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Die Welt · 1905-02-10 · 6 (10.2.1905) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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„bi$ # weit" Seite 11 1905, präzise 3 Uhr nachmittags im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, stattfindet. TagesordLung: 1. Eröffnung durch den Obmann und Bericht über das Ergebnis des Jahres 1904. 2. Bericht der Eevisoren. 3. Neuwahl von acht Ausschussmitgliedern und zwar an Stelle der durch Ablauf ihrer Mandatsdauer ausgetretenen Herren*) M. Baum, Dr. M. Blumenthal, Doktor S, Elias, Dr. Leo Ehrentheil, Louis Flamm, Michael Jokl, David Kornfeld, Michael Neurath, sowie Wahl von zwei Revisoren und zwei Ersatzrevisoren. 4. Eventuelle Anträge. Sollte die ordentliche Generalversammlung um 3 Uhr nicht beschlussfähig sein, so wird die nach halbstüadiger Pause um halb 4 Uhr als nächstfolgend anberaumte, ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden abgehalten. * * * Jüdische Toynbeehalle in Krakau. Nach längerem Bemühen ist es uns gelungen, auch in Krakau eine Toynbeehalle ins Leben zu rufen. Während der Vorbareitungsarbelten war es die Frage der Ausfindigmachung eines entsprechenden Lokales, die die meiste Zei lraubte und die grössten Schwierigkeiten bereitete. Es verdient nämlich festgenagelt zu werden, dassj der Tempelverein der sogenannten „fortschrittlichen Israeliten" auf Antrag des Advokaten Dr. D......über unser Ansuchen auf Uebecrlassung «ines Nebensaales im Tempelgebäude zur Abhaltu: g der Toynbeehallenabende zur Tagesordnung übergangen ist. Die büdungsfreundliche Haltung dieses Kultusvorstehers hat uns gezwungen, uns nach einem anderen Saale umzusehen. Um teures Geld war er bald gefunden. Freitag den 27. Jänner verkündeten riesige Jargonplakate der Krakauer Judenstadt („Kazimierz") die Gründung der Toynbeehalle und die Ziele, die sie verfolgt. Sonntag den 29. Jänner 1. J. abends fand im Saale des Hotel Keller der Eröffaungsabend statt. Der Maasenbesuch übertraf alle Erwartungen. Beinahe 500 Personen standen dichtgedrängt nebeneinander und lauschten aufmerksam den Ausführungen der Redner. Eine kurze Jargonansprache des Präsidenten des Toynbeehallenvereines, Dr. med.-Ch. Hil f s t ein, eines der wackersten und unermüdlich tätigen Gesinnungsgenossen, eröffnete den Abend. Daran schloss sich ein einstündiger Vortrag des Gesinnungsgenossen und Mitgliedes des Aktionskomitees Dr. L. Goldwasser über das Thema „Was ist Bildung?" Das Publikum, das zumeist aus den ärmeren Schichten der jüdischen Bevölkerung bestand, nahm den Vortrag sehr beifällig auf. Der Abend liess für die Zukunft des Institutes das beste erhoffen. Von nun ab fin«1en die Vorträge regelmässig dreimal wöchentlich, am Freitag-, Samstag- und Sonntagabend statt. Es hat sich erfreulicherweise eine solche Anzahl von Vortragenden gemeldet, dass sämtliche Abende der laufenden Wintersaif-on bereits besetzt sind. Wenn es nun noch gelingt, die Anstalt finanziell zu fundieren, so haben wir einen grossen Erfolg in unserer Arbeit um die geistige Hebung des jüdischen Proletariates zu verzeichnen. Weif. Eine Adressen die Verteidiger im Hemeler Prozesse. Die zionistischen Studentenkorporationen Wiens haben an die Verteidiger im Homeler Prozesse folgende Resolution gerichtet: Wien am 27. Jänner 1905. An die Hochwohlgebornen Herren Verteidiger der Juden im Homeler Prozesse. Wir erlauben uns, ihnen die Resolution, die am 15. Jänner 1905 von allen zionistischen akademischen Korporationen Wiens angenommen wurde, bekanntzugeben : Die Vertreter der zionistischen akademischen Korporationen Wiens drücken den Verteidigern der angeklagten Juden und den Anwälten der Zivilkläger am Homeler Prozesse ihre Sympathie und wärmste Anerkennung für ihr tatkräftiges und mannhaftes Eintreten für Wahrheit und Licht in dieser russischen Dreyfusaffäre aus. Wir verbeugen uns vor Ihrem Bestreben, die systematische Verletzung des Menschenrechtes und der Menschenwürde zu bekämpfen, und bewundern die Ausdauer und Aufopferung, mit welcher Sie auf Ihrem Posten ausharrten. *) Die ausscheidenden Mitglieder sind wieder wählbar« In der Tatsache, dass Sie den Saal des Gerichtes verliessen welches die Verurteilung der Homeler Juden für ihren rühmlichen Versuch, ihr Leben und ihre Ehre zu Verteidiger, sich zum Zwecke gemacht hat, sehen wir einen Protesi gegen die Rechtsverletzung und die Verhöhnung der menschlichen Persönlichkeit. Wir schliessen uns diesem Protest an, in der Uebeizeugung, dass nicht nur die jüdische Gesellschaft, sonden die gesamte gebildet« Menschheit Ihr Vorgehen in vollem Masse anerkennen wird. Für die Korporationen : „Bar Giora", „Bar Kochba8, „Erez Israel", „JordamV, „Ivria", „Kadimah", „Leo Pinsker", „Maccabäa", „Theodor Herzl", „Theologia", „Unitas". jur. Fritz L ö h n e r phih Marek Gottfried Präses. Schriftführer. | Konsul A. M. Simon. | ^^BaOHBamHHHUHnaHBSSBK^^^ Am 28. Jänner ist Konsul A. M. Simon an den Folgen eines Unfalles, den er im Bade erlitt, gestorben. Er hat ein Alter von 68 Jahren erreicht. Jeder, der den rüstigen, prächtigen Manschen in der letzten Zeit sah, Inn sicherlich von ihm noch viel tüchtige Arbeit erwartet. Umso erschütternder trifft alle, die ihn kannten, die .Nachricht seines plötzlichen Hinscheidens. Seit vielen Jahren ist der Verstorbene im Dienste jüdischer Wohltätigkeit sbestrebungen tätig gewesen. Sein .Reichtum gestaltete ihm, sich in der munifizentesten Weise an einer .Reihe philanthropischer Unternehmungen zu beteiligen. Sein Lebenswerk aber war die Gründung und Förderung der Ahlemer Erziehungsanstalt. Er wollte die jüdische Jugend in grossem Massstabe dem Ackerbau und dem Handwerk zuführen. Keine Anstrengung war ihm zu gross,wenn es galt, dieses Werk zu fördern. Er widmete sich eingehenden Studien, unternahm grosse Eeisen und knüpfte zahllose Verbindungen an, um seinen Schutzbefohlenen und damit seinem Volke Stätten für ihre spätere Wirksamkeit zu eröffnen. Ereilich blieb der Erfolg vorläufig weit hinter der aufgewendeten Mühe und den reichlich gewährten Mitteln zurück. Das hat Simon nie abgeschreckt. Er wusste, dass er Zukunftsarbeit leiste und dass die tüchtigen Landwirte, Gärtner und Handwerker, die aus seiner Anstalt hervorgingen, die best e Propaganda für sein Werk bedeuten werden. Und das war ihm das wichtigste. Der Zukunft des Volkes sollten sie Pioniere sein; denn Simon gehörte zu denjenigen, die in der Küekkehr der Juden zur Scholle, zu eigenem Grund und Boden die einzige Lösung der Judenfrage erblickten. Deshalb stand er auch dem zionistischen Plane, so weit er Kolonisationsarbeit betraf, immer nahe. Deshalb war er auch einer von denjenigen, die der Auswanderung der Juden feste Bahnen gewiesen sehen wollten. Bei den letzten Konferenzen über die osteuropäische Auswanderung war er es, der seine Stimme erhob und die grossen Organisationen aufforderte, die Auswanderer als Bauern anzusiedeln. Wenn er auch nicht unser Gesinnungsgenosse war, so ragte er doch turmhoch über die Masse der reichen deutschen Juden empor; denn er hatte warmes Empfinden dafür, was dem jüdischen Volke nottut, und war aus allen Kräften bemüht, ihm in seiner Weise zu helfen. Sein Leichenbegängnis gab denn auch Zeugnis von der allgemeinen Liebe und Wertschätzung, der er sich erfreute. Landrabbiner Dr. Gronemann, Justizrat Dr. Bereu;! (im. Namen des Kuratoriums der Ahlemer Anstalt) und eine Eeihe anderer Eedner sprachen an der Bahre Wort ' höchsten Lobes und innigen Dankes. — Möge er in Frieden ruhen, der seinen Brüdern zum Frieden helfen wollte. y;

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