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Die Welt · 1905-03-03 · 9 (3.3.1905) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 9 „b^ S Welt1' Seite 13 Das Schächtverbot im Wiener Gemeinderate. In der Sitzung vom 28. Februar sollte auch ein Antrag betreffs des Schächtverbotes in allen der Gemeinde unterstehenden Unternehmungen eingebracht werden. Man war ursprünglich von mehreren Seiten mit dem Plane hervorgetreten, gegen das Sehächten überhaupt vorzugehen. Wegen vorgerückter Stunde wurde das Referat von der Tagesordnung abgesetzt und auf die Zeit verschoben, wenn Dr. Lueger, der jetzt einen Urlaub antritt, wieder zurückgekommen sein werde. Es wird auch dann hoffentlich nicht allzu gefährlich werden; denn selbat mit der Annahme eines Antrages, der das Schächtverbot statuieren sollte, ist dieses Veibot noch lange nicht von der Regierung sanktioniert. Zur Nachahmung. Seit zwei Jahren ungefähr besteht in Prag ein „Verein zur Gründung und Erhaltung einer jüdischen Koch- und Haushaltungsschule", verbunden mit einem Mägdeheim. Am 17. Jänner fand die c2. ordentliche Generalversammlung unter Vorsitz der Vorsteherin, Frau Emilie S o h r statt. Frau Dr. P o 11 a k erstattete den Bericht, aus welchem das humanitäre Wirken des Vereines zu ersahen ist. Es wurden im Vereinsjahre 1904 16 Mädchen in ganze und 5 in halbe Freiplätze aufgenommen. Der Kassabericht der Frau Rosa H eller wurde mit Beifall aufgenommen. Dr. Leo Horowitz, der Präsident der Krakauer Kultusgemeinde, ist vorige Woche, 61 Jahre alt, gestorben. An ihm verliert Krakau einen seiner besten unter den fortgeschrittenen Juden, der Herz und Sinn hatte für jüdisches Leben und alles was mit demselben zusammenhängt. Wenn die gesamte polnische Presse ihm als einem der tätigsten Mitglieder des Gemeinderates und als Kultuspräsidenten deshalb unendliches Lob nachsagt, weil er einen „polnischen K Prediger anstellte, so verdient er seitens der fortgeschrittenen, besonders der nationalen Juden um soviel mehr Lob, als dieser Prediger doch ein wahrhaft „jüdischer" Prediger ist, der in dem von Dr. Horowitz restaurierten und geleiteten Tempel Ideen vertritt, die dem Judentum zur Ehre gereichen. Es ist nämlich unser Gesinnungsgenosse Doktor Thon, der nicht allein die polnische Kanzel, sondern auch viele, viele Herzen für den Zionismus eroberte; au diesen gehörte auch Dr. Horowitz, unter dessen Leitung die Krakauer Kultusgemeinde unsere Kongresse sympathisch begrüsste. Dem guten Willen dieses Präsidenten ist es zu verdanken, wenn es dem neuen Prediger in einer Stadt wie Krakau gelingen konnte, eine jüdische Bibliothek zu gründen, die von drei Institutionen, in denen Doktor Horowitz' Einfluss gewiss massgebend war, ausgiebige sichere Subventionen (Kultusgemeinde 2000 K., Tempelverein 600 K, und Bne Brith 400 K. jährlich) erhält und so in der Lage ist, eine segensreiche Tätigkeit zu entfalten. Dr. Horowitz' oftmaligen Bemühungen beim Landesschulrate ist es auch zuzuschreiben, dass die Anzahl der Unterrichtsstunden für jüdische Religion in den Krakauer Mittelschulen beträchtlich vergrössert wurde, und zu dem letzten Erfolge Dr. Thons, der beim Landesschulrate die Erklärung des Hebräischen als obligaten Gegenstand durchsetzte, hat Dr. Horowitz, unter dessen Leitung der Krakauer Kultusvorstand diese Bitte befürwortete, gewiss nicht wenig beigetragen. Ehre seinem Andenken! m. b. Zur Stadtarztwahl in Dukla. Die vorige Nummer der „Welt" enthielt unter „Personalnachrichten" die Mitteilung, dass unser Gesinnungsgenosse Dr. S. Lanes, Dukla-Iwonicz, einstimmig zum Stadtarzt in Dukla gewählt wurde. Die Sache hat ihre Richtigkeit, allein dieser einstimmige Beschluss einer autonomen Behörde wurde von der Bezirkshauptmannschaffc in Krasno, die der fast durchwegs jüdischen Stadt Dukla einen christlichen Bewerber gewaltsam aufdrängen will, aus ganz unsachmässigen Gründen sistiert. Sapienti sat! Strassenbenennung in Rischon l'Zron. Die Leiter der Kolonie Rischon l'Zion haben in ihrer letzten Sitzung folgende Namen für die acht Strassen der Kolonie beschlossen: Rothschild, Herzl, Erlanger, Dr. Pinsker, Mohilewer, Lewontin, D'ror (Freiheit) und Jerusalem. „Hajehoudi". Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Tschirikows Drama „Die Juden" ist soeben in tschechischer Uebersetzung im Verlage von J. Dubsky erschienen. „Unsere Hoffnung", Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend, II. Jahrgang, Nr. 1 — 2, Jänner-Februar 1905. Die Jugendzeitschrift „U n s e r e Hoffnung" hat bereitsein Jahr des Bestandes hinter sich. Das vorliegende Heft bildet die ersten zwei Nummern des zweiten Jahrganges. Die Aufgabe der Zeitschrift war, „aus Juder jungen junge Juden zu machen", die jüdische Jugend im Westen dem Volke näherzubringen, ihr die Lehre der Väter, die Kultur des Volkes, seine Hoffnungen und sein Innenleben vertraut zu machen. Ob es den Herausgebern der Zeitschrift gelungen ist, der Aufgabe gerecht zu werden? Ob die Erfolge, die bereits erzielt worden sind, gross sind, lässt sich noch nicht beurteilen, aber wir wollen glauben, dass das Programm der Jugendzeitschrift „unsere Hoffnungen* rechtfertigen werde. Das vorliegende Heft ist ausschliesslich dem Andenken Perez Smolenskys gewidmet. Der einleitende Artikel von Josef Lin über Smolensky ist für eine Monatsschrift kaum geeignet, am wenigsten für eine Monatsschrift, welche die Jugend heranbilden, ihren Geschmack heben soll. Denn das müssten sich die Herausgeber der Zeitschrift merken : nichts ist gefährlicher für die Jugend als hohle, allgemeine, verschwommene Phrasen. Jeder Satz ein Gedanke, jedes Wort ein Bild! Das sollte die Direktive der Zeitschrift sein. Einen instruktiven Artikel über Smolensky und den „Haschachar" sowie auch über die Mitarbeiter Smolenskys hat M. Berkowicz geliefert. Ein Gedicht von G o r d o n zum Andenken Smolenskys in einer netten deutschen Uebertragung, ein Kapitel aus dem berühmten Romane Smolenskys, „Hathoe b'darke Hachaim" achliesst die Smolenskynummer. Im allgemeinen nett, aber wenig Schwung und Stimmung. Man muss zur Jugend sprechen können — und das erlernt man nicht so leicht. Cor. Bie „Allgemeine Zeitung das Judentums", jenes Organ, das sich zur Aufgabe gestellt hat, seuae schwächlichen Fittige über den krank darniederliegenden Liberalismus zu breiten, hat sich in seiner Nummer vom 17. Februar in bekannt „gründlicher" Weise einen Angriff gegen uns geleistet. Das Blatt macht sich lustig »über das ergötzliche Bild, das die antisemitische Presse anlässiich der ungarischen Wahlen dargeboten habe". Es spricht von diesem und jenem, vom „Deutschen Volksblatt" und — wirf die Katze, wie du willst — auch in einem Atem damit von der „Welt". Da das Blatt eben mit der Tatsache des Rückganges des Liberalismus in Ungarn sich nicht beschäftigen will, weil diese Tatsache den bewährten Prinzipien des Herrn Mosse unangenehm ist, begnügt es sich eben nur mit der Kritik der Meinungen anderer Blätter. Allerdings bescheiden! Wir glauben aber, dass das Wort „Bescheidenheit** hier durch einen anderen Ausdruck besser gekennzeichnet wäre. Das Blatt schreibt: „Die Welt" habe in ihrer Nummer vom 20. Jänner geklagt, es werden in das Abgeordnetenhaus infolge des antisemitischen Treibens in der liberalen Wahlkommission nur wenige Juden gewählt werden; daraus habe wieder ein anderes Blatt gefolgert, dass in Ungarn eine starke antisemitische Strömung herrsche, der erst die Reform des Wahlrechtes die Möglichkeit freier Entfaltung bieten werde. Dass aber in das neue Abgeordnetenhaus gerade so viele jüdische Abgeordnete gewählt worden seien als früher, diese interessante Tatsache hatten diese Blätter verschwiegen, weil es ihrem Verleumdungskalkül nicht passe! So weit Herr Karpeles. Daraus geht allerdings hervor — das gestehen wir gerne zu — dass man noch immer nicht den Beweis erbracht hat, lesen zu können, wenn man auch jahrelang mit einem Vortrag über Heine hausieren gegangen ist. Jawohl, Herr Dr. Karpeles, Lesen ist Grundbedingung des Wissens. Denn in der Notiz, die das Missfallen der „Allgemeinen Zeitung des Judentums* erweckt, zitierten wir das „Pesti Hirlap", ein magyarisches Blatt, mit ausdrücklicher Quellenangabe. Wir haben nicht die Meinung des „Pesti Hirlap* zu der unserigen gemacht. Dies ad 1. Ad 2 haben wir mit Freuden die „interessante Tatsache" nicht verschwiegen, dass genau so viele jüdische Abgeordnete als früher gewählt wurden, was zu erwähnen dem Verleumdungskalkül der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" nicht zu passen scheint. Li — . Der in New York erscheinende Volksadvokat" schreibt ungefähr folgendes: Ugandaijsei dazu bestimmt, eine Rolle in der jüdischen Geschichte zu spielen, wenn es auch nicht das Land ist, nach dem der wahre Zionist streben kann. Die Lage sei so traurig, dass man weiss Gott wohin fliehen möchte, und bei dieser traurigen Lage scheint es als sicher, dass unser gesegnetes Land der Vereinigten Staaten keine Zuflucht für die armen russischen, galizischen und rumänischen Wanderer bleiben wird. An andere Zufluchtsstätten ist ja gar nicht zu denken. Es wird behauptet, dass Uganda zur Kolonisierung geeignet sei, und gewiss würden Juden hingehen und sich jeder schweren Arbeit unterziehen. Es bleibt nur die Frage: Wer wird die Armen unterstützen? Die Zionisten dürfen es nicht tun. da ihre Geldmittel nicht —^«^^M-M-M— fijxüi,* i»',»-a <f"hiZ&*Wt

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