Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1904-12-23 · 52 (23.12.1904) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
52 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316073-3316126--46429-3341282
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 52 „bie # W^li" Seite 13 von Herrn Rabbinatskandidaten Grüriwald Jenö aus Sopron vorgetragene zionistische Gedichte: „Titus Ive" von Radö Antal und „Zion" von Siegmund Feld lebhaften Beifall. Ueberdies gefielen die Vorträge der Herren Lehrer Herrmann und Edmund Bauer. Nach Schluss des offiziellen Programmes blieb man bei Tanz bis früh beisammen. Allgemeines Lob. Idee der Makkabäerfeier eingebürgert. Personalnachrichten. Am 25. v, M. fand die Promotion des Mitgliedes der „Bar Giora" Lazar Stern zum Doktor der Medizin an der Wiener Universität statt — Gg. Michael Ringel, Mitglied des akademischen Vereines „Veritas" in Stryj, wird Freitag den 23. d. M. an der Universität in Wien zum Doktor der Rechte promoviert. Todesfälle. Mittwoch den 14. d. M. starb hier in Wien der Sekretariatsbeamte der Kultusgemeinde Herr Jakob Zollschan. Das Leichenbegängnis hat Freitag den 16. d. M. stattgefunden. Der Verblichene war ein begeisterter Anhänger der zionistischen Idee. Bei dem Leichenbegängnisse waren viele Vorsteher der Kultusgemeinde, an der Spitze Herr Präsident Dr. Alfred Stern und ein grosser Teil des Beamtenkörpers anwesend. Auf Wunsch der Familie des Verstorbenen ist die Mitwirkung eines Rabbiners und Kantors an dem Leichenbegängnisse unterblieben. Am Grabe hielt der Beamte J. Braun im Namen der Kollegen des Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. Ehre seinem Anderken! — Der Verein „Zion" in Petrikau beklagt den herben Verlust seines langjährigen Kassiers und eifrigen Agitators Herrn Josef Lewkowitsch, der am achten Tage Chanuka nach kurzem, aber schwerem Leiden mitten im Kampfe für das Wohl seines Volkes und des zionistischen Ideals, dem kein Opfer zu schwer war, sanft im 54. Lebensjahre verschied. Der Verstorbene erfreute sich allgemeiner Achtung, wovon das am Sonntag stattgefundene Leichenbegängnis beredtes Zeugnis ablegte. Ehre seinem Andenken! Zeitschriften - Rundschau. Jüdische Turnzeitung., Oktober-Novemberheft 1904. Das soeben erschienene Doppelheft der „Jüdischen Turnzeitung", die von jetzt an im „Jüdischen Verlag" erscheint, enthält folgende Beiträge: In dem „Ein Angriff aus der,DeutschenTurnerschafttu betitelten Leitartikel wird die Stellung der jüdischen Turnvereine zum deutschen Turnerbund auseinandergesetzt und dargetan, dass die positiven Aufgaben der jüdischen Turnbewegung (deren kultureller Wert, insbesondere für das osteuropäische Judentum, noch immer nicht genug gewürdigt wird) die Interessensphäre der „deutschen" Turnvereine nicht berühren und dass demnach kein Anlass vorliegt, das Verhältnis beider Organisationsgiuppen anders als freundnachbarlich zu gestalten. Sodann schildert Dr. Ludwig Wem er-Wien den grossen, propagandistischen Nutzen der „Jüdischen Schauturnen*, gelangt aber aus der Erwägung, dass die erforderliche innere Festigung der Vereine unter der allzuhäufigen Veranstaltung solcher Schauturnen stark zu leiden habe, zu dem Resultate, in Zukunft seltener turnerische Schaustellungen vorzuführen. Einem die Aufgaben der Jüdischen Turnerschaft, des Verbandes der jüdischen Turnvereine behandelnden lehrreichen Aufsatz von Julius Berger-Köln folgt ein hochinteressanter Artikel des bekannten Dr. Franz öppenheimer über „Sport". Der vom Standpunkt des Nationalökonomen und Mediziners aus geschriebe Aufsatz ist von geradezu grundlegender Bedeutung und verdient auch schon wegen der geistvollen Art der Darstellung weiteste Beachtung. Ueber eine im Auftrage der „Jüdischen Turnerschaft" nach Westdeutschland unternommene Propagandareise berichtet der Redakteur der Zeitschrift. Der Artikel zeigt, dass die jungjüdische Turnbewegung rührig bei ihrer Arbeit ist. Es folgt sodann ein „Einblick in die Entstehungsgeschichte der Turngeräte" aus der Feder des in Fachkreisen wohlbekannten Wettturners Alfred Flatow (erster Sieger auf dem deutschen Turnfeste in Hamburg). Eine Reihe von Berichten über die Tätigkeit der einzelnen Vereine, Bücherbesprechungen, Notizen und endlich turnerische Uebungsgruppen bilden den Schluss des 48 Seiten starken Heftes. Das Heft ist zu Propagandazwecken in grösserer Auflage hergestellt worden, Propagandahefte werden gratis und franko versandt Das Jahresabonnement auf die „Jüdische Turnzeitung (Charlottenburg, Herderstrasse 3—4) beträgt 3 Mark und kann bei der Reichhaltigkeit und der Eigenart dieser Zeitschrift nur empfohlen werden. Unsere Hoffnung. Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend, I. Jahrgang, Nr. 9. Wenn auch H e r z 1 in seinen Begleitzeilen für diese Zeitschrift erklärte, dass es keine dankbarere Aufgabe gäbe, als die Jugend zu einem ideale zu erziehen, so gehen doch die Ansichten über die Wege, welche zu diesem Ziele führen, auseinander. Das eine aber steht fest; dass die Erziehung unserer Jugend eine jüdische sein muss, das Ziel „Zion und der Ausdruck dieses Zielbewus s tseins das Baseler Programm" ist. Im vorliegenden Hefte werden die Leser sowohl mit den theoretischen als auch praktischen Problemen der Erziehungsfrage in dem Aufzatze „Zur E r z i e h u n g s f r a g eB bekannt gemacht. Und die einzelnen Beiträge der Zeitschrift selbst bieten in ihrer Mannigfaltigkeit die besten Anregungen für eine nationaljüdische Erziehung, indem sie bald unsere Aufgaben für die Gegenwart auseinandersetzen, bald durch Bilder aus der Vergangenheit der Jugend Beispiele zur Nacheiferung geben. Niemand wird sich dem Reize, den „Das Fest des Lichtes" von M. Heues in seiner originellen, mit modernen Anschauungen durchsetzten Auffassung ausstrahlt, entziehen können. Für uns ist Chanuka mehr als eine historische Erinnerung. Für uns ist es gleichsam ein Mahnruf zu nationaler Einigkeit, „ zur Reinigung unseres Heiligtums", woraus die Erlösung spriesst. „Drum darfst du, Jude, Sklav, nicht sein, Du hattest Makkabäer!" Wie rührend ist der offene Brief von Adolf Stand den er an Herzls einzigen Sohn Hans richtet! Aber vom Individuellen erhebt sich der Gedanke zur Allgemeinheit Der Brief ist an die gesamte jüdische Jugend gerichtet „Erkenne deinen Vater" bedeutet „Erkenne dein Volk!" Rabbiner Dante A. Lattes gelangt in seinem Essay „Die jüdische Nation" zur Schlussfolgerung, dass sowohl rtie Wissenschaft als auch die geschichtliche Entwicklung unserer Jugend befehlen, die Existenz ihrer Nationalität mit der ganzen Energie ihrer jugendlichen Tatkraft zu verteidigen und die Eigentümlichkeiten ihrer Volksgemeinschaft zu wahren. Als nationaler Held wird „Moses H e s s" von J. Meist gefeiert. Nicht nur als hervorragender Gelehrter, sondern vor allem als ein durch und durch national gesinnter Mann in einer Blüteperiode der Assimilation, ein Mann, der durch sein Werk „Rom und Jerusalem* auf den Entwicklungsgang des modernen jüdischen Nationalgedankens einen mächtigen Einfluss geübt hat. Ueber „Jargon" schreibt in fesselnder Weise H. Bergmann. Er führt aus, dass nur der Kenner des Jüdischen sein Volk verstehen könne. Als Chanukafestnummer bringt „Unsere Hoffnung" Lyrischesund Novellistisches in grosser Menge. Von Lyrik finden wir ein stimmungsvolles Poem „Chanuka" von Artur Freud, in Skizzenform „Ein Schlafmittel". Etwas historische Philosophie über Chanuka aus dem Jüdischen des A. L. Lewinsky (Odessa) von J. L i n, ferner vom trefflichen J. L. P e r e z, „Das Chan ukawunder" in einer einwandfreien Uebersetzung von L. G o 1 d h a m?m e r. Was die Belletristik allgemeineren Charakters anbelangt, wird uns eine Fülle von Uebersetzungen aus dem Jüdischen geboten und dadurch auf die grosse Literatur des Ostens hingewiesen. „Was der Mond erzählt" und „Phantasie* von Perez, ferner „Rjabtschtk", eine nachdenkliche Geschichte eines Hundes von Scholem Ale ehern, dem Mark Twain des Jüdischen, sind wahre Perlen stimmungsvoller Kleinkunst. Einen fruchtbaren Gedanken birgt M. Nachers „Der Künstler." Ganz besonders will ich die geistreichen Beiträge des Jargon Schriftstellers Abraham Reisen hervorheben. Nicht zu übersehen ist der „Jüdische Humor", Volkserzählungen von den Chelmern, den jüdischen Schildbürgern. In den breiten Schichten des jüdischen Volkes steckt eine Fülle vom gesunden Humor, der den Vergleich mit anderen Völkern nicht zu scheuen braucht. Die „ BücherschauK fuhrt uns den Alten Prager Judenfriedhof von Dr. Jerabek, eine Auswahl neuer deutscher Lyrik von Dr. Löwenberg und N Ossigs Drama „Die Tragödie des Gedankens" vor. Die Rundschau hält die Leser betreff der Literatur, Kunst und Musik auf dem laufenden» Wir vermissen gute Uebersetzungen aus dem Hebräischen und die längst versprochenen Beilagen hebräischer Unterrichtsbriefe. Es wäre längst an der Zeit, dass der Verlag „Tuschjah" sich mit der Redaktion „Unserer Hoffnung" ins Einvernehmen setzte, um ein wichtiges Unternehmen zu fördern. Hoffentlich wird dieser Wunsch aller Interessenten möglichst bald in Erfüllung gehen. Posi.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.