Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316128-3316153--46880-3341747- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 8 „bi« * Weit" Nr. 20 Glimpflicher verliefen die Judenkrawalle in K r j u k o \v bei Kremefltschug, Dort hatten die Juden keine Menschenleben zu beklagen. Doch "die Zahl der Städte, wo unschuldiges jüdisches Blut vergossen: wurde, ist noch nicht erschöpft. Noch in vielem anderen Ortschaftem im heiligen Russland wurden Exzesse gegen die Juden inszeniert, denen viele unserer Volksgenossen zu.m Opfer fielen. Doch spärlich sind noch die Nachrichten, welche über diese Ausschreitungen vorliegen, so dass wir die Fortsetzung dies Berichtes über das neue Judenmassaker in Russland hier vorläufig unterbrechen müssen . . . Und wozu sollen wir diese erschütternde Chronik aus dem schrecklichen Dasein unserer Volksgenossen in Russland fortsetzen? Seit Kischenew und Hornel zweifelt kein vernünftiger Mensch mehr daran, dass die Juden in Russland einer düsteren Zukunft entgegengehen. Die neuesten Exzesse haben diese Ansicht höchstens nur bestärkt und angesichts der angeblich geplanten Reformen! ins rechte Licht gesetzt. Gt. Die Organisation der theoretischen Arbeit unter der jüdischen Jugend in Russland. Die von den russischen Zionistem zusammengesetzte Kommission zur Organisation der theoretischen zionistischen Arbeit in den Vereinen-der jüdischen Jugend hat ihr Programm nunmehr endgültig ausgearbeitet. Das Programm umfasst die nationale Frage, den Zionismus und die Palästinakundie. Die Arbeit der Kommission über die Theorie der nationalem Frage ist vor wenigen Tagen in Moskau als Manuskript erschienen und liegt uns nun vor. In dem Vorworte zu dieser Arbeit kennzeichnet die Kommission des näheren die Ziele-und die Aufgaben, welche durch die Organisation der theoretischen Arbeit unter der jüdischen Jugend verfolgt werden, und über die Bedeutung dieser Organisation für die Erstarkung des Zionismus. Es heisst darin u. a. wörtlich: „Die Bedingungen, unter denen in den Vereinen der jüdischen Jugend das Studium des Zionismus und der in enger Verbindung mit ihm stehenden Fragen betrieben wird, sind äusserst ungünstig. Die hauptsächlichsten Hindernisse auf dem Wege zum erfolgreichem Studium des Zionismus sind: der Mangel an wissenschaftlichen Werken in der zionistischen Literatur, das Fehlen eines systemisierten Programms zum Studium des Zionismus und der in Verbindung mit ihm stehenden Fragen und der Mangel an einer Institution, welche die theoretische Arbeit der Vereine erleichtem und regulieren könnte. Die Beseitigung der letzten zwei Uebelstände bildet raun die Aufgabe der Kommission zur „Organisation der theoretischen Arbeit in den Jugend vereinen". Das von der Kommission ausgearbeitete Programm zerfällt in vier Teile: I. Die nationale Frage. II. Die jüdische Frage und die kulturellen Strömungen im J ud entum. III. Der Zionismus. (Einführung in das Studium des Zionismus; der politische Zionismus; der moralische Zionismus und der moralische Nationalismus.) IV. Palästina künde. (Die geographische Lage; die Geschichte Palästinas und die jüdischen Kolonien in Palästina.) Jeder Abschnitt des Programmes bildet einen selbständigen Teil des Arbeitsprogramms, aber alle Abschnitte zusammen bilden ein Ganzes."____ Der vorliegende erste Teil des Arbeitsprogramms ist der nationalen Frage gewidmet. Hier ist ein Verzeichnis der bedeutendsten Werke der hervorragendsten Autoren der Welt über den Nationalismus und über das Wesen der nationalen Frage angebracht, deren Kenntnis den Mitgliedern der jüdischen lugetidvareine dringend empfohlen wird, um sich für da: Studium der jüdischen »Frage und des Zionismus vorzubereiten. Ks ist hier auch eine Auswahl aus den Werken bewährter Autoren über das Wesen der nationalen Frage geboten, welche den Standpunkt der modernen Wissenschaft in dieser Frage beleuchten. Durch das Studium der im vorliegenden ersten Abschnitte des Programms aufgezählten Werke werden die Mitglieder der Jugendveireine bestimmte wissenschaftlich -begründete Anschauungen über die nationale Bewegung erhalten, um sich hierauf der jüdischen Frage zu widmen. Gt. Erwiderung. In Nr. 18 der „Welt" beschuldigt mich Herr Dr. Felix Pinkus, in meinem Referate „Zar Ostafrikafrage", den TVxt einiger von mir aus seinem Aufsatz in der „Volksstimme" wiedergegebener Sätze umredigiert und dann in Anführungszeichen gesetzt zu haben, „um dadurch den Anschein zu erwecken, dass der Satz wörtlich dem Original entnommen sei," Dieser Voiwurf ist hinfällig. Mein in der „Welt" abgedruckter Aufsatz ist ursprünglich als-Tfxt für einen in der Berliner Zionistischen Vereinigung gehaltenen Vortrag niedergeschrieben worden. Bei meiner geringen Fähigkeit, frei zu sprechen, ist „Vortrag* ziemlich identisch mit „Vorlesung". Demgemäss waren die Anführungsstriche auch nur dazu bestimmt, zum Zwecke der entsprechenden Betonung meinem lesenden Auge zu avisieren, dass der kommende Satz eine Wiedergabe sei, Denn eine Wiedergabe musste durch die Aussprache aus meinen eigenen Ausführungen deshalb durch Akzentuierung scharf hervorgehoben werden, weil sie erst in dem darauf folgenden Satze ausdrücklich als solche kenntlich gemacht wurde, die Zuhörer also das Zitat zunächst als meine eigene Meinung hätten auffassen können. Also nichts als eine Gedächtnishilfe für die Aussprache bedeuten hier die Anführungsstriche. Der Satz „Chamberlain hat uns deswegen Ostafrika angeboten, um uns von einer Koalition mit der Türkei abzudrängen" ist eine Zusammenfassung mehrerer, zum Teil auch räumlich getrennter Stellen, die sowohl aus diesem Grunde, als auch wegen der teilweise fragenden Form gar nicht wörtlich zitiert werden konnten. Mit dieser Zusammenfassung und dem Versehen, die Anführungsstriche bei der mehrere Wochen später erfolgten Absendung des 52 Quartseiten umfassenden Manuskripts an die „Welt" nicht beseitigt zu haben, wäre Herrn Dr. P. aber nur dann Unrecht geschehen, respektive Anlass zu seinen Beschuldigungen gegeben worden, wenn dadurch der Sinn seiner Auslassungen verändert wurden wäre. Das ist zweifellos nicht der Fall; denn jeder unbefangene Leser weiss, dass eine Behauptung durch die rhetorische Form der Frage an Bestimmtheit in der Regel nichts verliert, ja oft dadurch sogar noch an Schärfe gewinnt. Ein ganz merkwürdiges Licht fällt aber auf die Vorwürfe, die mir Herr Dr. P. infolge der formalen Ungenauigkeit machen zu dürfen glaubt, wenn man den Wortlaut seiner eigenen „Erwiderung" daraufhin ins Auge fasst. Er zitiert nämlich aus meinem Aufsatze in Anführungszeichen die Worte „tiefgründige Weisheit/' während ich von „tiefgründiger Politik" spreche. Man sollte meinen, wer an einem nicht wortgetreu zitierten Satz beschimpfende Bemerkungen knüpft, der hätte wenigstens Anlass, dabei selbst genau zu zitieren. Im Gegensatze zu meiner, wie gezeigt unvermeidbaren, nur formalen Aenderung hat die von ihm vorgenommene Umredigierung meiner wohlüberlegten Fassung den Sinn verändert. „Tiefgründige Weisheit" wäre eine persönliche Kritik mit hämischer Färbung, „tiefgründige Politik" kritisiert nur die Sache, über die ich gerade rede, nämlich eine politische Richtung im Zionismus. Ich werde mich aber nun weder so ausdrücken, dass Herr Dr. P. „den Mut hat, diese Umredigierung meines Textes in Anführungszeichen zu setzen, um dadurch den Anschein zu erwecken, dass der Satz wörtlich dem Original entnommen sei,4 noch werde ich von unfairem Verhalten sprechen« Wenn Herrn Dr. P. also durch die Zusammenfassung seiner Sätze kein Unrecht geschehen ist, dann hat seine beleidigende Unterstellung nur den Zweck gehabt, einerseits seinem Aerger über m.'ine sachliche Kritik Ausdruck zu geben, andrerseits glauben zu machen, , dass er in der a^e sei, mich sachlich zu widerlegen, dies aber infolge