Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1905-02-03 · 5 (3.2.1905) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3315709-3316128-3316137--46564-3341416
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 5 „bie # w*it" Seite 15 findet Louvier eine verstärkende verschleierte Hindeutung in der Zeile: „Verklungen ach! der erste Wiederklang." Es bedurfte indes sehr langer Nachforschungen, bis festgestellt werden konnte, dass wirklich in dieser Zeile der chiffrierte Hinweis, auf den jüdischen Buchstaben zu finden sei. Stand nämlich bei Goethe zwischen „Verklungen" und „achk4 ein Komma, so war der Nachweis unvollkommen. Die „Faust"- Ausgaben bringen nämlich stets das Komma und machen dadurch das „Ach" zum Ausruf in deutschem Sinne. Fehlt aber das Komma, wird dadurch das „Ach" kabbalistisch zum Subjekt des Satzes, so erhalten wir einen anderen Sinn. Louvier Hess also in der Berliner königlichen Bibliothek die äiteste Ausgabe des „Faust" von 1808 nachschlagen. Dort fehlt das Komma.. Die „Faust"-Versch!imnierer haben es in die folgenden Ausgaben hineingetan. So finden wir denn, dass „Ach" der erste Wiederklang ist und dass dieser erste Wiederklang „Ach" verklungen sei. Wiederklänge, Aspirationen hat die hebräische Sprache im Aleph, Jod, Vow, Ajen, He und Cheth. Davon ist A . . . ch gleich s der erste Wiederklang. Kr gilt hier als verklungen, weil das Chiffernrätsel jetzt von den „ersten'' zu den „folgenden" übergeht: „Mein Leid ertönt der unbekannten Menge." Lange druckte man: „Mein Lied". Herr von Löper hat sich dieser Willkürlichkeit widersetzt. Louvier kehrt gleichfalls zum Goetheschen" Text zurück : „Mein Leid". Es wird also geklagt. Wer klagt, wer ist es, der sein Leid der Menge entgegenbringt? Es ist das „Chiffernrätsel", das nämlich an dieser Stelle von den beiden ersten, den Chiffern, auf die beiden folgenden Sieben: Rätsel, übergeht. Die Menge ist unbekannt. Unbekannt ist das Rätsel; erkannt, gelöst, hört es auf, ein Rätsel zu sein. Beklagt wird die Menge der „Fausf'-Rätsel, weil sie Beifall finden (nicht „spenden"). Das Chiflernrätsel klagt nämlich, dass dieser Beifall ihm, seinem Herzen, d. i, seinem Inhalt, bange mache; denn solange die Leser des „Faust' das Rätsel poetisch schön finden, aber nicht weitergehen, nicht forschen, finden sie auch die Auflösung nicht. Die Welt, d. i. die „Faust"-Dichtung, zerstreut diejenigen, die noch leben, d. i. denken; daher irren sie. So lange im Text von den Silben die Rede ist, von den Chiffern, vom Rätsel, erfolgt die Anrede: „Ihr". Nunmehr spricht das Ganze als „Ich": „Und mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen Nach jenem stillen, ernsten Geisterreich." Das stille, ernste Geisterreich kennzeichnet sich als die iiebräische Poesie. Herders bekanntes Buch führt den Titel: „Der Geist der hebräischen Poesie", und so dürfen wir denn, was das „Faust'^-Rätsel als „Geisterreich" benennt, als heb r ä ische Poesie erraten. Still ist diese Poesie, weil das Hebräische dem Dichter als tote Sprache galt, und ernst und erhaben ist sicherlich ihr Grundzug. Entwöhnt von dem Sehnen nach dieser Poesie hat man sich, weil die neuere Literatur einen ganz anderen Charakter hat. Das in unbestimmten Tönen schwebende Lied geht auf die ..schwebenden Buchstaben", über die die Kabbalisten vielfach geklügelt haben, die „fliegenden Zeichen", wie sie auch wo'hl von jüdischen Gelehrten genannt werden. „Ein Schauer fasst mich" d. i. ein Sehender, ein Seher erfasst, versteht mich.") *) Es berührt eigenartig, dass auch in der Bibel Wortspiele zwischen „schauen" und „schauern" anklingen: Zach, 9, 5: k-tp ]\bpvx *on Askalon schaut und schauert. Psalm 10, 4: v cm ix"r Schauen werden >es viel' und schauern. Die Stämme der hebräischen Worte sind natürlich verschieden; ebenso sind die beiden deutschen Zeitwörter grundtögrßchieden. Träne, Tropfen bezeichnet in der „Faust"-Sprache einen Laut oder Buchstaben. Die beiden letzten Zeilen enthalten eine Reihe alliterierender Worte. Wie Louvier meint, wird damit auf eine bestimmte, näher angegebene Stelle im ersten Teile des „Faust" hingewiesen. Endlich sei hier noch auf die Form aufmerksam gemacht, in der die „Zueignung" geschrieben ist. Diese Form findet sich sonst nirgends im „Faust" wieder. Allemal gehören zwei Reihen zum Ausdruck eines Gedankens; nie gehört die dritte Zeile dazu. Dies ist die Form, die an die hebräische Poesie erinnert, von Herder als Parallelismus membrorum, also Gleichartigkeit zweier Verse, benannt. Goethe hat gerade der Zueignung diesen Anklang an hebräische Verse im Aeussern verliehen. Die Psalmen und das Hohe Lied weisen den Parallelismus auf im G e d a n k e n i n halt; die Zueignung tut dies in der1 Form. (Schluss folgt.) Briefkasten. Isak Z. Klimköwka. Es handelt sich uro gebrauchte Briefmarken, die Sie unsortiert an die .Jüdische Nationalfonds- Konamission, IX., Türkenstrasse 9, absenden wollen. Beantwortung erfolgt hier, weil Unterschrift unleserlich. I. T. Tlumaoz. Die Sache ist sehr bedauerlich. Mehr aber als sie zur Kenntnis nehmen und sie nötigen Falles zu verwenden, ist kaum möglich. Fritz R., Radautz. Da können wir Ihnen leider keinen Rat geben. Wenden Sie sich an einen Buchhändler in Czeruowitz, der Ihnen sicher Auskunft geben wird. I. f., Express. Viel zu scharf. Wurde übrigens vorgelegt. R. Br. Wurde schon vor zwei Wochen zum Satz« gegeben. Durch meine Abwesenheit das Liegenbleiben verschuldet. A. L. Stänislau. Wir haben darüber leider bis jetzt nichts erfahren können. M. L, Berlin. Vielleicht anderes. X. Y. 2., Berlin Gerne, wenn irgend möglich. Sonst retour. A. St., Wien. Wurde vorgelegt. Bitten um ein wenig Geduld. SPENDEN für den Nationalfonds: „Bi ei Zion", Jalta, trägt Dr. Herzl ein.......250.— ranskimost: Statt Blumen auf den Sarg der kleinen Irma ^eidemann aus Puscl witz. Gustav Seidemarin................... 1.80 Meier Kie^ler Kos-ow. zu Promotion Jos. Lau, Lemberg 0.53 „Bnoth Zion\ K u t. y, Sammlung bei der Makkabäerf ier..................... 5.— Sammlung H"rl. S. hieger be< Hochzeit Schreier-Kern, H horudezany. Keiwei Schreier....... 4.80 Rzeszow: Sammlung Frl. Regina Kurz bei Hochzeit Ger Sunfeld-Hriusnr, Laricut. „S u 1 a m i t h", R z e s z o w 7.— Sammlung S. Rokach, Kolomea, bei Brith-Milah Moses Hirsch .................... 5.— „Poale Zion", ßrody, zum Herzi-Abend, Lemberg . . . 0 60 Dr. Traum, Tarnow. zur Eintragung seines am 17. Jänner 1905 versto heuen Söhnchens Nysan. 1. Rite . 10.— J. T au I) -Tuzi» zur erlonung Hrl. Peu-ida Miskovicse'h orth. ^eisti. cand Milo ad ukajlovi(\ L^carak K u6l>, ,.'<nr Kocht.a Wien: Ossi. Mawy. Cp« I arnegoil, Bass, Mendel VV eit Huhek, Fromi. Katz, Schmie! iNeumann, Sam> ä 0 10. Saul 0.20, Scnije 0.12, Frl. G F., Wette 0.10. Nacht..... . 2. 32 U n » o n d e s D « m e s S i o n i s t e s d** Pan> : Frcs 100.- ■\ s d Kinde*: üVhi^en <J. Mi.« lit-d i MUe. Au el'e Kai n Hrcs H).— Mme. An oh t. - Renie Berkrlhainmer 5 7 ». Helene Berv elnumim r 5 75 Le.» fneiimar* 0 60, Lss t Frifdinann 0.-ü, Joseph Rosenteld 3.10 Rachel et Andre* Kahn .15, Mathilde Cofifer 2 05, Mme. Rchabsky 2.10, Maurice Seligmann 2.80 M. Siders-ky 3 10 R »tfer horis Lazareff 2.40 Esther et Ha« ri Racovaky 4 25, »auline 2.55, Hella Aronstam 2.45. Joseph A*-onst m 2.35, Raphael Schere» h v*ky 1.- , Maurice Kaplan 1.80, .Michel Scheps.ovsky JäUO, gesammelt 6.30; zus. Free. 165.- =......... 157.14

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.