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Die Welt · 1904-12-30 · 53 (30.12.1904) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
53 (30.12.1904)
Date
1904-12-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Tölephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration : Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—Vi!2 Uhr, Preise der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern 30 Neiler. Ro7lincnroicoa Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: l?C£liyo|JI CIOG« Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.— halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 Nr. 53. Wien, 30. Dezember 1904. —- 22. Tebeth 5665. 8t Jahrgang. Theodor Herzls Nachlass. Jetzt ist es endlich möglich, die grosse Fülle der Schriften zu übersehen, die sich in Th. Herzls Nachlass befinden. Abgesehen von der überaus interessanten Briefsammlung kann man zwei grosse Gruppen von Schriften unterscheiden, allgemein literarische und zionistische. Eine Anzahl Notizen, Einfälle, Kernsprüche, Beobachtungen werden sich als befruchtende Quelle für den schaffenden Künstler erweisen; einige druckfertige Arbeiten, z. B. zwei „Märchen", stammen aus der allerletzten Zeit. Die unveröffentlichten zionistischen Paeden und Essays werden zusammen mit den gedruckten Arbeiten zu einem Werke unter dem Titel: Theodor Herz ls Sämtliche Zionistische Schriften vereinigt. Dieses Werk wird von Prof. L. Kellner als von Th. Herzl testamentarisch bestelltem Herausgeber des literarischen Nachlasses mit kritischem Apparat herausgegeben werden. Eine Biographie Th. Herzls aus der Feder Dr. Max Nordaus wird sich an die „Sämtlichen Zionistischen Schriften" anreihen. Das Hauptwerk bleibt das „Tagebuch" (18 Bücher), das nicht nur die Geschichte von Th, Herzls zionistischer Tätigkeit vom Uranfang bis zu seinem Tode, sondern auch eine plastische Darstellung der unsere Zeit beherrschenden Persönlichkeiten enthält. Ueber die Fraje, ob und wie dieses „Tagebuch" zur Veröffentlichimg gelangen soll, sind derzeit keine Beschlüsse gefasst worden; Die Politik der Judenkrawalle in Russland früher und jetzt. Die erschütternden Ereignisse des Sommers 1903 sind noch kaum dem Gedächtnisse der zivilisierten Menschheit entschwunden, Ueber die schändliehen Greueltaten von Kischinew ist durch die stattgefimdeneii Gerichtsverhandlungen trotz Ausschluss der Oeffentliehkeit ein genügend klares Lieht verbreitetworden. Mit handgreiflicher Klarheit sind die eigentlichen Urheber dieser tragischen. Geschehnisse ans Tageslicht der Oeffentliehkeit; gefördert worden. Als Fürst S wi a t o p o 1 k - Mir s k y Müusler wurde, huldigte man in jüdischen Kreisen allgemein der Ueberzeugung, dass von nun ab eine Wiederholung der. vorjährigen Schandtaten unmöglich sei und dieselben un widerruflich ins Gebiet der geschichtlichen, Vergangenheit: hineingeboren, weil mit diesem Manne wegen seines humanen, korrekten und rechtschaffenen Charakters ein neuer Kurs eines freiheitlichen Eegienuigssystems bunden schien. Und welchem Ausbruch von rauschendem Enthusiasmus hat diese neue Aera hd Juden begegnet! In den Synagogen vieler Orte wurden Gottesdienste für das Wohl des Fürsten abgehalten; in unendlicher Zahl sind von jüdischen Gemeinden an den Fürsten telegraphische Beglückwünschungen und (Gratulationsadressen abgeschickt worden. Die Wilnaer Gemeinde delegierte eine Deputation, die dem Fürsten eine Thorarolle überreicht und Stipendien auf den Kamen des Fürsten errichtet hat. Der Fürst selbst sprach von einem allmählichen Aufheben sämtlicher Ausnahmegesetze gegen die Juden und versprach volle Gerechtigkeit und gründliche ".Berücksichtigung der jüdischen Bedürfnisse. Desto erschütternder und gänzlich unerwartet klang die Kunde von den neuen Krawallen in Smicla und Eowna (am 22, August) und Sosnowice (am 30. August). Xocli unerklärlicher war die weitere Fortsetzung dieser tragischen Ereignisse in einer fast endlosen Reihe von jüdischen Gemeinden. Die Heftigkeit des Auftretens des Pöbels in manchen Orten erinnerte stark an die mustergültigen Tage von Kischinew und Hornel. Solche grauenerregende Tragödien spielten sich in Alexandria (Gouv. Bkaterinoslaw Verden

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