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Die Welt · 1905-07-07 · 27 (7.7.1905) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
27 (7.7.1905)
Date
1905-07-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „bie # wtitM Nr. 27 bie Ostafrika-Expedition. IV. Bericht über die Arbeit der Zionistenkommission im Britischen Ostafrika. Von Alfred Kaiser, Arbon. (Aus dem Englischen übersetzt.) BISHERIGE KOLON IS ATI 0 N S AR BE IT EN. Kolonisa'tionsarbciten, die sich direkt auf das Guasso- Ngischu-Hoehland beziehen, sind sozusagen noch keine unternommen worden, denn der Vor such dreier Natalburen, am Ennol-Mossigioi eine Viehfarm zu gründen, darf seiner Kleinheit und seines Fiaskos wegen doch kaum als ein Ivolonisationswerk eingesehätzt werden. Nur die Erbauung von Militärstationen darf als eine solche Arbeit betrachtet werden, und wenn die Stationen auch ausserhalb der Grenzlinie des Guasso-Ngisehu-Landes liegen, so haben sie doch etwas Einfluss auf die Sicherheit der öffentlichen Ordnung und auf die Stellung der Eingeborenen zu eventuell ankommenden Neusiedlern. Sehr gross ist ihr Einfluss freilich nicht, denn er beschränkt sich auf das ohnehin friedfertige Volk der Elgeyo. Die Maraguetti und die Wakuafi kümmern sich mm ig um die Freundschaft der Weissen, und um auf diese einen Einfluss zu gewinnen, wären wohl in ihren Wohn gebieten selbst einige MTiitärstationen zu gründen. Ich habe die Ucbcrzougung, dass die Sicherheit vor rauberisehen Doborf allen im Gnasso-Ngischu-IToehlande eine bei weitem nicht so grosse ist. wie viele Leute zu glauben geneigt sind. Unsere Karawane selbst wurde auf dem "Rückmarsch von Käubern angefallen und als ich im Jahre 189tf an der Südwestgrenze des Territoriums vorbeikam, wurden eben falls einige unserer Träger durch räuberische Eingeborene ausgeplündert. Kurze Zeit nach unserem Durchmärsche am Ennol-Mossigioi wurde den Buren ihr gesamtes Vieh gestohlen, und im Westen des Territoriums zwischen der Landschaft Ol-Borgit und. Nandi habe ich auf meiner letzien Tour einen sehr stark begangenen Pfad entdeckt, auf welchem vor einigen Wochen noch grössere Menschenirupps, wahrscheinlich diebische Wanandi, hin und her gewandert sind. Tn unserem Sirgoilager besuchte uns Mr. Foakes, der Kollektor von Schimoni. der von seiner Station aus eine kleine Expedition zu den Elgeyoleuten unternommen hatte. Seine 30 Träger waren von nicht weniger als '20 vom Kopf bis zu den Zehen bewaffneten Polizei Soldaten begleitet. Es war für mich sehr auffällig, dass ein Mann, der dieses Land doch unbestritten am besten kennt, mit einer so grossen Zahl von Soldaten reisen musste. Wenn gelegentlich auch Wakammassia, Massai und andere umwohnende Völkerstämme das Guasso-Ngischu- Gebict in räuberischer Absicht durchstreifen, so sind es zweifelsohne doch die Wanandi, welche das Hochland in beständige Unsicherheit, versetzen. Wenn irgendwo in Britisch- Ostafrika Unruhen vorkommen, so sind es gewöhnlich die Wanandi, die sich renitent erweisen. Sie sind grosse Käuher und würden die Neusiedlung von Europäern wohl stets gefährden, wenn die Regierung sie nicht vorher bezwingt und sie auf immer unschädlich macht. Die Wohngebiete dieser Wanandi liegen, wie bereits angedeutet, an der Siidgrenze des Territoriums, in einer waldreichen Berglandschaft, die ihrem Räuber- und M'örderwesen grossen Vorschub leistet und. ihnen viel zu viel natürlichen Schutz gewährt. Um den Leuten ihr Handwerk zu legen, sollte man sie in ein anderes, besser kontrollierbares Gebiet transferieren, vielleicht gerade in das Guasso- Ngischu-Grasland, wo die Moguanleute ihre Heimstätten hatten und wo sie im Kontakte mit europäischen Siedlern allmählich an ein produktiveres Leben sich gewöhnten. Man müsste sie von den Maraguetti- und Elgeyoleuten natürlich fernhalten und alles vermeiden, Avas diese drei Völkerschaften zu einem Ganzen vereinen könnte. Da durch eine derartige Transferierung der Wanandi ein sehr fruchtbares Grenzgebiet des Territoriums der Neusiedlung eröffnet würde, so läge es wohl sehr im Interesse der Zionisten, dieses evakuierte Nandigebiet als Kompensation eines anderen Gebietsteiles, etwa der Elgongegend, für sieh zu erhalten. Der Ostabhang des Elgon gehört in wirtschaftlicher Beziehung viel weniger zu dem Guasso-Ngisclni-Plateau als das Nandiland. Er liegt auch zu weit von der Bahn entfernt, als dass wirtschaftlich von ihm etwas zu erwarten wäre, und dann würden, wie bereits angedeutet, die Wakuafi diesen Kulturland streifen wohl einstens als ihr Besitztum reklamieren. Nandiland aber gehört nach seinem ganzen Charakter zu dem südlichen und östlichen Territorium, es liegt direkt an der Eisenbahnzone und ist von grosser Fruchtbarkeit. Ich habe oben angedeutet, dass drei Natalbure n< den Versuch machten, im Guasso-Ngisehu-Plateau sich anzusiedeln. Wir haben diese Siedlung besucht und mit den drei Buren gesprochen. Es sind drei Brüder van Brida, die vor zirka dreiviertel Jahren hierherkamen und am Mossigioibach eine Viehfarm zu errichten gedenken. Sic haben etwa 10 000 Acres Weideland zu beiden Seiten des Gewässers mit weissen Fähnlein abgesteckt, das Land ist ihnen von dem Gouvernement aber noch nicht zugesprochen worden und wird es wohl auch nicht werden, so lange die Zionistenfragc noch nicht entschieden ist. Zur Zeit besteht die Siedlung erst aus zwei Lchmhäusern, einigen Laubhütten, einer Viehfenz und einem um die Wohnung herum gesäuberten freien Platz. Als ich auf die Farm kam, war keiner der Buren anwesend und da die Hütten noch keine Fenster und keine Türen hatten, sondern nur durch vorgehängte Wild feile vor Eindringlingen geschützt sind, hatte ich Gelegenheit, mich darüber zu vergewissern, dass die Leute einstweilen nicht von Viehzucht oder Gartenwirtschaft sich ernährten, sondern lediglich in der Jagd ihren Lebensunterhalt suchten. Ein kleiner Haufen leerer Konservenbüchsen deutete darauf hin, dass zur Abwechslung hie und da auch eine Konserve geöffnet wird. Von Jasrdtrophäen konnte ich zwar nichts entdecken als zwei gefundene Schädel eines Büffels und eine- Elefanten, die vorhin erwähnten Wildhäute und zwei frisch ausgeweidete Kuhantilopen. Die Herdendieser Siedler wurden eben von einem Kawirondoknaben eingetrieben, als ich vor Sonnenuntergang die Farm verliess. Sie zählten etwa 10 Kinder und ebenso viele Esel, die alle ein sehr gutes Aussehen hatten und gute Fettansätze aufwiesen. Unter den Kindern war viel Fleckvieh und der Schlag, ist derselbe, den man in Kawirondo und bei den Massai trifft. Van Brida klagte über die Unsicherheit vor di(mischein Elgeyo- und Wandorobogesindel, das gerade einige Tage vor unserem Durchmarsch vier Kinder von. der Farm weggestohlen habe. Nach Burenbrauch möchten diese Siedler sog. „Freihand", d. h. das Recht, das ihnen verdächtige Gesindel kurzerhand mit der Flinte zu vertreiben und für Diebstahl sich selbst zu revanchieren. Dass ihnen die Regierung dieses Recht indessen nicht einräumen wird, ist selbstverständlich, doch hat sie die Pflicht, in der Nähe der Farm eine Polizeistation zu errichten. Als wir zum zweiten Male auf der van Br idasehen Farm vorbeikamen, hatten die Eingeborenen diesen Siedlern schon den aanzen Viehstand gestohlen und wir vermuten, dass die Diebe die nämlichen Leute waren, die auch unsere Proviantkiste und einen Schiffsack mit Kleidern, einen Revolver und eine Anzahl Patronen erbeuteten. Da die Überfallenen Träger schon öfters in der Guasso-Ngisehu-Gegend waren und die umwohnenden Eingeborenen genau voneinander zu

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