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Die Welt · 1905-07-21 · 29 (21.7.1905) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
– (sequence 29)
Language
German
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Nr. 29 „bi* j Anregung für Kongressdelegierte. Die zum Kongresse aus überseeischen Ländern reisenden Delegierten mögen in ihren Landesorganen die Mitteilung veröffentlichen, dass sie Briefmarken spenden für den Nationalfonds nach Basel mitnehmen. Dadurch können wertvolle Markenspenden mit Ersparnis der überaus hohen Zoll- und Frachtspesen ihrem Zwecke zugeführt werden. Ferner möge die Philatelieabteilung im Kongressgebäude einen Sammelkasten für Briefmarken aufhängen, wo die Marken der aus allen Teilen der Welt an das Bureau und die einzelnen Delegierten einlaufenden Briefe gesammelt werden können. Mit Zionsgruss Hugo Zuckermann (Eger). 'M s|e; .*. Wilna. Der bekannte Zionist und Odessaer Arzt Dr. S ap hir, der gegenwärtig auf dem mandschurischen Kriegsschauplatze weilt, hat bewiesen, wie man unter allen Umständen für unsere Bewegung arbeiten kann, wenn man nur den ehrlichen Willen dazu hat. Er teilte nämlich dem Aktionskomitee mit, dass er unter seinen jüdischen Kriegskameraden 100 Aktien der Jüdischen Kolonialbank verkauft und 4000 Rubel für den Nationalfonds gesammelt hat. — Wenn man in Betracht zieht, dass die in den Krieg ziehenden Juden sich in der Regel aus Angehörigen der ärmeren Klassen zusammensetzen — die Reichen kaufen sich meistens los — so gibt uns dieser Opfermut die Ueberzeugung, dass es unter den russischen Juden noch eine gesunde Kerntruppe von Elitejuden gibt. Personalnachrichten. Die Vermählung unserer Gg. Fräulein Cäcilie Temkin mit Dr. M. N. S irkin hat in Warschau am 5.|18. Juli a. c. stattgefunden. Wir gratulieren. — (Zionistische Doktorpromotion.) Unser Gg. Elias Auerbach promovierte kürzlich in Berlin als Doktor der Medizin und Chirurgie. Die erste seiner Thesen lautete: „Die moderne Rassentheorie kann auf wissenschaftlichen Wert keinen Anspruch erheben. — Von einer „Rasse" kann man mit einigem Recht unter allen heutigen Kulturvölkern nur bei den Juden und Japanern sprechen." „Und so gedenken wir . . Als wir /um IV. Kongresse nach London fuhren, zeigte uns Leo Rafaels, „was wir in London sehen sollten", Kr sprach eingehend über die „Heilsarmee4' und was wir von ihr lernen könnten. Wir haben es bisher versäumt. Es nachzuholen, des sollten wir uns in diesen Tagen erinnern, in diesen Tagen der Trauerwochen Israels. Leo Rafaels schrieb damals („Welt44 1900, Nr. 32): „Und noch eine andere Eigenschaft des natürlichen 'Menschen hat General Rooth benützt, das B e d ü r f n i s de r 1: n i - sagung. Kein Qiück auf Erden, das dem Glücke der Selbstüberwindung, dem Stolze der Entsagung, der Gehobenheit des Martyriums gleicht. Was sind alle Genüsse der Reichen im Vergleiche mit dem Bewusstsein, das der Tag des freiwilligen Fastens dem Heils-soldaten gewährt? Die moderne Menschheit hat beinahe den Begriff der Entsagung verlernt.** * * * Wir aber sollten ihn kennen. Wir sind in den T raucrwochen Israel s. Seit 1800 Jahren, eine Zeit der Entsagung, haben diese Tage allerdings allmählich von ihrem Ernst eingebüsst. Aber furchtbar wurden wir wieder daran gemahnt. Die Zeit, die uns unsere Selbständigkeit nahm, nahm uns auch den Mann, der sie uns wieder schaffen wollte, dem wir vertrauten, dass er .sie uns wieder schaffen würde. In diesen Tagen der Trauer wurde uns die grösste Entsagung auferlegt: Entrissen wurde uns TheodorHerzl, der unserem Volke alles gab, was er besass. Und sein Volk? Es betrauerte ihn, aber wenig, allzu wenig noch strebte es ihm nach, gar zu wenig gab es ihm. Aber wir könnten ihm mehr geben, lernten wir, immer mehr dazu zu helfen, dass sein Werk in Bälde sich verwirkliche. Diese Wochen der Trauer sind uns eine immer wiederkehrende Mahnung diazu. Aufs neue seien sie geweiht, geweiht durch Entsagung. W$lt" Seite 29 Es ist ein Wettstreit alljährlich in diesen Tagen unter Judas Söhnen und Töchtern, wer mehr zu entsagen vermag zum Wohl unseres Volkes, zur Ehre unseres Führers. Ein Opfer werde* so gebracht von einem jeden, ein Opfer des Gedenkens an das, was uns genommen wurde, ein Opfer aber auch, das aufs neue uns helfe, wieder das zu werden, was einst wir waren: ein f r e i e s V o 1 k auf freiem Boden. S. H. Feuilleton- Theodor Herzls zionistische Schriften/) Jetzt, unmittelbar vor dem siebenten Kongresse, wurden sie der Oeffentüchkeit übergeben. Wie eine Mahnung an diejenigen, die sein Erbe zu verwalten haben, wie ein Ruf an die Genossen, die seine erste, grösste praktische Schöpfung, den Kongress, weiterführen sollen. „Die zionistischen Schriften sollen allen Juden, die an sich und ihre Zukunft glauben, zeigen, wie Theodor Herzl sich diese Zukunft gedacht hat, auf welchen Wegen er sie für sein Volk erreichen wollte; den Nichljuden, die guten Willens sind, wird es erwünscht sein, das zionistische Programm aus erster Hand kennen zu lernen; der Seelenforscher wird die Aeusserungen eines geborenen Führers, einer — mit Garlyle zu reden — königlichen Persönlichkeit mit Teilnahme und seltenem Gewinne studieren." So erklärt Leon Kellner, der Herausgeber der zionistischen Schriften Dr. Herzls, den Zweck ihrer Veröffentlichung. So wird mit schlichten Worten ein fürstliches Geschenk für das jüdische Volk und für alle Menschenfreunde einbegleitet. Wohl, ein Sammelwerk und nicht einmal eines, das alles enthält, und doch eine Gabe, wie sie selten geboten wird/ Was die keuscheste, aufopferungsvollste Liebe sorgte und sann, was ein edler, hoher Geist prophetisch erschaute, es ist dem eilenden Tag entrissen, künftigen Zeiten bewahrt. Perlen und Edelgestein aus einem unerrnesslichen Schatze nochmals vor aller Augen hingebreitet in ihrer wundervollen, ergreifenden Schönheit. Denn er war reich, der sie uns schenkte, reich wie die Fürsten des Märchens, ihnen gleich in Kraft und Schönheit, in Weisheit und Milde. Und ihnen gleich, ging er von vielen unerkannt durch das Leben und selbst die ihn erkannten, kannten ihn nicht; denn zu den innersten Gemächern seines Märchenpalastes kamen sie nie, wenn sie ihm auch folgten. Und dort gerade liebte er zu weilen, fern von allen die Stunden der höchsten Weihe zu erleben. Was wir davon erfuhren, das ist nun zum Teil aufbewahrt in diesen Blättern, in seinen zionistischen Schriften. Aus den Stunden der höchsten Weihe. Was er davon sagen wollte, konnte, hat er denen gesagt, die ihn hören wollten. Freilich, viele, viele wollten nicht. Er hat es vorausgewusst und vorausgesagt. Und heute können die Grossen und die Kleinen staunend sehen, wieviel von dem in Erfüllung gegangen ist, was er begonnen. Und wieviel nicht geworden ist, weil sie nicht wollten. *) Herausgegeben von Prof. Dr. Leon Kellner. Jüdischer Verlag. Berlin-Charlottenburg.

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