Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 19 (12.5.1905)
- Date
- 1905-05-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 19 lfb»e # W$lt" Seite 11 St. Georgen, verh., Tapezierer, XV., Henrietteng. 8. Gustav Subak, Währing, ledig, Beamter, XIII., Baumgartenstr. 60. Anna Goldzieher geb. Fuchs, Posen, verh. Rieh. Pollitzer, Wien, Ledig, med., Anastasius Grüngasse 42. Max Lederer, Pilsen, iediig, phil., VIII., Wickeuburggasse 22. Camilla Benedikt, Eger, ledig, IX., Frankgasse 1. Josefa Zachel Brüll geb. Wieser, verwitwet, Porzellangasse 22. Anna Steingraber geb. Steinschneider, Olmiitz, verh., XII., Rückergasse 12 und Sohn Maximilian und Mann Moritz, St. Petersburg, Beamter. Löwy Karoline, Wien, ledig, Private, Schottenring 19. Emil Sonnenschein, Eisgrub, Zuckerbäcker. Summa: 89. —y. Der erste jüdische Charter. Vor 250 Janren fand die erste jüdische Einwanderung in Nordamerika statt. Aus diesem Anlasse fand in New York eine imposante Festversammlung in der Synagoge in Central Park West statt. Die Versammlung wurde von 35 Kongregationen und Vereinen beschickt. Herr Louis Marschall führte den Vorsitz, Nach Uebernahme des Vorsitzes erklärte Herr Marschall, die Juden verdienten den Vorwurf der Gefühllosigkeit, wenn sie die Erinnerung an die Landung der im Jahre J 655 aus Brasilien kommenden 27 Juden nicht festlich begehen würden. Die Juden wären auch undankbar, wenn sie aufhören würden das amerikanische Volk und Land zu schätzen, wo bereits jene ersten jüdischen Ansiedler volle Gleichheit genossen, die als Flüchtlinge kamen aus einem Lande, wo ihnen das Leben unerträglich gemacht worden war. Der nach dem Vorsitzenden sprechende Reverend Dr. Mendes gab eine historische Skizze der Ankunft der Jüdischen Pionniere". Im November 1654 verliess die Barke „Catarinau mit 23, andere sagen 27 Juden an Bord, das damals einen Besitz der Portugiesen bildende Brasilien, um nach langer, beschwerlicher Reise in Neu-Amsterdam zu landen. Auf Grund eines vom 16» Februar 1655 datierten Charters mit der holländischen westindischen Kompagnie wurde den jüdischen Ankömmlingen volle Freiheit „zu leben, handeln und zu reisen" und dieselben Privilegien wie allen anderen Einwohnern zugesichert. Die Wörtführer der jüdischen Ankömmlinge hiessen Abraham de Lucena, Salvator d' Andrada und Jakob Coen. Der nächste Redner, Herr Oskar S.Strause, erinnerte daran, dass vereinzelte Jnden schon lange vor dieser Kolonistengruppe das amerikanischeFestland betraten. So haben sich bereits in der Begleitung Columbus vier Juden befunden; der hervorragendste unter ihnen war Louis de Torres. Die Versammlung beschloss die Herausgabe einer Geschichte der amerikanischen Juden zum Andenken an die Ankunft der ersten Juden in Amerika. Aus Palästina. In Jaffa wurde vor kurzem „Uriel Acosta" in hebräischer Sprache aufgeführt. Die Vorstellung war von ungefähr 600 Personen aus allen jüdischen Gesellschaftsschichten besucht und verfehlte nicht, einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Die htbräische Uebersetzung des Dramas wurde von den Lehrern der Mädchenschule besorgt. Das Gelingen dieser Vorstellung, die ein ansehnliches Reinerträgnis zugunsten der Mädchenschule abwarf, veranlasste das Komitee zu weiteren Veranstaltungen und so wurde am vergangenen Mittwoch ein Konzert aus Wagner, Meyerbeer und Halevi veranstaltet, dessen Abschluss eine Jargonkomödie bildete. Ob aber ein Jargontheater in Palästina am Platze sei, ist, wie der Korrespondent des „Hazman* richtig betont, sehr zu bezweifeln, da ja Hebräisch von allen dortigen gebildeten Juden verstanden, Jargon aber von den Sephardim gar nicht gekannt wird. — Es verlautet, dass die „Icau entschlossen sei, die Seidenfabrikation in „Rosch-Pinah* aufzulösen. Dieser Industriezweig, der für die Kolonisation Palästinas so vielversprechend war, litt sehr unter verschiedenen Missgriffen der Administration, so dass sich die wIcaa zu dessen Liquidation gezwungen sieht. So sind wieder gegen hundert Arbeiter in Palästina durch das Verschulden der p. t. Administration von der Entlassung und Arbeitslosigkeit bedroht. H. Die Kischenewer Waisenkinder besuchten vor kurzem mit Herrn Beikind die Kolonie „Kechowoth", wo sie von den Lehrern und Schulkindern der Kolonie mit Jubel empfangen wurden. Aus den herzlichen Begrüssungen und Ansprachen der Lehrer Teller und Adler geht jedenfalls hervor, dass die im Ausland über Herrn Beikind verbreiteten Gerüchte mit Reserve aufzunehmen sind. Auch Jerusalem besuchten die Waisen vor kurzem, wo sie das Blindeninstitut besichtigten und von den Zöglingen mit Musik und Gesang empfangen wurden. Rührend war der Moment, als die Stimmen der jungen Pilger mit denen der Zöglinge des Blindeninstitutes sich im „Aud lau owdoK- Liede vereinigten. Die Konversation wurde ausschliesslich hebräisch geführt. Zionisten im Kultusvorstande von Krakau. Unser Gesinnungsgenosse, das Mitglied des grossen A.*C, Dr. Ludwig Goldwasser in Krakau, der bei den letzten Wahlen als zionistischer Kandidat die grösste Stimmenminorität erzielte, wurde bei der Komplettierung der Kultusräte, die vorige Woche stattfand, in den Vorstand aufgenommen. Es sitzen nunmehr im Krakauer Kultusvorstande fünf Zionisten, die zu den wackersten Anhängern unserer Partei zählen. Christliche Feiertagsbräuche in Galizien. Wie das Lemberger „Tagblatt" berichtet, herrscht in der Ortschaft Kanczuga ein alter "Brauch, am Karfreitag einen „J u d a s" auszustopfen und ihn zur Belustigung aufzuhängen, Heuer war diese sinnreiche Zeremonie von Exzessen gegen die jüdischen Einwohner begleitet. Es wurden Fensterscheiben eingeschlagen und jeder Jude, der auf der Strasse erschien, grausam geprügelt. Die städtische Polizei nahm an -den Exzessen teil und die Gendarmerie sah von der Ferne untätig und vergnügt dem Spektakel zu. Demselben Blatte wird aus Glinsko geschrieben: „Vorigen Mittwoch war liier ein ruthenischer Feiertag, an dem es althergebrachter Brauch ist, auf dem Heimweg aus -der Kirche in Judenfester Steine zu werfen. Diesmal wurde die Wohnung des Juden Feiwel Brodinger mit Steinen bombardiert. Der Jude erbat sich von der Bezirkshauptmannschaft einen Gendarmen zur Untersuchung des Tatbestandes; da aber drei Tage verstrichen waren und der Jude die Steine nicht wegräumte, bis die Untersuchung stattfinden würde, erhob der Wegmeister gegen ihn beim Ortsrichter eine Klage wegen unrechtmässiger Aneignung der Steine und er wurde zur sofortigen Zahlung von 8 Kronen verurteilt." Jüdische Bibliothek und Lesehalle. In Frankfurt a. M. ist kürzlich ein Verein zur Errichtung einer jüdischen Bibliothek und Lesehalle 'gegründet worden. Derselbe soll die jüdische und hebräische Literatur, insbesondere auch die periodische, unter Berücksichtigung aller Richtungen den weitesten Kreisen unentgeltlich zugängig machen. Der Verein zählt jetzt bereits über 100 Mitglieder und sind ihm so reichliche Geldmittel zugeflossen, dass die Le schal Ii e bereits in den nächsten Wochen eröffnet werden kann. Dem Vorstand gehören u. a. Herr Direktor Dr. Adler'. Herr Dr. Rudolf Geiger, Herr Dr. W. Hanauer, Herr Dr. Kaufmann und Herr Fritz Sond heimer an. Die Herren sind auch bereit, Neuanmeldungen entgegenzunehmen. Ein Gedenktag. Am 8. Mai hat sich zum zweihundertstenmai der Geburtstag eines hervorragenden Dramatikers jüdisicher Abkunft gejährt. Es ist An t o n i o Jose da Silva. Die „Allg. Zeit. d. J." bringt darüber folgende Bemerkungen: Antonia Jose de Siiva, einer Maraiinenfamilie entstammend, ward zu Pio Janeiro am 8. Mai 1705 geboren. Sein Vater Joao Mendels da Siiva war daselbst ein gesuchter Advokat. Als Lourenca, die Gattin Joaos, des heimlichen Judaismus angeklagt und 1713 nach Lissabon in den Kerker geführt wurde, folgte ihr dahin der Gatte mit den Kindern. Auch in Lissabon erwarb er sich bald als Advokat eine ausgebreitete Praxis, in welcher ihn später sein Sohn Antonio, nach zurückgelegtem Studium in Coimbra, unterstützte. Antonio vermählte sich 1734 mit Leonor de Carvalho, die in Valladolid wegen Judaismus verurteilt wurde, sich aber durch die Flucht gerettet hatte. Ihne Ehe war durch ein Töchterchen gesegnet. Wiederholt wurde Antonio por culpas do judaismo angeklagt, bis man emd'lich 1739 den Feuertod iiber ihn verhängte, welches Urteil am 19. Oktober 1739 in Lissabon vollstreckt wurde. Die Prozessakten befinden sich noch im Königlichen Archive Torre do tombo. An der Stelle des alten Inquisitionsgebäudes,, welches das Erdbeben 1755 verschlang, steht heute das schöne Theater Donna Maria. Zum hundertsten Geburtstage des grossen und mit Recht von seinen Landsleuten als einer der hervorragendsten Dramatiker gefeierten Dichters werden in Lissabon grosse Vorbereitungen gemacht. Auch ein Denkmal soll ihm dort gesetzt werden. Vielleicht an derselben Stelle, wo der Scheiterhaufen gestanden! Neues aus Petach Tikwah. Kürzlich wurde hier unter grosser Feierlichkeit und reger Beteiligung der ganzen Bevölkerung und vieler Gäste auch aus Jerusalem etc. der Grundstein zur gemeinschaftlichen Weinkellerei und Kognakbreninerei gelegt, und so es mit Gottes Hilfe gelingen wird, unser Vorhaben auszuführen, so wird der Lage unserer hiesigen Winzer und Weingarterjbesitzer schon dadurch entsprochen sein, dass sie die Transportspesen für die Trauben von hier nach Rischon, welche voriges Jahr sich schon auf 12 000 Frcs. beliefert, und die 16—20% des Gewichtsverlustes, welchen die Trauben durch den fünfstündigen Transport auf Kamelen erleiden, ersparen dürften. Zur Nachahmung. Unser wackerer Gesinnungsgenosse Herr M. L e v y in Basel übersieht — im Gegensatze zu vielen andern — niemals im .seiner Werbearbeit für den Zionismus das Zentralorgan. Seinen energischen und zielbewussten Bernühun-