Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 5 (3.2.1905)
- Date
- 1905-02-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Tölephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Hedaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—llt\2 Uhr. ♦ Proiso dor Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Der Irseratenteil wird Dienstagabends geschlossen Einzelne Nummern 30 Heller. Ro7linCnrOICOa Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: L*Q£.uyO|JI OldC. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.-^-, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7*—, halbjährig R 3.50, vierteljährig R 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.— halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 Nr. 5. Wien, 3. Februar 1905. — 28. Schebat 5665. 9. Jahrgang. Aus düsteren Tagen. Hohl dröhnt der Boden unter dem schweren Schritte der Zehntausende, die einer neuen' Zeit entgegenziehen wollen. Sie könnensie nicht mehr bloss, sehnend erwarten. Als wäre sie ein Greifbares,, so ziehen sie aus, sie zu suchen, zu. erobern. Es ist ihr dunkler Sinn, der sie dahin treibt, das goldene Vliess der Freiheit zu erwerben. Doch Blut um Brut floss drum seit alter Zeit und Ivoloh is .war von je ein traurig finsteres Land. So f Ii esst denn wieder Blut und Blut. Und wieder dröhnt der Boden unter dem Tri He anderer Zehntausende. Mit Wehr und Waffen ziehen sie den Suchenden entgegen. Mit böser Lust stellen die Mächtigen und sehen Tod und Unheil nahen. Wütend bläht sieh die Sehlange der Gewalt, die das Vliess bewacht. Wehe den Waffenlosen, die ihr nahen! Die Armen i Mit Bildern und S}rmbolen, mit flehender Bitte und kindlichem Vertrauen wollen sie alles Unheil bannen und in Segen wandeln. Und sie erringen, was solchen Träumern i mmer beschieden ist — Blut und Tränen. Die bösen Triebe hatten sie tief in sich verschlossen. Sie wollten ja Gutes, wollten im Frieden, um Freiheil: werben. Nun kam es anders. Den Träumern ward ein schreckliches Erwachen zuteil. Da wirdder Fessel ledig, was mit Mühe gebändigt war. Die Wut und die .Rache und der Wahnsinn der Verzweiflung fassen sie an. Und sollen sie jetzt untergehen, so wollen sie sich einmal wenigstens auch stark und mächtig fühlen. Ungeheures wälzt ihr rasender Zorn in ihren Herzen. Sterben? Ja. Aber die lodernden Brände prächtiger Paläste sollen ihrem letzten Kampfe leuchten, die anderen, die feige und ha!!) zustimmend, die freche Lüge von Ordnung und Buhe verkünden hören und daran glauben w oll en, sie sollen auch empfinden, was Tod und Todesangst heisst. Was rein unu schön begann, wird in den Schmutz und die Schmach geplünderter Branntwein schenken und ausgeraubter Kaut laden gezwungen, nicht mehr im Blut gereinigt, sondern im Kot erstickt. So wird das Edle durch andrer Schuld ertötet, Zu Schuldigen werden-Schuldlose, zum Verbrechen sehen sich die Kämpfer um Freiheit getrieben. Nun. wachen die niedersten Instinkte alle auf. Die und könni Jhr's h der Zorn 'des was ihr nd ere Bestie bricht hervor und rast nach Mord und wildem Geniessen. Leicht ist es da, die Rachedurst igen, im wilden Schmerze ihrer zertrümmerten Hoffnungen, zum Schlimmsten zai verführen. Zeigt ihnen einen nur, der noch schwächer, wehrloser, verfolgter ist als sie. und die ganze Niedertracht in tiefster Finsternis gehaltener Manschen wird sich mit Wollust lösen und nach Erfüllung schreien. Daun wird sich das erwachte wilde Tier im Blut und Kot wälzen. Ein. Wort genügt, zur rechten Zeit ihnen, zugosohlcudert. Ihre Gedanken werden von allem Hohen abgezogen und „Verfolgt! Sehlagt tot!44 so wird die Losung lauten und wird den Schwächsten, Acnnsten Schicksal werden. Es ist nicht schwer, den weiteren Verlauf sieh so zu denken. Hat es an Drohungen doch nicht gefehlt! Ein altes Schauspiel. In den Juclengassen hat sich's schon oft und oft so abgespielt. Es kommt die Weisung an die Juden: „Beruhigt nun die Aufgeregten. Ihr seihst sein schuld, dass es so weit gekommen. Nun helft den Aufstand unterdrücken. Und tut ihr's nicht nicht, dann ist es eure Schuld, wenn sie Volkes gegen euch wendet, dann traget, leiden lassen wollt.44 Gewiss, das ist ein trauriger Ausgang, ein Endo, das im Anfang schon enthalten war, im herrlichsten Beginnen, in der seligsten Erhebung. Die Ernte der Zukunft spriesst notwendig aus den Keimen der Vergangenheit. Zu viel des Bösen, wurde da gesäet, dass man nun Gutes wachsen sehen könnte. Wohl wird es, inbrünstig hoffen, wir es, in ferner Zukunft einmal anders sein. Jetzt füllt unsere armen Volksgenossen der Schrecken nicht nur für ihre Landesangehörigen, für das.Land, -darin sie wohnen und dessen geringen Schutz sie gemessen, nicht bloss die Angst um die Zukunft des Staates, dem auch sie angehören, sondern — und wie furchtbar ist das — auch •das Bewusstsein, dass, wie immer auch die Kämpfe enden, die Gefahr für ihr Lehen dann erst recht beginnt und dass man spät erst suchen wird,'der Wut zu wehren,, wenn sich der Zorn des Volkes, unfähig, sich .mit der Gewalt zu messen, gegen Schwächen' kehrt, gegen sie. die von jeher Verfolgten. Nicht anklagen wollen wir. Vielleicht, vielleicht, dass es ein gutes Schicksal will und wir diesmal verschont bleiben. Wohl, ist die Hoffnung rocht gering, allein s