Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1905-03-31 · 13 (31.3.1905) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316128-3316146--46718-3341578
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Redaktion und Administration: WIE* IX., Tflrktnstrasse Nr. 9. Tölephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—V»!^ Uhr. Preise der Anzeigen: laut aufliagandom Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern 80 Heller. RoTBincnroicQ' Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—-, vierteljährig Kr. 3.-—. Für das Ausland: DU£Uyd|JI UIOU. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk, 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.«—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17,—, halbjährig Frcs, 8.50, vierteljährig Frcs. 4,25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. -—,85' Nr. 13. Wien, 31. März 1905. — 24. Weadar 5665. 9, Jahrgang. Zeit- und Streitfragen im Zionismus.*) - in. Wir sind am Ende des vorigen Artikels zum Schlüsse gelangt, dass unser Ziel nur Palästina sein kann. Aber nicht bloss aus Sentimentalität, die wir wohl auch zu schätzen wissen, die aber nicht ausschlaggebend ist. Ueberhaupt scheint es uns, dass man in der letzten Zeit mit der „Liebe zu Palästina" viel Unfug treibt. Leute, die ganz und gar assimiliert sind, die ihr Judentum im Gehirn und nicht im Herzen haben, die im ganzen nur das Datum in hebräischen Namen angeben können — und auch das nur Dank dem ins Deusehe übersetzten Kalender — brüsten sich mit dieser ihrer „Liebe". Viel Gekünsteltes, wenig Gefühltes und deshalb ganz komisch. Und wenn man bei Adam Smith finden kann, dass in der Politik die Benevolence keine Rolle spielt, so kann man bei diesem Autor auch finden, dass sozialökonomische Fragen wohl kaum von Sentimentalität stark beeinflusst werden. Noch komischer ist die Furcht davor, ob die Juden anderswo Juden bleiben werden* Gar so bald wird doch die Majorität unseres Volkes auch in Palästina nicht sein» Lassen wir die Phrasen und halten wir uns an die Tatsachen. Diese allein sind genügend um zu erklären, dass „von allen möglichen und unmöglichen Territorien Palästina mit den Nebenländern das beste, günstigste und entwicklungsfähigste Territorium ist." Wenn wir gegen die leere Sentimentalität auftreten, so geschieht es nicht aus rein ästhetischen Gründen. Wir müssen uns für allemal darüber klar werden, dass der Territorialismus nicht als deus ex machina auf die Welt kam, sondern als Resultat objektiver Tatsachen. Es ist die objektive Tatsache der Massenemigration und die drohende Schliessung der bis dahin offenen Türen, die den Territorialismus gezeitigt haben. Wollen wir den letzteren los werden, wollen wir ihm jede Existenzberechtigung abschneiden, so dürfen wir uns *) Wir bemerken, durch mehrere Anfragen veranlasst, dass wir uns keineswegs mit allen Ausführungen des geschätzten Gesinnungsgenossen Dr. Pasmanik identifizieren, wenn diese auch an leitender Stelle veröffentlicht werden. Die Redaktion. nicht bloss auf die Sentimentalität berufen, sondern müssen andere praktische Wege einschlagen, dass der Territorialismus auch subjektiv überflüssig wird. Kurz gesagt: Wir müssen die Kolonisation inPalästinamitdenNebenländern so schnell als möglich beginnen. Nun ist es klar, dass, wenn wir uns nur auf Palästina beschränken, diese Forderung nicht erfüllt werden kann. Deshalb würden wir in der Annahme der Forderung Ussischkiris, und zwar im ersten Artikel der Nationalfondsstatuten, die Worte: „und in den Nebenländern" zu streichen, die grösste Gefahr für die weitere Entwicklung des Zionismus erblicken. Ussischkin räsoniert folgendermassen: „Nur um Palästina loszukaufen und deren Boden in nationales Gut zu verwandeln, sind so kolossale Summen notwendig, dass der Bodenkauf auch in den Nebenländern mit den Geldern des Nationalfonds geradezu ein Verbrechen wäre. Für die Nebenländer, wenn dort eine Kolonisation möglich und wünschenswert ist, werden sich andere Kapitalisten finden (die verschiedenen (?) Syndikate), aber keineswegs darf darauf auch nur ein Groschen des Nationalfonds verwendet werden." „Ewreiskaia Jisn" 1904 Nr. 12, Seite 91.) Wenn diese Forderung zum Dogma der zionistischen Praxis werden sollte, so ist damit tatsächlich jedwede Tätigkeit in den Nebenländern unmöglich gemacht.**) Denn vergessen wir nicht, dass Herr Ussisch* kin die schon bestehenden jüdischen Kolonisationsgesellschaften für die Bodenkäufe in Palästina in Anspruch nimmt. Seinem Plane gemäss soll der Nationalfonds die besten und fruchtbarsten Landstriche, Baron Rothschild und die Ica die sanierungsbedürftigen Bodenparzellen, während Geula und die kleinen Kolonisationgesellschaften (Esra, Odessaer, Palästiaaverein) — die zersplitterten und teuren kleine Bodenparzellen ankaufen sollen, alle nur in Palästina. Dann ist ja die Phrase von den anderen Syndikaten, die in den Nebenländern kolonisieren sollen, eben nur eine Phrase — "**) Warum? Es können doch Private und andere Gesellschaften nach der Richtung hin tätig sein? Anmerkung des Herausgebers.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.