Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon H.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration s Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripts nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion tägüich von 10—^12 Uhr. Preist der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern 30 Heller. Rß7lfifl<tnr0IQ0a> Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: UG£Uyd|JI ÜIOC. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Fres. 17.— halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika panzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli."1.70, vierteljährig DolL —.85 Nr. 8. Wien, 24. Februar 1905. — 19. Adar 5665. 9. i&tirgaog. Mitteilung des Aktionskomitees. Ueber mehrere Anfragen wird erklärt, dass nur die Landeskomitees und solche Körperschaften, welche keinem Landeskomitee unterstehen, den Schekel an die judische Kolonialbank für das A.-C, abzuführen haben. Vereine und Distrikte, welche einer Landesorganisation angehören, haben den Schekel dem betreffenden L.-IC abzuführen. Politische Lektion. Mit einiger Sorge sahen viele englische Juden und mit ihnen besonders die Juden Kusslands der Thronrede entgegen, welche die neue Session des englischen Parlaments eröffnen sollte. Xiach der lebhaften Agitation, die in den letzten Monaten gegen die Aliens betrieben wurde, nach den Erklärungen B a 1 f o u r s, Joe C h a m berlains und anderer Politiker galt es als wahrscheinlich, dass auch die Thronrede der Einwanderung Erwähnung tun werde. Das ist denn auch geschehen. Am Eröffnungstage des Parlamentes, Dienstag, 14. Februar, kündigle König Eduard die neue Aliens Bill mit folgenden Worten an: „Ein Gesetzentwurf, der die Gefahren mildern soll, die aus der Frenideneinwanilerung in das vereinigte Königreich erwachsen, wird Ihnen vorgelegt werden."'' In der Sitzung des Flouse of Commons erklärte der Staatssekretär Mr. Akers-Dou g 1 a s, dass er demnächst einen Gesetzentwurf einbringen werde, der das Fremdengesetz abändern solle. Das Haus der Abgeordneten steht, wie man weiss, in seiner Majorität auf dem Standpunkte, dass die Frcmdeiieinwanderung, namentlich die aus Hussland, unbedingt eingeschränkt werden müsse. Mit dem bekannten Parlamentsmitgliede Major E v a n s - G o r d o n befinden sich viele in LTebereinstimnriiiig, wenn er erklärt, die Fremde]leinwandexung sei die Folge der Politik einer „gowissen" fremden Regierung, welche darin ein Mittel sebe, eines ihrer schwersten und ernstesten ProbienEngland aufzubürden. Von dieser Seite ist also eine Ablehnung der neuen Bill nicht zu erwarten. Auch im Hause der Lords ist die Stimmung für die Einführung von Beschränkungen der Ein Wanderung entschieden günstiger als in der vorigen Session. Selbst der Führer der Opposition, Eaii S p e n c e r, ist geneigt, Entgegenkommen zu zeigen, wenn politischen Flüchtlingen das Asylrecht nicht verkümmert werde und. wenn es sich nur um Massregeln handle, die gegen verbrecherische und unerwünschte Fremde sowie gegen die Stärkung des Sehwitzsystems gerichtet seien. Die Antwort des Marquis of Landsdowne war nicht sehr ermutigend. Er versicherte zwar, dass man der gesetzlichen Freizügigkeit keine Schranken ziehen wolle, die 'Vorlage aber, die einem allgemeinen Wunsche Rechnung trage, werde natürlich eingebracht werden müssen. Es war eine recht farblose Erwiderung, die den Gegnern der Vorlage keinerlei Beruhigung bringen konnte, um so weniger, weil man in auch sonst gut unterrichteten Kreisen wissen will, dass sich die neue Vorlage nicht wesentlich von der vorigen unterscheiden werde. Es hat also den Anschein, dass diesmal diejenigen durchdringen werden, die scharfe Massnahmen gegen die Fremden wünschen. Jedenfalls werden gewisse Forderungen der British Brothers League, deren Judenfeind liehe Tendenzen ja ein offenes Geheimnis sind, verwirklicht werden. Das kann für diese Leute nur ein Ansporn sein, auf dem mit Erfolg betretenen Wege weiter fortzuschreiten. Ereignisse des letzten. Jahres haben gezeigt, dass es auch in England einen empfängliehen Boden für antisemitische Keime gibt, und es wäre töricht, mit dieser Erkenntnis nicht zu rechnen. 'Vielleicht ist das der tiefere Grund, weshalb auch Juden mit der Aliens Bill sympathisieren, wenn auch die meisten ein sehr berechtigtes Schamgefühl davon abhält, sieh direkt für die Beschränkung der Einwanderung zu erklären. Nichtsdestoweniger soll zugegeben werden, dass, von dem antisemitischen Einschlag abgesehen, tatsächlich für viele Engländer die Anhäufung der Juden im East End Londons unerwünscht ist und sie1 Gefahren für die einheimische]! Arbeiter darin erblicken liis'st. Das würde es wenigstens erkläret), warum von mancher Seite die neue Bill ganz trocken als soziale Kcformarboit gefordert wird. Sicherlich gibt es unter den Freunden der neuen Bill viele, die sich entrüstet wehren würden, wenn man die religiösen