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Die Welt · 1905-03-24 · 12 (24.3.1905) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Administration: WIEN IX., Türkiiistrasse Nr. 9. Telephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. ♦ Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—1/ai2 Uhr. ♦ Preise der Anzeigen: laut aufUagend«m Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Hummern 80 Heller. R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4,25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. — .85* Nr. 12. Wien, 24. März 1905. — 17. Weadar 5665. 9« Jahrgang. Zionismus und Deutschtum. Kino Antwort an Herrn Professor Geiger.*) Von Rechtsanwalt S. Gronemann, Hannover. Lange wird es der jüdische Tisch nicht mehr aushalten, denn täglich mehren sich in ersehreckendem Maßstäbe die Bücher, die nach der Anzeige der 'Verleger auf keinem jüdischen Tische fehlen dürfen, und hinsichtlich ihrer könnte man von der unseligen Gabe der Vervielfältigung reden, welche Dr. Siegnmnd Meyer — der Quo vadis-M.eyer, einer der Vorläufer unseres heutigen Helden — dem jüdischen Volke zum Vorwurfe macht. Jedenfalls, um dem bekannten tiefgefühlten Bedürfnisse abzuhelfen, hat sieh der Verlag von Philippi in Würzburg veranlasst gesehen, ein neues Unternehmen ins Leben zu rufen, ein „Jahrbuch für wissenschaftlichen Zionismus". — Etwas verwirrend auf den harmlosen Leser wirkt das Titelblatt, das die Mitwirkung von „Autoritäten aller Konfessionen1' ankündigt, man ist dann angenehm enttäuscht, Namen von Klang und, was mehr sagen will, auch eine grosse Anzahl lesenswerter Artikel zu finden. Etwas ^tnr]< aber ist es, wenn es in der Vorrede heisst: „Der vorliegende Band bedeute den ersten Versuch, die zionistische Diskussion auf wissenschaftliche Bahnen zu lenken." Einmal ist es unrichtig, class bislang noch nicht wissenschaftlich diskutier! sei, und dann enthält das vorliegende Werk verzweifelt wenig von ernster, wissenschaftlicher Arbeit oder von neuen, grundlegenden Ideen — abgesehen vielleicht von einer umfangreichen Arbeit, die mir nach flüchtiger Durchsicht den Zionismus vom Standpunkte des „ungeflei sehten^ Vegetariers oder, um im Sinne des Herausgebers zu reden, vom Standpunkte der vegetarischen Konfession zu behandeln scheint. Immerhin treffen sich in diesem Buche Vertreter gar vieler Weltanschauungen und Gedankenkreise zur Diskussion über das Thema „Zionismus", und das ist immer interessant, und man kann dem Verlage Philippi dankbar sein, wenn schon kaum darauf zu rechnen ist, dass die Mitarbeiter sich noch einmal bei Philippi wiedersehen werden. Besonderes Interesse nun mnss die Ankündigung eines Aufsatzes des Herrn Professor Dr. Ludwig Geiger erwecken — „Zionismus und Deutschtum". Das scheint ja das zu sein, wonach wir gar lange, uns sehnen, — efine logische Begründung des ablehnenden Standpunktes in-= serer Liberalen, — eine vom liberalen Geiste erfüllte klare Definition des Verhältnisses von Zionismus und Deutschtum. Es war zu erwarten, dass eine von der unseren stark abweichende Meinung zum Ausdruck kommen würde, aber immerhin etwas anderes, als das endloserniüdende Phrasengewäsch, das wir sonst genugsam zu hören bekommen. — Denn diesmal wollte ja in einem eigens der Wissenschaft gewidmeten Sammelwerke kein stümpernder Dilettant, sondern ein Gelehrter sich äussern, der gewiss freudig die Gelegenheit-ergreifen würde, seinen zur Genüge bekannten Standpunkt ernst zu begründen, — ein staatlich, approbierter Lehrer der Weisheit, ein Mitglied des Lehrkörpers der philosophischen Fakultät der Keichshauptstadt. Aber ach, — si taeuisses, philosophus mansisses! Also was sagt denn nun Ludwig, der Sohn Abrahams, I/il ( der Deutsche? — Durch das Lesen des Auf- *) Vortrag, gehalten in der Berliner Zionistischen Vereinigung. satzes entsteht jene natürliche Abneigung, ihn zu beantworten, die jemand in ähnlichem. Falle sehr zutreffend mit dem naturwissenschaftlichen Namen Horror vacui bezeichnet hat. Nur eine Stelle gegen Schluss des Auf satzes, — offensichtlich der wichtigste Punkt des Ganzen, — bietet etwas Ueberrasehendes und Neues, — nur sie verdient es, öffentlich bekannt gegeben zu werden, und zwingt uns, uns etwas näher mit dem Artikel zu befassen und zu ergründen, wie denn der Herr Professor zu diesem Schlüsse gekommen ist. Da findet sich nämlich klipp und klar die Aufforderung an das deutsche Volk, an die deutschen gesetzgebenden Körperschaften, unter Bruch der Verfassung eine A u s n a h m s g e s e t z g e b u n g g e g e n d i e Z i. o n i s t e n zu erlassen. Es heisst daselbst: {Die Entziehung der bürgerliehen Rechte halte ich für eine notwendige Konsequenz der deutschen Gesetzgebung gegen den Zionismus, die einzige Antwort, die das deutsche Volksbewusstsein dem Zionismus geben kann und mnss! Das ist das Wort des Heils und der Erlösung! — Das veröffentlicht ein deutscher Professor, der Führer der übe-

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