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Die Welt · 1905-07-21 · 29 (21.7.1905) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
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Seite 20 „Di* * Welt" Nr. 29 An den Juden aller Länder ist es, dazu beizutragen, dass den Anfängen das grosse Werk sich an sch Hesse. Eine weit ausgreifende Bewegung, die Juden aller Weltteile und aller Sprachen nach vielen Hunderttausenden umfasst, die des Zionismus ist es, welche die Begründung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina auf ihre Fahne geschrieben und die den Plan einerHeimstättengründung in der modernsten Form, mit den modernsten Mitteln organisiert hat. Es war im Jahre 1897, dass der erste von unserem unvergesslichen PYihrer Theodor Herzl einberufene Zionistenkongress in Basel das Programm aufgestellt hat: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer ' öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Seither wurde vieles in die Wege geleitet, was die Juden diesem Ziele näher bringen sollte. Unterhandlungen mit interessierten Regierungen haben den Beweis erbracht, dass der Zionismus auf die wohlwollende Unterstützung europäischer Machtfaktoren rechnen kann. Aber nicht die äussere Unterstützung ist es, auf die her Zionismus vor allem rechnet. Sein Grundsatz ist, dass das jüdische Volk alles, was es für sich schaffen will, durch sich, aus der Anspannung aller seiner Kräfte schaffen muss. Und obwohl für viele Tausende, die dem Zionismus angehören, jede, auch die kleinste Gabe ein grosses Opfer darstellt, ist es doch gelungen, aus der Zusammenarbeit der vielen hunderte und aberhunderte von Vereinen zwei Institute zu schaffen, die die materiellen Stützen der zionistischen Bewegung - darstellen: die Jüdische Kolonialbank und den Jüdischen Nationalfonds. Die Jüdische Kolonialbank verfolgt vor allem den Zweck, im Falle von Unterhandlungen, die zur Ueberlassung, beziehungsweise zur rechtlichen Sicherung von Gebieten für jüdische Kolonisation führen sollen, als finanzielles Institut zu dienen. Sie hat sich seit ihrer Begründung in immer aufsteigender Linie entwickelt, hat an verschiedenen Stellen Filialen errichtet, von denen die wichtigste die in Jaffa, die „Anglo-Palestine Company" ist, die hauptsächlich das jüdische Kreditwesen und den industriellen Unternehmungsgeist in Palästina zu* fördern bestimmt ist. Immer mehr entwickelt sich die „Anglo-Palestine Company" zu einem Zentralinstitute der palästinensischen Juden und immer mehr wird dadurch neben der materiellen die .moralische Kraft der Bank gesteigert, die im Lande der Väter geordnete wirtschaftliche Verhältnisse herbeizuführen mit berufen sein wird. Die „Anglo-Palestine Company" mit ihrer Filiale in Jerusalem in Verbindung mit der deutschen Palästina-Handelsgesellschaft in Hamburg und einer Reihe kleiner ähnlicher Unternehmungen, welche die Hebung des Im-, und Exportes Palästinas bezwecken, hat die Aufgabe, auch praktische Anlagen grösseren Stils in Palästina ins Leben zu rufen. Bei diesen Tätigkeiten wird sie sich in wissenschaftlicher Hinsicht auf die theoretischen Arbeiten einer besonderen zionistischen Kommission, der Palästina-Kommission in Berlin, stützen, die die. verlässlichen Grundlagen für die künftige Grosskolonisation durch wissenschaftliche Arbeiten und Experimente liefert. . Die zweite finanzielle Institution des Zionismus ist der Jüdische Nationalfonds, dem diese Schrift gewidmet ist. Wir haben seine Grundbestimmung bereits dargelegt: Es soll in Palästina und Syrien Boden angekauft werden, der dem jüdischen Volke gehört. Vor allem sollen durch jüdische Bauern Aecker bestellt werden. Aber nicht das allein; Gestützt auf einen in diesem Boden wurzelnden Bauernstand, sollen andere Kategorien arbeitender und frei schaffender Juden allmählich in den Stand gesetzt werden, an die landwirtschaftlichen Betriebegewerblicheund industrielle anzuschliessen. So wird der Nationalfonds indirekt vielleicht eine noch höhere, segenbringende Tätigkeit entfalten als auf direktem Wege. Durch den Erwerb von Land werden die verschiedenartigsten Betätigungsmöglichkeiten eröffnet werden, nicht zuletzt auch Schaffensmöglichkeiten auf geistigem und kulturellem Gebiete. Durch die Bildung neuer Kolonien, einer neuen jüdischen Gesellschaft, eines Marktes, der auf Einfuhr und Ausfuhr eingerichtet sein wird, neuer geistiger und nationaler Zentren und ähnliches wird für eine grosse Reihe geschulter Kräfte, Techniker, Ingenieure, Agronomen, Lehrer, Aerzte usw. Platz zur Betätigung in einer jüdischen Gemeinschaft geschaffen werden. Den ungeheuren Wert dieser Arbeitsmöglichkeiten wird man am richtigsten erst dann einschätzen, wenn man sich für einen Augenblick als Gegensatz vor Augen hält, wieviele jüdische Kräfte, insbesondere akademisch gebildete, in Europa durch staatliche oder gesellschaftliche Absperrungen an jeder Art der Entfaltung behindert sind. Wenn sich, durch den Jüdischen Nationalfonds erworben, Streifen Landes an Streifen Landes schliessen wird, wenn Kolonie an Kolonie sich reihen und allmählich das alte Heimatland der Juden wieder erschlossen werden wird, dann wird einer staunenden Welt gezeigt werden können, wie aus kleinen Anfängen durch eigene Kraft ein stolzer Bau errichtet wurde, wie mit den allerkleinsten Beiträgen, die die einzelnen für den Nationalfonds gaben, durch das Zusammenwirken Hunderttausender ein grosses Werk gefördert wurde: die Wiederaufrichtung des Volkes, das solange keinen eigenen Boden unter den Füssen hatte. Der Grundgedanke des Jüdischen Nationalfonds war der, dass alle Juden, denen noch das Judentum leuer ist, wann immer sie können und soviel sie vermögen, im kleinsten oder im grossen beisteuern sollen zu dem Fonds, damit er nach Jahr und Tag fähig wäre, ein grosses und nachhaltiges Hilfsmittel zu werden. Keiner sollte ausgeschlossen werden, nicht der Reichste und nicht der Aermste, von der Steuer zu diesem Fonds, keiner aber auch sollte sich selbst davon ausschliessen. Wo immer Juden wohnen, sollte die Sache des Nationalfonds zu einer jüdischen Volkssache werden, zu der jeder Volksgenosse mit selbstverständlicher Bereitwilligkeit zutritt. Klein und gross, jung und alt sollen wissen, dass sie eine Stelle haben, an der sie zu einem grossen jüdischen Zwecke beitragen können, beitragen müssen. Der Name und Zweck des Jüdischen Nationalfonds soll allen Juden vertraut sein. Die Beisteuer soll ihnen eine Gewohnheit werden, kein Opfer, sondern eine freudig geübte Pflicht. So dachte sich der verstorbene Prof. S c h a p i r a aus Heidelberg das Wesen des Nationalfonds, den er auf dem ersten Zionistenkongresse (1897) beantragte

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