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Die Welt · 1905-01-06 · 1 (6.1.1905) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
1 (6.1.1905)
Date
1905-01-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 „w* * weit11 Nr. 1 unseren zionistischen Blättern gewiss gerne Aufnahme finden, wie es ja in Wien, Berlin, London, Petersburg, Warschau und anderen Orten bereits geschieht. Ein ehrlicher Zionist hat es nicht nötig, für seine Vorschläge in nicht- oder quasizionistischen Blättern Reklame zu machen. Das ist ein Unfug, den wir gerade im Interesse unserer Organisation nicht scharf genug rügen können. Auch die Vorschläge: und Beschlüsse des grossen A.-C. werden in den zionistischen Blättern veröffentlicht und zur Diskussion gestellt werden. Wir hoffen, dass die Beratungen zu gutem Ende f üb reu und zur Lösung mancher schweren Präge beitragen werden. Jedenfalls werden die Beschlüsse oder Anträge des grossen A.-C. das Substrat für die Beratungen der Landesorganisationen und der zionistischen Verbände bilden. Möge die Liebe zu unserem Volke, die Begeisterung für unsere Sache bei diesen und allen folgenden Beratungen über alle Schwierigkeiten obsiegen, möge unsere Bewegung nach den schweren Zeiten des letzten Jahres wieder die frohe Schaffenskraft und grenzenlose Hingebung finden, die bisher ihren Erfolg verbürgt haben. Dr. W erne r. Präsenzliste der Sitzung des grossen A.-C. Dr. Bernstein-Koban, Charkow. Keehtsanwalt J. Jasinowsky, Warschau. Dr. Jelski, Lodz. Dr. M. Scheinkin, Balta. Dr. E. W. Tsehlenow, Moskau. Ing. M. Ussischkin, Jekaterinoslaw. S. Pineles, Galatz. Dr. Boclenheimer, Köln. Dr. S. Soskim Berlin. Professor Dr. 0. Warburs:, Berlin. D. Wolffsöhn, Köln. Dr. Alexander Marmorek, Paris. J. Cowen, London. L. J. Greenberg, London. Dr. Goldwasser, Krakau. A. Stand, Lemberg. Karl Resek, Prag. Dr. L. Kahn, Wien. Dr. 0. Kokeseh, Wien. Ing. J. Kremenezky, Wien. Arcli. 0. Marmorek, Wien. Der nächste Kongress» Das. grosse A.-C. hat bestimmt, dass der nächste Kongress Ende Juli oder anfangs August stattfinden solle. Dem erweiterten Wiener A.-C. (dem sogenannten Dreizehne rkomitee) wurde die Fixierung des genauen Datums überlassen. An den Kongress wird sich, unmittelbar ein zweiter ausserordentlicher Kongress anschliessend der über die Ugandafrage entscheiden wird. Die zukünftige Leitung der Bewegung. iL Bevor man einen politischen Fübrer wählt, muss man vor allen Dingen sein Programm kennen. Es ist nebensächlich., ob er in einem gemütlichen Milieu lebt oder einem steifen, ob er eine Sprache mit inländischem oder fremdem Akzent spricht, ob seine Umgebung seinen Bestrebungen freundlich oder feindlich gesinnt ist. Hauptsache ist und bleibt die Kenntnis seines Programms. Bis zum letzten Kongresse gab es bezüglich der wesentlichen Punkte unseres Program nies keine Meinungsverschiedenheit zwischen Führer und Geführten. Herzl wurde immer wieder und wieder zum Führer gewählt; nicht nur weil er der Fähigste war, sondern weil sein Programm unser aller Programm war. Am letzten Kongresse aber erfuhr der Zionismus durch die ugandistische Doktrin eine Erweiterung. Unter uganclistischer Doktrin oder kurz Ugandismus versteht man bekanntlich das gleichzeitige Streben nach zwei oder mehreren öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätten, von denen die eine Palästina sein muss. Seine praktische Verwertung fand der Ugandismus allerdings schon im Oktober 1902 anlässlich der gescheiterten Sinaiaktion. Schon damals unterhandelte Herzl mit der britischen und ägyptischen Regierung über einen Charter für einen Landstrich auf der Sinai-Halbinsel, wonach den Juden daselbst die Selbstverwaltung gewährleistet werden sollte. Die Verhandlungen über Uganda sind im Zuge. Es ist also die Möglichkeit.vorhanden, dass die künftige Leitung entweder einen rein zionistischen oder einen ugandistischen Kurs einschlagen wird. Insolange aber diese Frage nicht endgültig entschieden ist, soll das Prog r a m m de,r Leitung, nicht der Ort ihres Sitzes den Gegenstand unserer vorzüglichsten Aufmerksamkeit bilden. Es kann nicht oft genug betont werden, dass der Zionismus neben dem Ugandismus nicht bestehen kann, dass der Ugandismus faktisch die Negation des Zionismus bedeutet, dass der Ugandismus den Zionismus total vernichtet, und wird diesbezüglich auf die interessante Debatte am letzten Kongresse verwiesen. Insolange die Möglichkeit der Gründung des Judenstaates in Palästina nicht ausgeschlossen ist, ist jede andere territoriale Bestrebung a limine abzuweisen. Und prüft man die derzeitigen Chancen für die Erreichung unseres Zieles in Palästina, so sind sie zumindest nicht geringer als bisher. Den besten Beweis liefert die Eröffnungsrede Herzls am letzten Kongresse. Herzl sagte wörtlich: „Seitdem wir hier zum fünften Male beisammen waren, hatte ich neuerdings zweimal die Ehre, von Se. Majestät dem Sultan nach Konstantinopel berufen zu werden. Beide Male, im Februar wie im August 1902, blieben jedoch die Unterhandlungen resultatlos. Ich konnte mich selbstverständlich auf nichts einlassen, was mit unserem Baseler Programme nicht vereinbar gewesen wäre, insbesondere konnte eine zerstreute, zusammenhanglose Kolonisation in verschiedenen Teilen des türkischen Reiches unseren nationalen Bedürfnissen nicht genügen. Aus allen diesen beschwerlichen Verhandlungen ging nur hervor, dass S e. Majestät der Sultan dem jüdischen Volke andauernd eine freundliche Gf e s i n n u n g b e w a h. r t."' Seither hat sich nichts geändert. Ergo nach wie vor dieselben Chancen, ergo ist jede Programmänderung zu verwerfen. Es sind daher nur solche Männer an die Spitze der Bewegung zu stellen, die einen rein zionistischen Kurs einschlagen werden. Eine nicht minder wichtige Frage ist die Zusammensetzung der künftigen L <e ii t u n g. Betrachten wir einmal die bisherige Praxis bei der Wahl des engeren A.-C. und ihre Folgen für die Bewegung, Der Kongress legte bei der Wahl des engeren A.-C. auf die Person des Führers das grösste Gewicht. Um die anderen Mitglieder der Zentrale kümmerte man sich weniger. Die Augen der Wähler waren bei der Wahl der vier anderen Mitglieder ausschliesslich auf Wien als den Wohnsitz Herzls gerichtet. Andererseits suchten die Wähler bei dem Gewählten keine speziellen Fähigkeiten. Eun aber wird jeder Kenner unserer Bewegung zugeben müssen, dass die von der Zentrale zu bewältigende Arbeit enorm gross und ungeheuer kompliziert ist. Ein Mtan kann sie nicht bewältigen. Hierzu reichen die geistigen und physischen Fähigkeiten eines einzelnen nicht aus, auch wenn er das grösste Genie ist. Er muss Mitarbeiter haten. Jeder dieser Mitarbeiter muss aber für ein besonderes Arbeits-

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