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Die Welt · 1905-03-03 · 9 (3.3.1905) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 „Di* $ Welt" Nr. 9 fielen auf dem Rybny Bynok alle jüdischen Geschäfte und plünderten sie total aus. Einige Juden, welche ihr Eigentum verteidigen wollten, wurden von den Exzedenten schwer misshandelt. Die Ausschreitungen hätten vielleicht noch einen grösseren Umfang angenommen, allein der jüdische Kaufmann Glücksmann verfiel auf den Gedanken, die Exzedenten mit Branntwein und Geld zu beschenken und sie um Einstellung der Ausschreitungen zu bitten. Die Beschenkten Hessen hierauf von ihrer Zerstörungsarbeit ab. Tiraspol. „Nowoje Wrenrja" und „Juschny Kraj" publizieren eine Meldung, wonach die Bewohner von Slawjanoserbks Hungersnot leiden. Die Kinder sterben aus Mangel an Nahrung, unter den Erwachsenen treten alle Belgeiterscheinungen des Hungers, Typhus und andere Krankheiten auf. Der grösste Teil der Bevölkeiung besteht aber aus Juden. Gt. Jüdischer Nationalfonds, Das goldene Buch. Der Verein „Bnoth Jehudau trägt seine Tochtervereinigung „Jehudija* in Koidanow ein..............Kronen $52.— Sammlung zur Eintragung von Hirsch ben Schlome Dow Meisler zu seiner Hochzeit mit Frl. Rachel Katz. 24. Elul 5663. Lodz..............Pf. Sterl. 10.— Heinrich Vogler, Krakau .... .....Kronen 245.24 LeedsZionist Association (AgudathHazionim) trägt Herrn Louis Freed in Leeds ein . Pf. Sterl. 10.— „Agudu Misrachi", Grodno........Kronen 252.— Richtigstellung. Im Goldenenbuch-Ausweise der Nr. 7 soll es statt „Bnei Zion* in Balta richtig heissen : in Jalta. ACHTUNG. Wir erlauben uns hiermit bekanntzugeben, dass mit der Eintragung der Spenden in das Goldene Buch in den nächsten Tagen begonnen wird. Da diese Eintragung eine definitive ist, und Korrekturen im Goldenen Buche nicht gestattet sind, ersuchen wir alle Gesinnungsgenossen, welche in den ihnen übermittelten Diplomen Unrichtigkeiten gefunden haben, uns die Richtigstellung umgehend zukommen zu lassen. Ebenso ersuchen wir dringend um Uebermittlung der noch ausstehenden hebräischen Namen. Das Sekretariat. Wie wir sammeln sollen. In Italien war's! Da sah ich die kolossalen Kirchen und Paläste, strotzend von Gold und Juwelen, Reichtümer waren an Mosaik, in ziselierter Arbeit und glänzendem Marmor aufgetürmt. A'on der Decke und den Wänden strahlte der Goldglanz- und tausendfältig brach sich der Lichtstrahl in geschliffenen Kristallen und funkelnden Steinen. Das Auge wurde müde von den herrlichen Gemälden, Werken hervorragender Meister. Von schwerem Samt und von. Seide prunkten die Möbel, durch die zarten Spitzen-Vorhänge fiel das Licht gedämpft in die Säle; und ich bewunderte die Freigebigkeit und den Opfersinn der einstigen italienischen Fürsten, Aristokraten und des reichen ital ien ischen Bürgerst and es. Dann trat ich hinaus. — Da wimmelte es von Bettlern, von hungrigen Fremdenfiihrern, von Leuten, die um 10 Centimes einem die unmöglichsten Dienste leisten; von bleichen abgehärmten Frauen und hohlwangigen Kindern, welche einem Veilchen in die Hand drücken, damit man ihnen einige Centimes hinwerfe, auf Brot für ihre Familie! Da stehen hunderte herum, Männer, Frauen, Kinder ohne Heim, ohne Existenz. Die Kinder wachsen auf der Strasse auf, und je verwahrloster sie aussehen, um so besser für den Erwerb! Grosser Opfersinn deiner Grossen! Grosses Elend deiner Kleinen! Italien! Wir aber wollen es für uns anders machen! Unser Volk soll sich ein Heim bauen, ein Heim für sieh, nicht für die Fremden. Und nicht voll Prunk und Gold und Kunstsehätzen soll es sein, aber geeignet, und gross für alle Gedrückten und Gebeugten! Und nicht die ({rossen Judas sollen es allein bauen, sondern Mann für .Mann soll daran arbeiten, alle, das Volk! Den Bauplan hat uns unser grosser Meister bereits entworfen. Kim gilt es, die Baumittel herbeizuschaffen, um den Bau auszuführen. Einstweilen arbeiten viele daran, aber viele sind noch lange nicht alle! Wie wollen wir alle dazu bringen? Die Verwaltung des jüdischen Kationalfonds kann nur die Mittel euch an die Hand geben, sie richtig anzuwenden ist jedes einzelnen Sache. AVir haben die Nationalfondsmarke für kleine Beträge, die Nationalfondsbüehse, in der jetzigen Ausführung eine Zierde für jeden jüdischen 'Fisch, eine Zierde, die den Hausherrn ehrt und das Zimmer schmückt, wir haben die? Sammelbögon, womit wir an Xichtzioniston um grössere einmalige Beiträge herangehen können, wir können aber eines nicht haben, sondern das haben, die zionistischen Sammler, das sind die jeweiligen persönlichen Beziehungen. Jeder halbwegs ernste Zionist innss Sammler, muss Werber sein. Wie der Zionismus, die lebendige Kraft, das Lebenselixier des Judentums von heute ist, so muss auch der einzelne Zionist in seinem .Bekannten-, Freundes- und Verwandtenkreise derjenige sein, welcher in seinem Kreise stets auf die Txv,bensfähigkeit und auf die Berechtigung des Lebens für das jüdische Volk hinweist. Er muss derjenige sein, der in seinem Kreise niemals die Leute vergossen bisst, dass sie Juden sind und dass sie die verfluchte Pflicht und Schuldigkeit haben, ihrere armen Brüder und ihrer selbst zu gedenken. Er muss derjenige sein, der jeden in seinem Kreise veranlasst, dass er allmonatlich einen Bei rag für den X.-E. ihm übergebe, und so hilft er mit, das zu erreichen, was wir Zionismen ja so innig schon aus rein idealen Motiven anstreben, eine allgemeine Beteiligung am Xationalfonds. Jeder Zionist möge allmonatlich zu seinen nächsten Freunden gehen und sie zur Zahlung eines regelmässigen Beitrages für den X.-F. veranlassen, so regelmässig, dass das eventuelle Ausbleiben des Mahners empfunden, sein Erscheinen als etwas Gewohntes betrachtet wird. Es fehlt weder an Leuten, die Sammler wären, noch an Leuten, die gerne für den X.-F. spenden, und es bedarf nur zweier Sachen, die wir Zionisten uns ja in anderen Dingen angewöhnt haben: Das Einsetzen seiner ganzen Persönlichkeit und Zähigkeit, und der Erfolg ist gesichert. In fast jeder jüdischen Familie gibt es einen armen Verwandten. M'an wirft ihn nicht auf die Strasse, man sagt sich nicht los von ihm, sondern es gilt bei uns Juden als heilige Familienpfliclit, den Armen dauernd zu unterstützen und. ihm durch regelmässige Spenden eine Existenz zu sichern. — Je nach seinen Yermögensverhältnissen trägt jeder von den verwandten Fainilienhäuptern sein Seherflein bei und der wird als entartet und als schlechter Mensch betrachtet, der seine Mithilfe versagt. Eine derartige Verpflichtung sollte jeder Jude seinem Volke gegenüber fühlen. Der Reiche wie der Arme! Denn kein Jude ist so arm, dass er nicht noch ärmere Brüder hätte. Das ist die 8elhstbeSteuerung! Erinnert euch, Juden, an. das Verhalten der Deutschen im Jahre 1813. Da strömte das Volk' zusammen, beladen mit Liebesgaben, die es auf dem Altare des Vaterlandes opferte. Silbergegen^tände brachte der eine, der andere schenkte liebe Andenken, Frauen brachten ihre Ilaare dar, Kinder ihr Spielzeug. Alles was Wert hatte, wurde geschenkt, nur um das Vaterland zu befreien. Wie opferwillig ist ein Volk in Kriegszeiten. Die Söhne gibt es her und namenlose Opfer an Geld, an entgangenem Gewinn bringt es dar!

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