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Die Welt · 1905-02-10 · 6 (10.2.1905) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 6 „bie # weit11 Seite 15 Philosophisch: das Chiffernrätsel. Kulturhistorisch: ein Denkmai für Herders. „Geist der hebräischen Poesie'', 1782. Kabbalistisch: Der „Faust" ist Geheimbuch. Die ganze Bedeutung der Louvierschen Arbeit: die unzähligen Rätsellösungen, die einheitliche Zusammenstellung der „Fausf'-Sprache, den Nachweis des systematischen philosophischen Inhaltes und der begleitenden geschichtlichen Beispiele, endlich das gewaltige Dechiffrierwerk kann nur der würdigen und ermessen, der sich mit dem Studium der zugehörigen Literatur eingehend beschäftigt hat. Allein ich glaube, dass die heutige Stunde nebein dem in Gestaltung und Inhalt so wunderbaren poetischen „Faust" aus dem Reichtum des gewaltigen sonstigen Stoffe«, uns Bedeutsames enthüllt hat. Wir sahen, um es nochmals zusammenzufassen, dass das klassische Hauptwerk der Deutschen dem Zauberhauche der hebräischen Poesie gewidmet und. dass die Form der Zueignung den Psalmen und dem Hohen Liede nachgebildet ist. Das Chiffernschloss der Dichtung ist mit Mitteln, wie hebräische Schriftsteller sie anwendeten, zustande gebracht; die Kunde dieser Hilfsmittel ist erforderlich, um es zu erschliessen und um die vom Dichter verkündete philosophische und geschichtliche Meinung b e - kräftigt zu finden. Wenn wir nun unter anderem erfahren haben, dass in den Allegorien unter den Guten und Allerbesten die Juden und das auserwählte Volk zu verstehen sind, so müssen wir noch erörtern, was in gleichem Sinne darunter zu verstehen ist, wenn, wie es einige Male geschieht, das Wort „Jude" geradezu gebraucht wird. Ganz hinten im' „Faust" im zweiten Teil wird gesagt: „Naboths Weinberg war schonda". Was bedeutet das? Es lag nahe, anzunehmen, dass sich irgendwo im Werk etwas auf Naboths Weinberg Bezügliches finden müsse. Aber soviel auch der „Faust" durchsucht wurde, niemand vermochte etwas derartiges zu entdecken. Da hat denn Louvier darüber belehrt. Er wies genauer nach, was ich hier nur andeutungsweise berühren kann, dass allegorisch mit dem Juden allemal A h a b gemeint sein soll. So wird uns denn die Stelle verständlich, in der es im ersten Teile heisst: „Ein Jud und König kann es auch". Ahab war Jude und König zugleich. Er nahm g c - w i s s e n 1 o s dem Naboth seinen Weinberg. Die Stelle im zweiten Teile ist eine Bekräftigung und Erklärung dafür, was wir unter der Hindeutung im ersten Teile zu verstehen haben: Mephisto: Die Kirch' allein, meine lieben Frauen, Kann ungerechtes Gut verdauen. Faust: Das ist ein allgemeiner Brauch; Ein Jud und König kann es auch. Unter „Kirche" ist hier allegorisch das G e w i s s e n verstanden, und nicht etwa jeder Jude macht diesen Gewissensbrauch mit, sondern ein geschichtliches Beispiel wird gegeben im Ahab, der Jude und König zugleich war. Alles in allem dürfen wir mit den Louvierschen Ergebnissen sehr wohl zufrieden sein. Sie sind nicht um unsertwillen erfolgt; sie sind objektiver, wissenschaftlicher Forschung entsprungen. Aber wenn wir deutschen Juden so innig mit deutschem Wirken und: Walten, mit deutscher Wissenschart und Kunst uns verbunden fühlen, so muss es uns freudig erregen, jetzt auch bewusst geworden zu sein, dass an der Seite Herders, der der neueren Zeit den Geist der hebräischen Poesie erschloss, an die Seite Lessings, der uns menschlich und ethisch würdigte, auch Goethe getreten ist. Das grösste Kulturwerk der deutschen Literatur hat er mit dem jüdischen Schrifttum einer zurückliegenden Epoche in unbedingte Beziehung gesetzt. Dieser durch das ganze Werk aufrechterhaltene Anschluss an eine jüdische Gestaltungsart hat nicht nur äusserliche Bedeutung; er ist vom Dichter für vollwertig erachtet worden, ein wesentliches Stück in der Gesamtarbeit des „Faust" zu bilden. Man hat gesagt: Wer mit gründlichem Erörtern sich bemühe, büsse dadurch am herrlichen Geniessen der poetischen Früchte ein. Von der Phantasie getragen, bedürfe man das nicht, ja man werde herabgedrückt, wenn die klare Erkenntnis ihre Schöpfungen durchleuchte. Allein es wäre ein schlechter Dichter, der ganz und gar kein Denker wäre. Arn wenigsten bestand ein solcher Mangel bei Goethe. Und wenn er selbst, dessen Grösse als Dichter doch unanfechtbar gelten darf, die schärfste Anwendung des Geistes bei seinem Werke geübt hat und solche Verstandesübung von anderen fordert, so bezeugt schon dieser Umstand, dass der Einwand unhaltbar war. Wer wahrhaft am „Faust" geforscht hat, wird aber bestätigen müssen, dass dadurch das Vollempfinden der darin enthaltenen ästhetischen und erhabenen Schönheiten durchaus geweckt und gestärkt wird. Und zwar verknüpft sich alles um so harmonischer, wenn wir wissen, dass unter allen im „Faust" zur Darstellung gelangenden Gestalten, die — sämtlich zusammenhängend — gelöst sind, diejenige des „Faust4* selbst allegorisch unbedingt den Verstand, den m e n s c Ii 1 i c h e n, spekulierenden Verstand ergibt. Mit diesem Rüstzeuge der Auffassung versehen, erwächst uns die vollkommene Bedeutung der im Prolog des Werkes gesprochenen Worte: Doch ihr, die echten Göttersöhne, Erfreuet euch der lebendig reichen Schöne! Das Werdende, das ewig wirkt und lebt, Umfasst euch mit der Liebe holden Schranken, Und was in schwankender Erscheinung schwebt, Befestiget mit dauernden Gedanken! Briefkasten. Ing. K. A1. Die beste Auskunft erhalten Sie von der Redaktion von „Altneuland", Berlin W. 15, Pfalzburg'rstr. 83. Dr. J. H. Reguüersgracht f5, Amsterdam. Gerne. Viel Glück der neuen Kollegin, Zion.-territor.VereinigungBern. Brief abgegangen mitderAufforderunff, sich direkt an die kompetente Stelle zu wenden. Nathan Safzberger, Szigeth. Dank für die Einladung. Wir gratulieren herzlich. Engel Jer., Nagy-Saros. Bitte mitzuteilen, ob Sie Brief erhalten haben. T. Ph., Suczawa. Wissen wir nicht. Wird dem Kongresse bekanntgegeben. G. S., Frauenkirchen. Leider nicht verwendbar. Vielleicht anderes. Klara M. in W. Unseres Wissens existiert ein solches Lehrerinnenheim in Berlin, Grosp-Lichterf>ld% Karlstrasse. Vorsitzende Frl. Münchhausen, Berlin W., Friedrich Wilhelmstrasse 17. Mussten uns erkundigen, daher Verzögerung. Rod, Gut, Prag. Ihre Karte wurde dem böhmischen D.-K. zur Beantwortung übersendet. Abonnentin, Czortköw. Der Zweifel, der nie ersterben will und Religiosität mit Religionsübung verwechselt. Nürnberg. Wollen Sie sich an Hr. Rabbiner Reines in Lida (Russland) wenden. H. L. Vcgel. Besten Dank. Damit wollen wir doch lieber nicht beginnen. — y— Irrtümlich verspätet. SPENDEN für den Nationalfonds: Ing. H. Fingerhut zur Hochzeit Penkker-Reichstein . . 0.60 Dr. Ludw. Werner zur Hochzeit Ing. Fried...... 1.— Wien: N. Gross anlässlich eines welthisioi ischen Ereignisses 1.—, zur Eintragung Dr. Benedikts 1.—, Dr. Zweig zur Eintragung Dr. Benedikts 3.— . . 5.— Jüdisch-literarischer Abend, Graz........... 5.— D?. A. Ader, Tarnow, zur Hochzeit Noer-Bienenstok . . L— Prof. N. Rübenstein, M.-Ostrau, zur Hochzeit Ing. Fried 0.60 Sammlung A. Laucetter und Frl. S. Lopaty, Brody, bei Verlobung Frl. Betti Korn............. 2.01 „Achdus*, Krakau. Vogler............. 10.— M. Greiner, Tapolcza................ 0.50 M. Jassem, Bochnia, zur Verlobung Bienenstok-Noer . L— Gzernowitz: L. Steinmetz zur Verlobung Sam. Inslicht 0.60, „Poale Zion" zur Verlobung Fri. Hornik 0.60.

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