Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 17 (28.4.1905)
- Date
- 1905-04-28
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 MWt « W«HM Nr. 17 „Ich habe nichts dagegen/ erwiderte der Graf; „aber ich würde Ihnen raten, die Zeit lieber zum Scheibenschiessen zu verwenden/ „Danke — Sie sind sehr aufmerksam, Herr Graf," sagte Arfalov ernst. Dann wendete er sich zur Gräfin und verbeugte sich tief: „Ich werde mir erlauben, Ihnen noch einen Abschiedsbesuch zu machen, Frau Gräfin/ Er entfernte sich und der Graf läutete dem Diener, damit er dem Gaste das Haustor öffne. Dann setzte er sich seiner Frau gegenüber und wartete — ah, nun war es ihm endlich gelungen, sie zum Sprechen zu bringen. (Schluss folgt.) Die Auskunftei. Der Frühling lockt die Blumen aus der Erde, die Sonnenstrahlen werden von Tag zu Tag milder und liebenswürdiger, allüberall ein neues, morgenfrisches Leben — es ist klar, dass in dieser allgemeinen Wonnezeit, da jeder irgend eine angenehme Stimmung und Festgabe nach Hause trägt, auch die Juden nicht leer ausgehen dürfen; die Juden — wir sprechen von den Juden Zisleithaniens — haben eine „Auskunftei* als Präsent bekommen. Eine „Auskunftei*? Hm, ein komisches Wort! Was ist das eigentlich, eine „Auskunftei*? — —- Es wäre gar nicht verwunderlich, wenn jemand, der sich in den neuzeitlichen „reindeutschen" Wortfabrikaten nicht zurechtfindet, der Ausdruck „Auskunftei" nicht rasch genug enträtseln könnte. Also eine Auskunftei ist eine Stelle, wo Auskunft erteilt wird. Und eine solche Stätte ist seit kurzem den Juden gewidmet worden. Der Silz der Auskunftei ist das Wiener Eathaus. „Auskunftei für Sommerfrischen" ist der volle Titel des Insifcutes. Und wenn wir uns nach dem Zwecke der Anstalt erkundigen, werden wir folgendes erfahren: Stellen wir uns vor, dass irgend ein ehrsamer Wiener Bürger die Absicht hat, in den nächsten Monaten eine Sommerfrische aufzusuchen. Wenn es ein Vollblut wiener ist, der den Juden nicht grün ist,so wird er sich selbstverständlich nach einer Sommerfrische sehnen, die Judenrein" ist. Ja, aber wie erforscht man schnell, wo es einen judenlosen Luftkurort gibt! Die inoffiziellen Gerüchte sind nicht verlässlich, es kann einem passieren, dass man mit den schönsten antisemitischen Hoffaungen in ein Landstädtchen reist, das von der Fama als „judenrein" bezeichnet wurde, und an Ort und Stelle muss man dann mit Schrecken bemerken, dass dennoch irgend ein jüdischer Kurgast die Gegend durch seine Anwesenheit entwürdigt und ungeniessbar macht. Damit sich solche Irrtümer nicht ereignen können, ist die offizielle und durchaus verlässliche Auskunftei im Wiener Rathause begründet worden. Wer die Adresse eines judenfreien Landaufenthaltes wünscht, wendet sich an das „diesbezügliche" Bureau im Wiener Rathau? und wird gerecht und ehrlich bedient. Die Auskunftei empfiehlt ihm irgend ein reizendes Fleckchen Erde, dessen Naturschönheiten durch keinerlei jüdische Elemente getrübt sind. Es versteht sich von selbst, dass die Auskunftei ihre Information aus durchaus authentischer Quelle bezieht Die Landbevölkerung selber schickt die Daten in die Hauptstadt. Denn es hat nicht nur der ehrenwerte Städter den Wunsch, auf dem Lande keinen jüdischen Nachbarn zu erblicken, auch die ortsansässige Landbevölkerung etlicher Sommerfrischen ist von der Neigung durchdrungen, keinem jüdischen Sommerfrischler Gastfreundschaft zu gewähren. , Derartige Kurorte verständigen die Auskunftei davon, dass sie judenrein sind und bleiben wollen; und so kommt die Auskunftei in die Lage, einem doppelten, tief empfundenen Bedürfnisse abhelfen zu können; sie registriert die Sehnsucht der Kurortebevölkeruog nach „Judenreinheit* und sie leitet die Namen solcher Landstädtchen an judenscheue, erholungsbedürftige Grossstädter weiter. Und wir glauben, dass die Auskunftei noch einem dritten einen Gefallen erweisen dürfte: nämlich den Juden, die ihrerseits das Bedürfnis haben, die Sommermonate abseits von Borniertheit und törichter Gehässigkeit zu verbringen. Jüdische Familien, die sich einigermassen Gewissheit verschaffen wollen, dass sie nicht in irgend ein albernes judenfeindliches Nest hineingeraten werden, sollten sich die Adressen der Auskunftei zusenden lassen, um dem solcherart stigmatisierten Orten wohlweislich aus dem Wege zu gehen. So könnte die Auskunftei auch den Juden, gegen die sie eigentlich die Spitze kehren will, eine aufrichtige Freude bereiten. m. n. Briefkasten. Hazioni Rymanow. Nachrichten, die uns nicht durch einen Vertrauensmann oder mit der usuellen Unterschrift des Vorstandes des nächsten Zionsvereines zugehen, können wir nicht veröffentlichen. M. Z. 32. Wollen Sie sich an die Redaktion von B Altneulandtt, Berlin W. 15 Pfalzburgerstrasse 83, wenden. 0. F. M. 0. Leider mit bestem Willen nicht durchführbar gewesen. Baldigst. Gruss. W. Freunde vom Zweiten Turntag, Berlin. Herzlichen Dank und Gruss. W. An die P. T. Einsender. Unverlangte Manuskripte werden nicht retourniert. Die Redaktion ersucht daher, keine Retourmarke beizulegen. Sie wird nicht verwendet SPENDEN lir den Nitioaalfonis: „ Herzlonia", Wien, Finger........., . . . . 1.— Sammlung Feiwel Schmerler, Krakau, „A chdus" . . . 1.60 Prof. Dr. A. Schwarz, Wien............ 10.— Saul Berkower, Ottynia, zur Hochzeit Frl. Amalia Gutentag-K, Schwarz, Stanislau............. 0.60 A. Bäumer, Czernowitz............... 2.60 Brody : Tischgesellschaft............... 3.— Tarnöw: Zur Hochzeit Leon Schinagel: Ignatz Tisch und Frau 0.60, Adolf Kapellner 0.49. „H a t c h i j a h* 1.09 Jüd. Vereinigung, Wien............... 3.15 Robert Guttmann, Weinberge: Zum Andenken anObeist Goldsmid L—, zur Errettung Nordaus 1.—..... 2.— Dr. Israel Waldmann und G. Oczeret, TarnopoJ, Grüsse ihren Freunden.................. 2.— Sammelbüchse Frl. Sabina Reich, Dohna....... 4.— Dr. A. Czeezowiczka, Partschendorf.......... 3.— Sammlung K. Salzmann bei Hochzeit Frl. Lea Salzraann, Mirocin-Oskar Meyer, Lianzko........ 12.45 Gisela und Markus Hornstein nach erstem Ehejahr . . 2.— Stryj : Zur Hochzeit Zwilling-Frl. Wilf, B. Wolice: J. Grünbe'g, H. Rubin, Einzelverein Stryj, J. Patrach, L. Schwarzbeig, J. Schorr, H. Stern, L. Einer, W. Schrnorak, N. Teitelbaum, N. Schönfeld, M. Eckstein, S. Goldberg, E. Herschdörfer, M. Widrich, A. Hauptmann, Dr. H. Byk, J. Fleischer, F. Apfelgrün, M. Schwarz, A. Katz, A. Schönfeld, H. Sternbach und Familie, M. Wieseltier, F. Schönbach und Frau, H. Oslerjung, L. Pfefferbaum, Sch. Wieseltier, A. Stern und brau, Irisier und Heiber, S.Weiler,. A Eingemacht, A. J. Stern, B. Stern und Frau, H. Stark und Frau, J. Horwitz und Frau, L. Eckert und Frau, H. Goldberg, B. Stern, J. Bienstock, L. Schwammer. Frau C. Weiss, O. Rosenkranz, N. Händel h K K 0.50; zus. 22.— Zur Hochzeit Rosenkranz, Ottynia-Frl. Hecht, Kolomea: Einzelverein Stryj, M. J. Auerbach, N. Schönfeld, M. Eckstein, D. Kornblüh, A. Sandner, W. Schmorak, J. Grünberg, J. Patrach, J. Rostmann, Frau Czopp, S. Sameth, L. JPfefferbaum. L. Schwammer, L. Schwarzberg, B. Stern, L. Salamea, L. Einer, M. Widrich ä K 0 50, zus. 9.50, ab Inkasso und Porto. „Poale Zion" ..................... 25.22 Stryj: David Lilienfeld zur Hochzeit Nachwalger, Bursztyn, 0.50; Josef Rubin und Frau, Markus Lorbeerbaum und