Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 4 (27.1.1905)
- Date
- 1905-01-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Hedaktion und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Tölephon 14,199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. * Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—Vi 12 Uhr. ♦ Preise der Anzeigen : laut Aufliegendem Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern SO Heller. R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.- halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 Nr. 4. Wien, 27. Jänner 1905. — 21. Schebat 5665. 9, Jahrgang. ^bonnements-€inladung, Da mit Ende dieses Monats eine sehr grosse Anzahl von Abonnements abläuft, wird um rechtzeitige Erneuerung ersucht, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Wiederholt machen wir aufmerksam, dass Geldbeträge aus Russland <bis zu Rubel 100.—) am besten mit Postanweisung eingesendet werden können« A****y**<>»»g*ft*fty*i^ Nergeleien. Einige Herren, die zu den gegenwärtigen Fragen im Zionismus in diesem Blatte und anderwärts das Wort ergriffen, haben in einem Atem damit sehr wunderliche Bemerkungen gemacht. Man konnte hier- und dorther Wendungen. vorweisen, die, von Zionisten über den Stand unserer Bewegung gebraucht, letzterem ein keineswegs günstiges Zeugnis ausstellen. Es ist nun Zeit, diesen, schreienden Unrichtigkeiten die kurzen Beine energisch zu amputieren, bevor sie damit gefährliche Fortschritte gemacht 1 iahen. Denn es wäre mindestens töricht, zuzulassen, dass bei dem historischen Werke des Zionismus, woran hunderttausende Juden als an dem Denkmal der höchsten menschlichen Ideale arbeiten, durch den blinden Lärm einiger Schwachherziger Entmutigung oder gar eine Panik einrisse, Keineswegs ist es Aufgabe einer Parteipressc, als Scheinwerfer für falsches, aber günstiges Licht zu wirken. Vielmehr ist die Entschleierung der Wahrheit unter allen Umständen ein Gebot des Gewissens. Die vollste Möglichkeit der Kritik ist auch in jeder Partei das Zeichen von Lebensfähigkeit und Stärke, denn Kritik heisst das öffentliche Urteil. Der Zionismus ist nach gewohntem Herkommen der öffentlichen Meinung in. seinem ganzen Gange, seinen Zielen, lind seinen Einrichtungen ausgesetzt und seine Presse hat keine Ursache, in der Art dieser Politik eine Ausnahme zu machen. Weder in ihr noch sonst auf einer unserer nationalen Tribünen sind der Rede- und Gedankenfreiheit Schranken gesetzt. Das Bewusstsein der Ordnung und Kraft macht Ik^isseurkünste über Flüssig. Diesem idealen Vorgehen gegenüber ist aber jeder Kritiker und Berichterstatter verpflichtet, sein Urteil nur mit grösster Gewissenhaftigkeit abzugeben. Bisher haben uns nur die kleinen Geister getäuscht, die den Zionismus überhaupt anfeinden und die unser Mitleid durch ihr klägliches Hilfsmittel der Lüge hervorriefen. Nun aber hnhon sich gar eigene Anhänger gefunden, die unsere Erfolge mit launenhaften und ungeprüften Worten abträglich besprechen. Es ist ihnen zu wenig, was unsere Gefolgschaft an Masse und an Intelligenz bedeute!. Ihnen seien die Worte Schopenhauers ins Gedächtnis zurückgerufen: „Es gibt an sich weder etwas Gutes noch etwas Böses, unsere Augen machen es erst dazu/' Wo sie also schwarz sehen, sieht ein anderer noch lange besser und ein vorsichtiger und bescheidener Kritiker wird keine abschMessende Gäsarcnm ei innig abgeben. Es ist aber für gar niemanden auf der Welt möglich., im Zionismus schwarz zu seilen, wenn er überhaupt sehen will. Wert und Bedeutung unserer Bewegung haben in ihrem natürlichen Wachstum keinen Moment nachgelassen und die imposanten Ziffernkolonnen unserer Ausweise sind die schlagende Berichtigung, besser gesagt, Vernichtung gewisser kategorischer Aiissprücho. Immer mehr werden der Hände, die sich zu unserem ungeheuren Bruderbünde einander entgegenstrecken: der Zionismus schliesst immer mehr von den Juden und vom Judentum in sich ein, wie und wo sie sieh befinden, und bedeutet nach wie vor die erste Erhebung unseres g a n z e n Volkes mit e i n c m Willen und zu einem Ziele. Die Zionisten allein können im Judentum die stolze Behauptung aufstellen, dass eine Uebersieht über ihre Ausbreitung einer allgemeinen Geographie gleichkomme. Kein Land, beiderseits vom Aequator und rings um den Erdball., wo der Machtbereich unseres A.-G. aufhört. .Niemand vermochte noch auf Rückschritte in einem speziellen Kreise hinzuweisen und in ihrer Allgemeinheit liegt demnach die Verurteilung aller abfälligen Urteile. Der Zionismus hai breitere Schultern denn je und nichts von seiner Hohe ist entschwunden, die ihn jede Partei im Judentum riesenhaft überragen lässt.