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Die Welt · 1905-07-28 · 30 (28.7.1905) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
30 (28.7.1905)
Date
1905-07-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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No. 30 Separat-Ausgabe „Die & Welt" Seite 11 Freunden der nationalen Bewegung die Unterschrift abzuzwingen, Die grosse Masse der ungarischen Orthodoxie ist dem Zionismus zugetan und wird in kürzester Zeit wohl auch formell seinen Reihen sich anschliessen. Vielleicht kommt auch einmal den Kreisen der Assimilanten, insbesondere jenen, welche vermeinen, die Assimilation mit der Treue zum Judentum vereinigen zu können, die Erkenntnis, auf welcher abschüssigen Bahn sie sich befinden, wenn sie die Taufseuche in Betracht ziehen, die um sie herum in Budapest wie in Wien in geradezu epidemischer Weise grassiert. In den Nebenländern der ungarischen Krone, in Kro atien und Slavonien, hat der Zionismus bereits so festen Fuss gefasst, class ein zionistischer Landeskongress nach Essegg einberufen werden konnte. U ebereifrige „j ü d i s c h e K r o a t e n" versuchten zwar ihn zu sprengen, um sich bei ihrer Adoptivnation damit einzuschmeicheln, waren aber nicht wenig erstaunt, als die öffentliche Meinung der Nichtjuden nicht ihnen, den Verrätern ihres Volkes, sondern den freien Bekennern desselben sich zuwandte. In Bosnien und der Herzegowina, in Serbien und Bulgarien haben sich auf dem Boden des Zionismus die seit fast tausend Jahren einander entfremdeten jüdischen Volksteile, die Sephardim und Aschkenasim, zu gemeinsamer nationaler Arbeit wieder zusammengefunden, und es gibt in diesen Ländern, wenigstens soweit es die eingeborene jüdische Bevölkerung betrifft, wenig Nichtzionisten. In Gr r i e c h e n 1 a n d hat sich unter den grössten Schwierigkeiten ein zionistischer Verein gebildet, der seine Agitation auf das ganze Land erstreckt und bereits schöne Erfolge aufzuweisen hat. Die deutsche Organisation hat ihr Wachstum der ausgezeichneten Tätigkeit der neugeschaffenen Berliner Zentrale zu verdanken und die Disziplin und Festigkeit der ganzen Organisation, ihre Rührigkeit und ihr Eifer sind besonders rühmend hervorzuheben. In der uns so gastfreundlichen Schweiz hat sich die Zahl der Schekelzahler zirka verdoppelt. Es gibt nach dem letzten Ausweise 1360. Die schweizerische Federation besteht aus den Gruppen: Basel, Zürich, Bern. Luzern, Genf, St. Gallen, Biel, Baden, Endingen. Die grösste Gruppe ist Basel. Am 9. Ab fand bei allen Juden der Schweiz eine Sammlung für den Nationalfond statt, die so guten Erfolg! hatte, dass die Tischah b'Aw-Samnilung als ständige Institution beibehalten werden soll. Die Sammlungen für den Nationalfond haben sich gegen das Vorjahr mehr als verdoppelt. Sie betragen 5000 Franken. Es verdient die Arbeit der schweizerischen Gesinnungsgenossen alles Lob. — In Frankreich und Belgien, wo die Zahl der jüdischen Bevölkerung überhaupt gering ist, haben die autochthonen Juden, welche zumeist mit Gliicksgütern gesegnet sind und in hervorragender, gesellschaftlicher Stellung sich befinden, mit den eingewanderten armen russischen und polnischen Juden leider noch wenig Berührungs- und Verständigungspunkte gefunden. Die östlichen Juden aber sind zionistisch sehr rührig. Neben den Pariser Vereinen, welche alle Schattierungen im Zionismus repräsentieren, bestehen noch Vereine in Montpellier, Versailles und Nancy, und die Leistungen der Zionisten auf jüdisch sozialem Gebiete, wie der in Paris gegründete Mustercheder, dessen Schüler hebräisch als lebendige Sprache lernen und die beiden Volksuniversitäten erregen schon heute die Bewunderung der berufenen jüdischen Amtskreise. Die durch die Trennung der Kirche vom Staate sich ergebende Auflosung der bisherigen Konsistorien wird die Vereinigung aller Juden verschiedenen Ursprunges, auch verschiedener Anschauung zu gemeinsamer Tätigkeit zur notwendigen Folge haben. In Belgien sind die vor dem letzten Kongresse bestandenen zwei Vereine durch fünf neue vermehrt worden, und die Zahl der Schekelzahler hat sich fast verdreifacht. In England verbreitet die zionistische Federation die zionistische Idee durch zahlreiche Volksversammlungen in wirkungsvoller Weise im ganzen Lande. Der in diesem Jahre eingegangene Schekel ist der grösste seit Beginn der Organisation. Das F r e m d e n e i nwan demngsverbot ist zwar noch nicht Gesetz geworden, aber vom Unterhause bereits beschlossen, und die Annahme durch das Oberhaus ist nur für kurze Zeit aufgeschoben. Eine vom englischen Unterhause einstimmig angenommene Resolution, welche die aus politischen oder religiösen Gründen Verfolgten von den Einwanderungs - Beschränkungen ausnimmt, lässt zwar hoffen, dass die Juden nicht die ganze Schwere dieses Gesetzes zu tragen haben würden, Aber andererseits bildet ein Ausspruch des Premier-Ministers Balfour im Verlaufe einer seiner Auslassungen über das Fremdengesetz eine sehr ernstliche Warnung vor einer weiteren Zunahme der Einwanderung von Juden in England. Er meinte, dass die fortgesetzte Einwanderung von Juden, die sich mit der englischen Bevölkerung nicht mischen wollten, eine Gefahr für das Land böte. Solch eine Bemerkung von solcher Stelle ausgesprochen ist eine klare AVeisung, dass selbst in einem Lande wie England die Möglichkeit von Ausbrüchen von Antisemitismus ein Faktor ist, mit dem die Juden in der Zukunft zu rechnen haben könnten. Die Tätigkeit des vom Kongress designierten Vertrauensmannes in den skandinavischen Ländern, die sich über alle Städte erstreckt, wo Juden wohnen, wird durch einen im Verhältnisse zu der dünnen jüdischen Bevölkerung sehr grossen Erfolg belohnt. In Italien entfaltet die dortige Federation eine stille, aber sehr energische Tätigkeit und der Zionismus hat in allen Hauptplätzen der italienischen Juden seine Vereine. (Schluss folgt.) Der VII. Kbngress. Dem Sekretariate des Kongressbureaus wurden weiter folgende Resultate gemeldet. Gewählt wurden: Derbent: Delegierter Dr. Soskin. Saratow: Delegierter E. Suprasski. Emden: Delegierter Jakob Schnelling, Hannover; Ers. Gustav Schwabe, Varel. Irkutsk: Delegierte Grigori Israelewitsch Kahn, Samuel Anatoliewitsch Lewitin. Alexandria: Delegierter C. Granowski; Ers. Milikowski. Alexandrowsk: Delegierter A. Genschaft. Bachmuth: Delegierter M. Solotarew; Ers. Enges. Bobrinetz: Delegierter Ing. B. Temkin. B e r i s 1 a w : Delegierter I. Kaminski; Ers. Rafael. Wasilkowka: Delegierter E. Chamburg; Ers. Bogron. Golta: Delegierter stud. Hurewitz. Guliapola: Delegierter G. Kerner Dubossary: Delegierter B. Temkin. Elisabethgrad: Delegierte Dr. J.Stein, Dr. D. Kanewsky, J. Hochmann, M. Smeliansky, J. Schulmann, Dr. Weissenberg; Ersatzmänner J. Partnow, Bogratschew, Spiwak, C. Mogilenski. Ekaterinoslaw: Delegierte Ing. M. Ussischkin, stud. Ch. Chissin, Sch. Schachnowitsch, Dr. Pressberg, Gh. Katzenelsohn, B. Spiwak; Ersatzmänner Schachnowicz, Chissin, Joffe. Ekaterinosl aw : Delegierte J. Mauson, Lewkowsky; Ersatzmänner Dabin, Perlmann. Laporousie-Komeiiskwe: Delegierter A. Leibson. Solotoposcha: Delegierter stud. Ch. Bograzow. S c h n i s 1 e t z: Delegierter Ch. Moteliansky.

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