Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 18 (5.5.1905)
- Date
- 1905-05-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316128-3316151--46831-3341696- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
£ 8 Redaktion und Administration: WIEN IX., Türk«»Strasse Nr. 9. Telephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und unverlangte Manuskripte weder zurückgesendet noch aufbewahrt. Preise der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abends gefuthlotn en Einzelne Numasre 90 Heller. Bfi7llf1QnrAIQHa Oesterreieh-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.-, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: wu4iUyapi UIOO. Deutschland ganzjährig Mk* 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs» 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85' Nr. 18. Wien, 5. Mai 1905. — 30. Nissan 5665. 9, Jahrgang. ber siebente Kongress. Der siebente Zionistenkongress findet Donnerstag, am 27. Juli dieses Jahres und an den folgenden Tagen in Basel statt. Der Kongress. Der Tag ist nunmehr festgesetzt, an dem der Kongress beginnen soll, der für den Zionismais von grösster Bedeutung sein wird. Darüber ist kein Zweifel möglich: Was diesmal in Basel beschlossen werden wird, muss unsere Bewegung entweder einen grossen Sehritt vorwärts bringen oder wird den Grund zu einer erschütternden Krise legen, wenn dies auch nicht sofort augenfällig sein sollte. Als wir vor sieben Jahren mit bangen Erwartungen dem Verlaufe des ersten Kongresses entgegensahen, da wäre für uns ein Fehlschlag gewiss von schweren Folgen begleitet gewesen. Wir waren aber damals erst im Beginne des politischen Zionismus und wäre dieser Weg nicht sofort gangbar gewesen, so hätten wir uns sicherlich bald freieBahn erzwungen; denn damals rang Herzls frische Kraft und ungebrochene Energie, rang unsere glühende Begeisterung nach Betätigung, erfüllte uns das Wunder einer unaufhaltsam um sieh greifenden Volksbewegung mit dem Bewusstsein des Sieges. [Nun stehen wir zum zweiten Male vor der Entscheidung. Unser' Führer tot, sein Werk von innen und aussen bestürmt, und der Streit der Meinungen heftiger als je zuvor. Nur, dass wir heute bereits auf sieben arbeitsreiche Jahre zurückblicken können, dass wir eine Basis in unserem Programme gewonnen haben, die unsere Pläne zu sichern vermag, nur dass wir eine'Reihe von Institutionen begründet haben, die im Vereine mit den gesammelten Erfahrungen uns vor allzn grossen Irrtümern schützen könnten. Wenn wir uns in der gewohnten Weise' ihrer bedienen, wenn wir die Basis unserer Arbeit beiibehalten wollen. Darum wird es sich eben handeln. Es fehlt bekanntlich nicht an Männern, die vor einer gründlichen Umänderung nicht zurückschrecken würden. Die Judenstaatsidee pure et simple, ohne Rücksicht auf Palästina, hat infolge des Anbotes Englands neue und nicht wenige Anhänger gewonnen und das Ostafrikaprojekt selbst harrt noch d Erledigung, die, wie immer sie ausfallen möge, nicht ohne tiefeingreifende Folgen für unsere Bewegung bleiben kann. Kur Leute, die durch das Hinstarren auf einen einzigen Punkt vollständig hypnotisiert sind, werden sich der Bangigkeit entschlagen können, die eine grosse Entscheidung auch in der Brust des Mutigsten hervorrufen muss. Es ist nicht zu verwundern, dass diese Judenstaatsidee, die nun so kühn und stürmisch vordringt, die alten Chowewe Zion, die sich dem politischen Zionismus angeschlossen, haben, aufs tiefste ängstigt. Daraus folgt dann, die Keaktionsbewegung, die bereit ist, um Palästina als das Land des Zieles sicher zu behalten, alles andere zu opfern, die sieh mit Beschränkungen und Vorsichtsmassregelii nicht genug tun kann und selbst den alten Weg des philanthropischen Zionismus beschreiten möchte, wenn sie dadurch nur die neuen Strömungen auszuschalten imstande wäre. Das sind Differenzen, die sich vielleicht für einige Zeit ignorieren lassen, die aber auf die Dauer unmöglich bestehen bleiben können. So wenig den Politiker die Heibungen dieser beiden Hauptrichtungen nervös machen dürfen, so erfreulich es ist, dass wir in unserer Bewegung nicht einen Stillstand zu verzeichnen haben, so unaufschiebbar ist es auch, nach einer Linie zu suchen, auf der die Arbeit der nächsten Jahre, unbehindert von den verschiedenen Strömungen, gefördert werden soll. Wir, die