Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 10 (10.3.1905)
- Date
- 1905-03-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Deutschland ganzjährig Mk* 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 425, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85, Nr. 10. Wien, 10. März 1905. — 3. Weadar 5665. 9t Jahrgang. Mitteilung des Aktionskomitees. Ueber mehrere Anfragen wird erklärt, dass nur die Landeskomitees und solche Körperschaften, welche keinem Landeskomitee unterstehen, den Schekel an die jüdische Kolonialbank für das A.-C. abzuführen haben. Vereine und Distrikte, welche einer Landesorganisation angehören, haben den Schekel dem betreffenden L.-K. abzuführen. Die Politik gegenüber den Juden in Russland. IL In den Darlegungen des ersten Artikels *) habe ich zu beweisen versucht, dass die fast ungestörte Fortsetzung der . Krawalle unter einem zweifellos liberalgesiunten Minister, wie unter dem erst vor kurzem verabschiedeten Fürsten Swiatopolk-Mirsky, den besten Beweis dafür abgibt, dass die russische Politik gegenüber den Juden nicht allein auf den persönlichen. Neigungen und Sympathien des jeweiligen leitenden Ministers beruht, sondern vielmehr viel tiefere Gründe hat, nämlich in der gesellschaftlichen: Schichtung der Bevölkerung Russland s. Ich habe mich bemüht, nachzuweisen, dass die Bekämpfung der Juden einen besonders wichtigen Bestandteil der Tätigkeit gewisser Parteien bilde, wie zum Beispiel derjenigen von der „Russischen Versammlung": In den Händen der letzteren scheint auch die aktive Leitung der Feindseligkeiten der letzten Jahre gegen die Juden sich zu befinden. Für die russischen Juden bildet ein Minister mit einer liberalen Regierungspolitik noch durchaus keine sichere Garantie der Unmöglichkeit der Wieiderholung solcher feindlicher Auftritte, wie es die Mohilewer, Witebsker und andere Ereignisse des Septembers und Oktobers des letzten Jahres waren. .Allerdings ist nicht zu bestreiten, dass, wenn die Regierungspolitik mit derjenigen, der Partei der „Russischen Versammlung" zusammenfällt,, die feindlichen Ausfälle gegenüber den Juden in ganz beideutendem Maisse zu- / . -*). Siehe „ Welt" Nr. 53: - Die Politik der Judonkrawalle in Russland früher and jetzt. nehmen, gefördert, gesteigert werden und vollkommen straflos für die unmittelbaren Täter ablaufen. Ja noch mehr. Gewöhnlich geht die Verschärfung der Beschränkung der ohnehin viel zu karg zugemessenen Bürgerrechte der Juden mit den Krawallen ganz parallel. So haben wir die bekannten harten Maigesetze des Jahres 1882 als Entschädigung für die Krawalle der Jahre 1881 und 1882 erhalten und bis jetzt noch sind die Folgen dieses legislativen Krawalles viel wirksamer und verhängnisvoller als die eigentlichen Strassenkrawalle der damaligen Zeit. Wenn aber die Gewalttätigkeiten in Form von Krawallen g e g e n den Willen des leitenden Ministers und vielleicht aus direkter Opposition gegen seine liberale Richtung stattfinden, so werden dieselben eher unterdrückt und bestraft werden können. Auf alle Fälle sind wir dann vor einer Begleitung der Strassenkrawalle durch legislative und administrative Verfolgungen gesichert. Wir stellen uns gewöhnlich den Minister v. P 1 e h w e als das absehreckende Beispiel vor. Plehwe, unter welchem die Schreckensherrschaft des russischen Absolutismus gegenüber den Juden seinen höchsten Punkt erreicht hat. Im Lichte der geschichtlichen objektiven Darstellung muss als solcher, wenigstens in bezug auf legislative und administrative Beschränkung der elementaren Bürgerrechte der Juden, die Zeitepoche des Vorgängers v. Plehwe s — des Ministers Sipjagin — bezeichnet werden. Dieser letztere, ein Mann von ganz mittelmässiger Begabung und ohne eigene Initiative, also ein Mann, der ein blosser Vollzieher der Anschauungen der bureaukratischen, feudalen, höfischen — mit einem Worte, der gegenwärtig herrschenden Kreise Russlands war, ein solcher Mann, der die Zügel der Regierung ziemlich schlaff hielt und seine Leistungen der Richtung der herrschenden Bevölkerungskreise anzupassen suchte, gerade dieser Miami war derjenige, unter welchem die Verfolgungspolitik gegen die Juden ihren höchsten Stand erreicht hat. Sein berühmter Xachfolger sah selbst ein, dass es mit den Juden in derselben Weise nicht weitergehen könne. Er brachte in der Tat manche kleine Erleichterungen zustande, so eröffnete er neue 101 Punkte (Städtchen zum Wohnreeht der Juden, auch die 50 Kilometergrenzstrecke wurde den Juden freigegeben) und noch manche andere Brocken wurden den Juden zugewiesen. Ich messe diesen Bruchstücken absolut keinen realen Wert bei,