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Die Welt · 1905-05-05 · 18 (5.5.1905) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
18 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 16 lrfci* ^eHÄt Nr. 18 Sie war auch nicht schuld daran, dass dieses neue Element in ihr Leben getreten war, und Ärfalov durfte er darum ebensowenig anklagen — das sah er jetzt ein: der strenge, zähe Glaube war's, der, was er einmal mit seinen Polypenarmen ergriffen, nie wieder freigab. Und Arfalov! Morgen — das hatte er bei seiner Ehre geschworen, musste er ihn töten. Was würde Catherine dazu sagen? Catherine — überall Catherine! Aber er konnte den Wunsch seiner Frau nicht erfüllen, konnte nicht vegetieren, wenn eine herrliche, glänzende Zukunft vor ihm lag, konnte sich nicht entschliessen, das Leben eines in Vergessenheit geratenen Niemands zu führen, anstatt immer höher zu steigen und von tausenden mit Beifall überschüttet zu werden — und wieder trat Catherine vor sein geistiges Auge, wie sie ihn fragen würde, ob er ihre Bitte erfüllt hatte. Immer dichter drängten sich die Menschenmassen zusammen, immer zahlreicher flammten die Fackeln auf. Der Graf tat einen tiefen Seufzer und winkte den Polizeikommissär näher zu sich heran. „Geben Sie der Menge Befehl, sich zu zerstreuen; wenn sie sich weigert, geben Sie drei Salven ab!" Der Polizeikommissär sah den Unterpräfekten zögernd an, als er aber den Blick in seinen Augen sah, kam er dem Befehle nach. Die Antwort der lärmenden Rotte war ein höhnisches Geheul. „Befehlen Sie den Leuten zu laden," sagte Graf Malakovitch. „Blind natürlich," erwiderte der Polizeikommissär. „Nein, scharf." Der andere fuhr zurück. „Aber Exzellenz," stammelte er, „die Instruktionen lauten anders: Wir sollen nur scheinbar, nicht wirklich eingreifen." „Wer hat hier zu befehlen — Sie oder ich?" donnerte der Unterpräfeld ihn an. Der Polizeikommissär salutierte und befahl den Leuten, scharf zu laden. Dann kehrte er wieder zum Grafen zurück und sagte in mürrischem Tone: „Ich würde Eurer Exzellenz raten, sich ein wenig zurückzuziehen, wenn scharf geschossen werden soll. Exzellenz sind so gerade dem Pelotonfeuer ausgesetzt." „Ja, danke," erwiderte der Graf zerstreut und entfernte sich ein wenig aus dem Bereiche der schussfertigen Gewehre. Die erste Salve krachte. Als der Piauch sich verzog, standen die dichtgedrängten Massen unverändert da, wie zuvor. Die zweite Salve hatte denselben Erfoig. „Hunde!" brüllte der Unterpräfekt, „ihr schiesst ja in die Luft!" Diese Worte erinnerten ihn plötzlich an Arfalov, wie er ihn gefordert hatte, dann an Catherine — wie ein Blitz überkam ihn der Gedanke an das Ungeheuerliche seiner Lage. Aber nun hatte er auch plötzlich — er atmete tief auf — ja, nun hatte er einen Ausweg gefunden! Die dritte Salve krachte, von einem aus tausend Kehlen aufsteigenden Schmerzgeheul übertönt; die dichtgedrängte Menschenmasse schwankte, dann setzte sie sich, von Grausen ergriffen, in Bewegung und eine wilde Flucht begann. Darauf waren sie nicht gefasst gewesen. Aber die Soldaten blieben regungslos stehen, wie versteinert starrten sie auf das Ross und den Reiter, die, von mehreren Kugeln durchbohrt, tot am Boden lagen. „Die Stute war widerspenstig/ sagte der Reitknecht bei der gerichtlichen Totenschau, „es muss ein Unfall gewesefi sein." „Ich habe gesehen, wie er ihr die Sporen gab," versicherte der Polizeikommissär. Die haute volee von Charkow wundert sich immer noch, was aus der schönen Gräfin Catherine Malakovitch geworden ist, die gleich nach dem tragischen Tode ihres Gatten spurlos verschwand. Gleichzeitig beklagt die literarische Welt das Verschwinden des hervorragenden Schriftstellers Arfalov, der - so viel dazu beigetragen hatte, den literarischen Geschmaök in ganz Russland zu heben — es geht das Gerücht, dass er seinem Beruf entsagte, weil die Zensur die Aufführung eines von mächtigen, judenfreundlichen Tendenzen getragenen Stückes verbot. Die Bewohner des kleinen Städtchens, in welchem den Juden das Wohnen gestattet ist, ergehen sich in den abenteuerlichsten Vermutungen über die Vergangenheit des Paares, das plötzlich, wie aus den Wolken gefallen, in ihrer Mitte erschien und einen mustergültigen jüdischen Haushalt führt. Briefkasten. Bürger aus dem IX, Bezirke. Anonymes pflegen wir dem Papierkorb zu übergeben. Io Anbetracht der gutgemeinten Anregung haben wir Ihr Schreiben Herrn L. übersendet. Auf mehrere Anfragen. Reklamationen wegen des „Ztontf, der unter der Verantwortung des österreichischen Landeskomitees erscheint, sind an das Landeskomitee, IX., Ttirkenstrasse 9, zu richten. M. N., Troppau. Besten Dank. Das andere erledigt. H. F. P. Wegen Ueberfülle dankend abgelehnt. M. Z,, Wien. Das betreffende Feuilleton erschien in dem von Ihnen genannten Blatte im Februar 1905. D. F., Zürich. Der kompententen Stelle übergeben. Jeschurun, Troppau. „Dorsche Schlom Zion% Lemberg. Dem Presskomitee des L.-K. übergeben. An die P. T. Einsender. Unverlangte Manuskripte werden nicht retourniert. Die Redaktion ersucht daher, keine Retourmarke beizulegen. Sie wird nicht verwendet SPENDEN lir den Natioialfonds: Dr. Leop. Kahn gratuliert Herrn und Frau Rosenbaum zu ihrem Sohne Benjamin Seff........... 2.— Ignaz Wardmöker, Sosnowice, durch Dr. Kokesch anlässlich eines gewonnenen Prozesses . ....... 10.— Czernowitz : Sammlung Leib Steinmetz. Czernowitzer Zionisten. . . ................ 2.— Sammlung Kantor Grünstein, Kojetein . . ....... 1.20 Sammlung des Frauen- und Mädchenvereines „Mirjam", Wieliczka..................... 4.— „Zephirah", Czernowitz, in Staniestie gesammelt: Sabina Osterer, A. Osterer, Dr. L Kapise ä K 1.—, M. Weissglas 3.—, J. Schneider, Gh. Frimet, Bienenreich, S. Berger, J. Osterer ä 0.50, J. Goldschmidt 0 40, H. Burg O.40, W. Kapise 1.—, S. Sussmann 0.50, Zwei Ungenannte 1.—; zusammen............ 11.80 Zionistische Studenten, Teplitz, anlässlich ihres* einjährigen Bestandes 10.30, zum Geburtstage des A. H* der „Bar Kochba" J. U, G, Lemb.erger 1.—, Seder bei Familie Herrnh;iuser 2.— , Seder Steiner 4.40. Zionist. Volksverein............ 17.70 Szombathely: Sammlung bei der Scheckelgruppe .... 4.60 Sammlung Norbert Krau, Storozynetz, bei einer Hochzeit 10.38

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