Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 15 (14.4.1905)
- Date
- 1905-04-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion und Administration: WIEN IX., Türksnstrasse Nr. 9. Telephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration : Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. * Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—AI%12 Uhr. Preise der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abends geschioisen Einzelne Nummern SOHslIer. RoTEinCnrOBCüa Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: Ww^uyopi CldU. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk, 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs, 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika gamgährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85' Nr. 15. Wien, 14. April 1905. — 9. Nissan 5665. 9. Jahrgang. Wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten, welche mit der Einzahlung des Pränumerationsbetrages im Rückstände sind, um —===^ rechtzeitige - — Erneuerung, damit in der Zustellung Blattes keine Unterbrechung eintrete, des Die Pessachriummer erscheint diesmal am 19. d, M. in verstärktem Umfange mit Original- Beiträgen unserer hervorragendsten Mitarbeiter. - Bestellungen auf eine grössere Anzahl von Exemplaren erbitten wir bis spätestens 17. d, M* Die Administration. Zeit- und Streitfragen im Zionismus. v. Wie optimistisch wir auch unsere unmittelbare Tätigkeit in Palästina und in den Nebenländern ausmalen, müssen wir doch nicht vergessen, dass das Judenvolk in der Diaspora lebt. Und abgesehen davon, dass das Volk für das Land vorbereitet sein muss, müssen wir nie die Fragen des unmittelbaren Lebens ausser acht lassen. Und mögen wir sogar den Zionismus als eine objektiv begründete, fast mit fataler Notwendigkeit sich entwickelnde Bewegung betrachten, können wir doch nicht der bewussten Tätigkeit der Individuen, Gruppen und Parteien jede Bedeutung absprechen. Es handelt sich also darum, die Gegenwart mit der Zukunft eng zu verknüpfen, im gegenwärtigen Leben unseres Volkes jene Kräfte und Tendenzen zu stärken, die dem Zionismus zu Gute kommen, die mit einem Worte uns dem Endziele nähern. Der Zionismus rnuss deshalb Antworten auf alle Fragen des jüdischen Lebens finden; nur auf diese Weise kann er nicht bloss theoretisch, sondern auch praktisch das ganze Judentum umfassen, nur dann hört er tatsächlich auf, eine Partei zu sein, und wird zu einer Volksbewegung. Daraus lassen sich logischerweise zwei Konsequenzen abteilen: da ein Volk nie, wenigstens im zivilisierten Zustande — eine homogene Masse darstellt, so können auch seine Lebensbedürfnisse nicht uniformirt werden; besonders aber ist es der Fall mit unserem Volk, dass in der ganzen Welt zerstreut ist, in verschiedenen Milieus lebt, auf verschiedenen Kulturstufen steht. Zweitens können wir nicht eine Seite aus seinem Leben herausgreifen und darauf alle unsere unmittelbare Tätigkeit aufbauen, sondern wir müssen das Leben in seiner Totalität erfassen und dementsprechend handeln. Somit muss unsere Gegenwartsarbeit auf zwei Prinzipien aufgebaut sein. Sie muss das Judentum als einen lebendigen Organismus auffassen, als eine Synthese materiellerund geistiger Faktoren und zugleich muss sie die Bewegung nach dem Endziele richten, aus der Gegenwart heraus den Zionismus gleichsam herausschälen. Ohne Gegenwart keine Zukunft. Praktisch betrachtet, müssen wir sagen, dass die ganze gegenwärtige Krisis im Zionismus gerade da ihren innersten Grund besitzt : in dem Fehlen eines reellen Gegenwartsprogrammes. Daraus entstand die Ugandafrage, dadurch erklären sich die Diskussionen bezüglich des Verhaltens gegenüber den Erscheinungen des umgebenden Lebens, darauf müssen in letzter Linie die Streitigkeiten um die Organisationsformen zurückgeführt werden. Noch mehr: im Gegenwartsprogramm liegt für den Zionismus die Lösung der Hamletschen Frage — to be or not to be. Tatsächlich haben sich die Zionisten seit jeher mit dieser Frage beschäftigt, nur hat man dabei immer zwei Fehler begangen, die alle Bemühungen in dieser Hinsicht in Nichts verwandelten. Der eine Fehler war, dass man das Gegenwartsprogramm zu uniformieren versuchte, wobei man es sich so vorstellte, als ob von der Kongresstribüne herab ein fürs ganze Judentum gültiges Programm dekretiert werden kann. Das war die berühmte „Hebungs*-Politik,