Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 4 (27.1.1905)
- Date
- 1905-01-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 „bie <* weit Nr/4 § 5. Der Kongress tagt in Basel, einmal in drei Jahren, kann aber auch früher durch das A.-C. mit Z w e i d r i 11 e 1 m a j o r i t ä t einberufen werden. In diesem Paragraphen sind zwei Abänderungen des alten Statuts enthalten: 1. Dass der Kongress einmal in drei statt zwei Jahren einberufen wird und 2. ist der Tagungsort des Kongresses einfür allemal festgesetzt. Oefterc Kongresse sind nicht nur nutzlos, sondern direkt schädlich. Unser zionistisches Leben ist nicht so reich an Ereignissen, dass der Kongress tatsächlich Material für ernste Verhandlungen hätte und deshalb wird der Kongress entweder ganz inhaltslos (der vierte Kongress), oder man müsste für ihn etwas sehr Schädliches vorbereiten (der sechste Kongress). Man hat sich deshalb daran gewöhnt, alles vom Kongress zu erwarten und nicht von der selbständigen Ortsarbeit. Es ist deshalb ganz genügend, wenn der Kongress einmal in drei Jahren einberufen wird. Sollten aber tatsächliche Lebensfragen gereift sein und nicht fiktive, ausgedachte, so hat das A.-C. nach Beschlussfassung von zwei Dritteln seiner Mitglieder die Möglichkeit, den Kongress auch vor Ablauf von drei Jahren einzuberufen. Noch ein Umstand: die breite, jüdische Masse und die jüdische Jugend, welche an den Kongressen ein wirkliches Interesse, als an etwas Ideell-Realem und nicht Philanthropisch-Schönem, hat — diese breite Masse ist nicht im stände/so häufige Ausgaben zu machen und Delegierte auf ihre Kosten zu schicken. Infolgedessen sitzen viele ideelle bewusste Arbeiter zu Hause, während die Kongressräume hauptsächlich mit schneidigen, fashionablen, „politisch" erzogenen und wenig bewussten Elementen gefüllt sind. Dieses Uebel wird stark paralysiert werden durch längere Zeiträume zwischen den Kongressen. Eine, andere Abänderung in diesem Paragraphen ist die Bestimmung, dass der Kongress einfür allemal in Basel seinen Sitz habe. Die Kraft der Tradition hat eine ungeheure Bedeutung in der Leitung einer Bewegung. Die Tradition hat uns mit unserer alten Heimat verbunden und im Momente der Ausfälle gegen dieselbe, ist unsere Liebe zu dieser Heimat noch intensiver geworden. Die Tradition der gegenwärtigen zionistischen Arbeit muss uns auch an den Ort binden, wo zum ersten Mal unsere Organisation entstand und sich entwickelte. Unser Volk hat schon in der verhältnismässig kurzen Zeit von sieben Jahren dieses Basel liebgewonnen und wir müssen diese Liebe ausnützen und fortentwickeln. Dort vernahm man zum ersten Mal nach 1900 Jahren, auf dem ersten Kongresse, offen vor der ganzen Welt, den Euf nach nv^ p Dort auf dein sechsten Kongresse vernahm man die letzten Worte des Schöpfers der zionistischen Organisation ■r^r nsrn "natr» es Mit einem Worte, Basel ist für uns in bezug auf Jerusalem dasselbe, was in der Sprache der Kabbalisten p b p n ups heisst, Gar keine Experimente unserer politisierenden Herren in bezug auf AVanderung des Kongresses, dürfen stattfinden (schon hört man sprechen, dass der Kongress nach Haag übersiedeln muss). Unser Experiment mit London war schon merkwürdig genug, und dort hatte man ja auch angeblich politische Interessen im Auge. Der einzige Platz, wohin der Kongress aus Basel übertragen werden kann und wohin wir alle gerne gehen werden, ist Jerusalem, und das wird geschehen, wenn dafür die Zeit gekommen sein wird. § 6. DerKon g r e s s w ä hlteingesc h ä f t sleitendes Präsidium aus der Mitte der Delegierten mit Ausna h m e der A.-O.-M i t g 1 i ede r. Es ist klar, dass das Präsidium des Kongresses, einer gesetzgebenden Körperschaft, nicht gleichzeitig aus Mitgliedern des ausübenden Organs, welches der ersteren Rechenschaft gibt und von derselben Instruktionen erhält, bestehen kann. § 7. Der Kongress wählt in geheimer Wahl ein aus 23 Mitgliedern bestehendes A.-C. Dieser Pargraph enthält drei Abänderungen: 1. Die Zahl der A.-C.-Mitglieder ist beständig 23; 2. Die Wahlen sind nicht offen, und 3. die Wahlen des A.-C. werden nicht nach Landsmannschaften, sondern aus dem allgemeinen Kongressbestande vorgenommen. Das A.-C. ist die administrative Körperschaft des Kongresses und es ist eine Fiktion, wenn es, wie jetzt, aus 50 Mitgliedern besteht, eine Zahl, welche mit der Vergrösserung der Organisation noch wachsen kann. Es ist infolgedessen unmöglich, eine schwerfällige Maschine oft einzuberufen. Es war unmöglich, vielen Mitgliedern des A.-C. Vertrauen zu schenken und mit etwas zu beauftragen, weil es Menschen waren, die niemand kennt, und die erst seit dem gestrigen Tage in der Bewegung aufgetreten sind. Und deshalb war das grosse A.-C. tatsächlich nur eine Dekoration und nicht immer eine schöne. Darum muss auch die Mitgliederzahl des Aktionskomitees verkleinert werden. In dasselbe müssen nur die Auserwählten, längst durch ihre langjährige Tätigkeit Empfohlenen hineinkommen und das A.-C. muss aufhören eine Fiktion zu sein und muss nicht nur de jure, sondern auch de facto der Administrator und Leiter der Bewegung werden. Diese Zahl aber kann andrerseits nicht ganz verkleinert werden, um nicht in eine kleine geschlossene Oligarchie zu verfallen, um nicht vielen nützlichen Elementen die Möglichkeit zu entziehen, im Zentrum der Bewegung intensiv arbeiten zu können. Ausserdem ist das A.-C. noch gleichzeitig der Aufsichtsrat der Bank, nach deren Statuten der Aufsichtsrat nicht weniger als 23 Mitglieder zählen darf. Ferner fordere ich, dass die Wahlen der A.-C.-Mitgiiecler unbedingt geheim vorgenommen werden müssen. Wir müssen davon überzeugt sein, dass die Mitglieder des A.-C. tatsächlich das Vertrauen der Mehrheit des Kongresses besitzen. Diese Ueberzeugung aber gewinnen wir nicht bei der alten Wahlmethode, wo das Wählen nur darin bestand, dass jemand von der Kongresstribüne eine ganze Reihe von Eigennamen verlas und im Kongresssaal sich in einemfort mehr oder minder laute Applaudissements vernehmen Hessen. Ich bin überzeugt, dass sich die Zusammensetzung des A.-C. bei geheimer Wahl stark verändern wird. Ferner schlage ich vor, die A.-C.-Mitglieder nicht nach Landsmannschaften^ sondern aus eßer allgemeinen Zusammensetzungder angesehensten und bestangeschriebensten Kräfte zu wählen. Das A.-C. lenkt und leitet die allgemein zionistische Zentralarbeit und nicht die Ortsangelegenheiten und deshalb hat der Wohnsitz der A.-C.-Mitglieder gar keine Bedeutung. Die Mitglieder des A.-C. müssen bekannt und ihre Parteistellung allen klar sein und nicht nur den Zionisten desjenigen Landes, wo der Betreffende wohnt, sondern auch den Zionisten der ganzen Welt, § 8. Die Mitglieder des A.-C. scheiden z u j e 1/ r> aus u n cl w erden durch neue ersetzt. Das erste und das zweite Drittel wer d e n z u m Ausscheiden ausgelost. Die Ausgeschiedenen können wiedergewählt w e rd e n, a b e r nicht auf demselben, sonder n erst a u f d e m. nächsten Kongresse. Mit diesem Paragraph will ich einfür allemal die Türen des A.-C. neuen frischen Kräften öffnen. Das A.-C. muss aufhören, der Hort für Inaktivität zu sein, was nur Routine und Verknöcherung mit sieh bringt. Das A.-C. muss etwas Lebendiges, sich Erneuerndes und sich'Aen-