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Die Welt · 1905-02-10 · 6 (10.2.1905) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 6 „bi* & w^it" Seite 13 Es wurde ein Zentralkomitee eingesetzt, das sich mit der Propaganda und der Vereinigung der „Zion-Erez-IsraeT* zu befassen hat Der Aufruf schliesst mit folgenden Worten: Der nächste Kongress ist für die Zukunft des Zionismus entscheidend. Seid stark, wisset, dass euer Anschluss an territorialistische Schekelgruppen diesen eine Majorität verschaffen und dem Kongresse eine euch widersprechende Richtung geben könnte. Haltet die Sache nicht für leicht. Es ist eine Frage des Seins oder Nichtseins. Vereinigt euch im Interesse unserer Idee! Tut alles,' damit der Kongress ein zionistischer sei und nicht ein Kongress von Leuten, die irgend ein Land suchen. Der Moment ist wichtig, die Zeife kurz, das Los unserer Bewegung ist in euerer Hand; Genossen, arbeitet für die Regenierung Israels im Lande Israel. In demselben Blatte vom 3. d. M. tritt H. Z e itl i n, ein der Redaktion nahestehender Mitarbeiter, dem „Zione- Erez-Israel* mit einem scharfen Proteste entgegen. Er habe bereits in mehreren Artikeln nachgewiesen, dass die „Territorialisten" keine „Assimilanten" seien, wie man ihnen vorzuwerfen beliebe, und er wiederhole seinen entschiedenen Protest gegen eine derartige Verdächtigung. Im Gegenteile die Territorialisten wollen das Volk vor der Gefahr der völligen Assimilierung, die ihm drohe, bewahren. Auch Ch. J. Chasan tritt in derselben Nummer des genannten Blattes für den „Territorialismus* ein und wendet sich ebenfalls gegen den Vorwurf, dass die Territorialisten Feinde von Palästina wären. Die polnische Monatschrift für die jüdische Jugend „Moriah* die in den dritten Jahrgang tritt, richtet in dem soeben erschienenen Jännerheft einen warmen Apell an die Jugend, deren Sache weniger die politische Tätigkeit als die kulturelle Hebung des Volkes sei. Nicht dass die Jugend sich in politischen Fragen gleichgültig zu verhalten hätte; aber ihr obliegen weit grössere Pflichten und Aufgaben: sich geistig und physisch für den n ationalen Kampf vorzubereiten. „Das Ideal des jüdischen Studenten muss sein: Gründliche Kenntnis der hebräischen Sprache und unserer Geschichte, besonders der zeitgenössischen Literatur und der jüngsten Ereignisse, eine Kenntnis, die sie zur auferstehenden Heimat führen soll, zu den durch jugendliche Arbeit befruchteten Gefilden Palästinas/ In gleichem Masse müsse die physische Kraft gehoben werden . . . „Palästina und die hebräische Sprache — so schliesst der schwungvolle Artikel — sind das Herz des jüdischen Volkes und keine Reflexion und kein Widerstand wird unserem Herzen Stillstand auferlegen!" Das Heft enthält ferner einen Artikel von Dr. A. Salz über „Misrachi und Poalei Zion", das Lied der „Poalei Ziona, Jargon und polnisch; einen Aufsatz über „die Anfänge der jüdischen Religionsphilosophie; von M. B.; einen Aufsatz über den Lemberger Turnverein und eine Monatsschau aus Literatur und Presse, die mit Umsicht und Geschick redigiert ist. Wie bisher enthält auch dieses Heft wichtige Mitteilungen aus der Bewegung unter der jüdischnationalen Jugend. Die vom Verein „Zion" in Buenos Aires herausgegebene „Propaganda Sionista8 (Jargon) befasst sich in den letzten zwei Nummern mit der Frage; „Ist der Zionismus der Kolonisation in Argentinien schädlich?" Den Anlass zu dieser Frage gibt die Wahrnehmun g,dass die Administrationen und die Leiter der „Ica" der Ausbreitung des zionistischen Gedankens in den argentinischen Kolonien nicht besonders freundlich zusehen. Es wird bei der Lösung dieser Frage der Nachweis versucht, dass dem Baron Hirsch eine assimilatorische Absicht bei der Gründung der grossartigen Institution ferngelegen sei und dass auch die „Ica" aufgehört habe, ihr Ziel als Lösung einer „Magen"-Frage anzusehen. Es seien alle Anzeichen vorhanden, dass die„Jcatf auch auf die national-geistigen Bedürfnisse der Kolonisten Gewicht zu legen beginnt Der zionistische Gedanke würde also, vermöge seines Strebens, nicht allein ökonomische, sondern auch geistige Befreiung zu bringen, für die Bestrebungen der „Ica* sowohl in Palästina als auch in Argentinien vonnutzen sein. Hebräus. Der „Schlemiehr erfreut sich noch immer der tätigen Mitarbeit der deutschen Assimilanten, die nur den Mund aufzumachen brauchen, wenn das Komische Ereignis werden soll. Wir zitieren an anderer Stelle den grossen Kotau des Zentralvereines vor dem freisinnigen Antisemiten Lenzmann, durch den der Zentralverein mehr verdorben hat, als der Verein zur Abwehr des Antisemitismus jemals wird gut machen können. Ueber die weisen Köpfe im Z.-V. hält sich der «Schlemiehl" natürlich den Bauch. Der „politische Wochenschaute" verzapft eine hinreissende Weisheit, wofür er gewiss zum Ehrenbürger von Kalau ernannt werden wird, während Chaim Jossei jüdische Witze auftischt, bei denen sich selbst einem Kahlköpfigen die Haare sträuben. C. Kaiser eilt den Ereignissen voraus. Im Anfange jeder Bewegung ist nämlich das Gedicht, und so versorgt er die Ugandisten mit einer begeisterten, afrikanischen Nationalhymne. Dass der „Israelit" nicht fehlen darf, wenn man lachen soll, ist wohl selbstverständlich. Eine bezeichnende Illustration ist ein gezeichneter Leitartikel: „Die Lage im Zionismus." Besonders scharf hat es der Schlemiel auf die jungjüdischen Künstler abgesehen. Er lässt an ihnen kein gutes langes Haar und zupft sie fortwährend an der Künstlerkrawatte. Ein Verein&bericht leuchtet glärzend in die Urteilskraft des jüdischen Publikums, das jedem Redner mildherzig mit Beifall überschüttet. Glänzend sind die Splitter, davon einer: Der Zionismus ist im Garten des Judentums die Distel — jeder Esel will ihn fressen. Im Briefkasten finden sich noch etliche Dummheiten — anderer und schliesslich wird noch einmal der Zentralverein hergenommen, der jetzt eine besonders glänzende Wintersaison von politischen Sensationen im Style Schiidas hat. Der „Sehlemiehl* sorgt also lustig weiter für das Anwachsen der Zahl derjenigen, die ihn gar so gerne sehen, weil ihn die anderen gar so lebhaft verwünschen. — y. Der „Nathanael", die von Prof. Dr. Hermann L. Strack herausgegebene Zeitschrift der Judenmission, schliesst eine grosse Besprechung über die Vereinsorgamsationen innerhalb der deutschen Judenschaft im ersten Hefte des Jahrganzes 1905 mit bemerkenswerten Betrachtungen über den Einfluss der jüdischen Organisationsarbeit auf die Erfolge der Judenmission. Der Verfasser der Artikelserie, Pastor ßillerbeck, kommt zum Schlüsse, dass diese Organisierungsbestrebungen, namentlich die jüdischnationalen, das jüdische Selbstbewusstsein mächtig heben, eine Einwirkung auf die jüdische Masse wesentlich erschweren. Er rät daher, sich an die Gewinnung einzelner zu halten. Ferner verlangt er, dass man den jüdischerseits erhobenen Einwürfen gegen das Christentum mit den Mitteln der Wissenschaft (O, Babel-Bibelgeschrei, sollst du nie enden!) entgegentreten möge. — Hoffentlich wird die Judenmission nach weiteren sieben Jahren Zionismus ihre Aufgaben noch enger begrenzen. Wenn die Herren dem Volke Israel wirklich helfen wollen, so können sie ihre Mühe und ihr Geld wirklich auf viel bessere und erfolgreichere Weise verwenden, wenn sie die Christen statt der Juden dem reinen Evangelium zu gewinnen suchen. Da hapert es noch ganz gewaltig. Da gibt es eine unbegrenzte Möglichkeit ununterbrochener Arbeit. —r. Feuilleton. Jüdische Künstler in Wien. Was auch, bis jetzt über die jüdische Kenaissanoobewegung gesagt und geschrieben worden ist, welche Perspektiven auch über ihre Bedeutung für die Zukunft des jüdischen Volkes eröffnet wurden, eine Tatsache steht fest : dass in einem verhältnismässig kurzem Zeiträume durch eine bewnsste Tendenz die Hindernisse beseitigt wurden, welche einer jüdischen Kunst entwi ekln ng im Wege standen. Das biblische Gesetz, welches die Darstellung des Mensehen und aller menschlichen Formen verbot — weit diese gottähnlich seien — wurde durch den modernen Geist, der auch das orthodoxe Judentum zu streifen beginnt, allmählich zunichte gemacht und es naht eine Epoche, in welcher sich die bis jetzt verkümmerten ästhetischen Neigungen in modernem Sinne werden ausleben können. Und es ist merkwürdig genug, dass gerade das eigentliche Kulturzentrum, der- Osten, alljährlich eine stattliche Anzahl vollblütiger Künstler hervorbringt, welche imstande sind, die bildende Kirnst der sogenannten Moderne wesentlich zu beeinflussen. Die meisten von ihnen sind im Westen so ziemlich imbekannt,, während sie in ihrer Heimat gewürdigt und anerkannt werden. Einige von ihnen, haben sich durch die Ausstellung ihrer Kunstwerke in Wien bereits ein Forum, geschaffen nnd die allgemeine Aufmerksamkeit der Kritik erregt. Im Künstlerhanse bot K Schattenstein durch eine

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