedürfen. Man darf nicht vergessen, dass jeder Kreuzer, der dem Nationalfonds zugeführt wird, eine nutzbringende Arbeit ist, denn wir alle müssen endlich einsehen, dass wir ohne Geld, ohne sehr viel Geld, absolut nichts erreichen werden. Ereilich führen gar viele mit besonderer Vorliebe das stolze Wort von „unserem" Nationalfonds im Munde, sind auch stets bereit, phantastische Pläne zu schmieden, um die mühevoll zusammengebrachten Groschen in Rauch und Dunst aufgehen zu lassen : aber für „unseren" Nationalfonds arbeiten und sammeln, Pfennig um Pfennig zusammentragen, damit es möglich werde, ein Stückchen Land zum andern zu fügen, für solche prosaische Arbeit sind die Herren der grossen Worte nicht zu haben! Wir müssen es leider besonders hervorheben, dass nicht in erster Reihe die obwaltenden traurigen Verhältnisse an dem schlechten Ergebnisse schuld waren, schuld sind vielmehr unsere Zeitungen, unsere Vereine, unsere Sammler und unsere Jugend. Wenn unsere jüdischen Blätter, zionistische und nichtzionistische, die sich oft in komischer Weise so gebärden, als wären sie die Retter des Zionismus, anstatt von eitlen, tändelnden oder gar geschäftslüsternen Hintermännern Artikel zu bringen, die nur dazu angetan sind, unsere ganze Bewegung zu diskreditieren, unsere Arbeit zu vergiften, alle gegeneinanderzuhetzen, die Funktionäre zu verbittern und zu verdächtigen, lieber all die grossen Mittel einer modernen Publizistik dazu benützten, für die Beschaffung der Mittel zu agitieren, Sammlungen anzuregen Spenden entgegenzunehmen und auszuweisen, so würden sie unserem Volke dienen und sich selbst mehr Achtung verschaffen! < i; Da aber alle trotz vieler Anregungen diei Sache nicht ernst genug nehmen, dann ist's um unser armes unglückliches Volk freilich sehr traurig bestellt! Wir müssen an diesem Punkte zu unserem Bedauern ferner konstatieren, dass es nicht allein das grosse Publikum ist, dem das Verständnis für den Nationalfonds, das grosse Instrument für Landankauf in Palästina, abgeht; leider fehlte diese Empfindung auch den meisten Delegierten auf dem letzten Kongresse, denn kaum war das Referat über den Nationalfonds angesagt, so war auch schon der Saal leer! Die Beträge, die wir innerhalb einer Periode von mehr als drei Jahren zusammengebracht haben, wären ja für einen Verein eine sehr hübsche Summe, aber für eine Weltbewegung wie die unsere ist das — bei aller Anerkennung für einzelne sehr fleissige Gruppen und erzielte Fortschritte in einzelnen Ländern — ein beschämender Betrag, wenn man bedenkt, dass wir, um nur einen grösseren Anfang zu machen, wenigstens das Hundertfache dieses Betrages brauchen! Wir können nicht oft genug wiederholen, dass dort, wo sich Arbeiter finden, es an Spendern nie fehlt: alle Juden, welcher Parteischattierimg immer, verweigern selten einen Beitrag für den Nationalfonds. Das haben wir überall bestätigt gefunden. So ist zum Beispiel Oesterreich, welches in bezug auf die Ergebnisse in der ersten Periode an fünfter Stelle figurierte, in der eben abgelaufenen Periode in die zweite Reihe vorgerückt, kommt also gleich nach Russland. Das Geheimnis besteht einfach darin, dass es uns gelungen ist, in Oesterreich eine Anzahl fieissiger und beherzter Mitarbeiter zu finden, die durch unverdrossene intensive Arbeit diesen Erfolg herbeigeführt haben. Dies verdient um so mehr hervorgehoben und anerkannt zu werden, als die meisten Beträge aus dem armen Galizien kommen, wo jetzt für den Zionismus und insbesondere für den Nationalfonds fleissig gearbeitet wird. Ein zweites gutes Beispiel liefert uns Südafrika. Wenn in der ganzen Welt, wo Juden wohnen, so fleissig gearbeitet würde, wenn auf jeden Juden ein solcher Betrag entfiele wie in Südafrika, dann würden wir die Kapitalien, die erforderlich sind, um unser Ziel zu erreichen, in kürzester Zeit beisammen haben! Die Herren in Südafrika nehmen eben die Sache sehr ernst, so ernst wie es alle nehmen sollten, wie es die Sache verdient. In einem der Briefe des Herrn S. Goldreich, des Präsidenten dieser Föderation an das A.-C. macht sich dieser ausgezeichnete Gesinnungsgenosse über unsere lächerliche Arbeit für die Bank und den Nationalfonds Luft, indem er statistisch nachweist, dass englische Vereine für mehrere, verhältnismässig untergeordnete Zwecke jährlich das Zehn- und Zwanzigfache von dem zusammenbringen, was wir als Volk für unser Volksideal und die Sicherung unserer Zukunft leisten. Wir müssten, fügte er hinzu, uns vor der ganzen Welt, vor der Geschichte und vor uns selbst schämen! Dieser Mann, der also aus übervollem Herzen sprach, — hat recht! Er irrt vielleicht nur darin, dass er an uns einen allzugrossen Masstab anlegt. Er vergleicht unsere Arbeit mit den Opfern an Gut und Blut, die andere Völker zu ihrer Erhaltung gebracht haben und tagtäglich vor unseren Augen bringen! Dann freilich sind unsere Arbeiten für den Nationalfonds tatsächlich nur eine Spielerei! Unsere Opfer, die wir dem Nationalfonds bringen, indem wir hin und wieder ein paar Kreuzer spenden, sind gar keine Opfer, da niemand von uns sie auch nur im entferntesten als solche empfindet. So darf's nicht weitergehen! Wir haben feierlichst vor der ganzen Welt unseren AVillen geäussert, als ein Volk weiter bestehen zu wollen, und rufen alle Mächtigen dieser Erde an, uns bei unseren legitimen Bestrebungen behilflich zn sein. Wer diese Willensäußerung ernst nimmt, der muss sich bewusst werden, dass wir zu deren Durchführung auch

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