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Die Welt · 1905-07-28 · 30 (28.7.1905) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
30 (28.7.1905)
Date
1905-07-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Für das u uO°rlülöD% Ausland : Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45; England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7 -, vierteljährig Shg. 3.6; Russland ganzjähiig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R. 1.75; Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.-, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig 4.25; Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. -.85. Nr. 30. Basel, 28. Juli 1905 — 25. Thamuz 5665. 9. Jahrgang. Vorabend des Kongresses. Immer vor dem Kongress erhebt sich die Stimme der Schwachmütigen und der Neider zu trübseligen Prophezeiungen , um durch den Kongress jählings zu verstummen. Wollten doch endlich die Kurzsichtigen begreifen, dass sie im Zionismus nicht ein künstlich aufgeblasenes politisches Phantom, sondern den unaufhaltsam ausgebrochenen Lebenskampf des jüdischen Volkes vor sich haben, der nur ein Ende kennt — das Ziel! Heuer besonders sang der Chor der schwarzen Propheten überlaut und glaubte das Richtige getroffen zu haben, weil dies und weil jenes geschah. Was aber ist die Wahrheit? Das zionistische Gewissen, die zionistische Tatkraft wurden durch die drängenden Umstände scharf geweckt und gespannt und sie schufen das Bild eines übervollen, glänzenden Kongresses. Wie herrlich ist es doch um den Zionismus bestellt! Welche Kraft repräsentieren doch die Hundertschaften der Delegierten, die Beauftragten einer vielmaltausendfachen Organisation! Die Freude der Kraft und des Lebens lässt jedes zionistische Herz bei ihrem Anblick höher schlagen, mit unendlichem Wohlgefallen hört das jüdische Ohr das stürmische Brausen im Kongresshaus dessen weite Gänge, hohe Säle und Stiegen schon seit Tagen kaum mehr zu passieren sind. Tausende Gäste, von denen viele aus weiter Ferne herbeigeeilt sind; in jedem Saale Konferenzen der Kommissionen, Landsmannschaften, Korporationen, Parteien. Sogar die Säle der umliegenden Hotels mussten wegen Platzmangels für dringende Tagungen herhalten. Ein ewiges Wogen um das Haus vom frühen Morgen bis in die späteste Nacht und in jeder Gruppe glühender Eifer und scharfe Redner. Auch nicht einer ist ausgeblieben, den wir mit Bedauern vermisst hätten. Um von den zionistischen Grössen zu sprechen, ist ausnahmslos jeder da, dem seine Leistungen Popularität in der Bewegung brachten. Kein Land auf der Erde, dessen Juden nicht ihren Wortführer auf den VII. Kongress geschickt hätten! Die Kanadier, Belgien, Australien, die skandinavische Halbinsel sind hier vertreten; alle Landsmannschaften geben geradezu eine Parade ihrer Leistungsfähigkeit, alle Gruppen haben ihren letzten Mann aufgeboten. Welch eine Unmasse Typen, welche interessanten Gegensätze/die sich im Zionismus versöhnen, welche Summe von Intelligenz und materieller Macht grüssen nicht allmorgens die blauweisse Fahne, die im Sonnenglanz des Himmels festlich niederwallt! Hier der Jerusalemer Rabbi in der althistorischen Tracht, ihm gegenüber die Frau Doktor aus Paris, nach dem neuesten Gebot der Asttietik gekleidet, aber beide mit dem guten, alten, jüdischen Herz. Die durch das Leben aufgeregte, hochgebildete Jugend Russlands, im andern Winkel die kühlen Engländer und Amerikaner, die deutsche Landsmannschaft, die sich so pünktlich zu ihren Sitzungen versammelt. Die Erdarbeiter aus unseren Kolonien erzählen von den Erfolgen ihrer genossenschaftlichen Organisation, daneben muss Ing. Wilbusch noch einige Erfahrungen aus Ostafrika an unermüdliche Zuhörer verzapfen. Babylonien längst übertroffen. Hier trösten die Vertreter des Balkan, dort die Italiener, weiter die Pariser ihre Landsleute, welche trotz aller Protektionen keine von den Gastkarten mehr erlangen konnten bei dem heirschenden Kolossalandrang. Ohne Lücke ist das Gesamtjudentum auf dem Kongress erschienen. Warm drückt der Südafrikaner dem Posener die Hand, Vertreter des Kaukasus debattieren mit einem baumlangen Kanadier. Die zionistische Agitation hat alle Richtungen der Windrose genommen und ist nirgends einen Schritt zurückgewichen. Es war in den letzten Zeiten nicht opportun, von einem guten Stand des Zionismus zu sprechen. Wenn man aber hier in Basel die Vertreter der überaus stark erschienenen Landsmannschaften fragt, — stark erschienen, trotzdem die Wahlberechtigten seit dem letzten Male nur die Hälfte der Wahlberechtigung haben — so weist jeder mit Stolz auf die Stände seines Rechenschaftsberichtes hin und ist voll ruhiger, guter Zuversicht für den Gang der Arbeit. Zuversicht der Arbeit — das ist die Signatur des VII. Kongresses, dieses neuen, strahlenden Zeichens zionistischer Kraft. Nun brennen schon seit Stunden die elektrischen Lampen über dem Barfüsserplatz, aber noch immer hält

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