Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1904-12-23 · 52 (23.12.1904) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
52 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316073-3316126--46426-3341279
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite iO „bie * w^t" Nr. 52 Frau Bertha Goldschmidt, geb. Lissauer, gest. am 5. EUul 5655, von ihrem Sohne Moritz Goldschmid in Hamburg, anlässlich seioer am 29. November 1904 stattg-fundenen Hochzpit .........Mark 205.-— Zion, Ortsgruppe in Gross-Strelitz..... „ 215.— f\as der fte&egung. Gedenket des Schäkels! Voranzeigen. Wien. Der Jüdische Männergesangverein „Schir Zion" hält jeden Mittwoch von 8—9 Uhr abends seine wöchentlichen Gesangsübungen im Vereinslokale, IX., Türkenstrass* 9, ab und werden Neuaomeldungen stets vor Beginn der Uebung entgegengenommen. Schriftliche Auskünfte erteilt bereitwilligst der Schriftführer Wilhelm David, IX., Porzellangasse 22 a. Wien. Verein zionistischer Hochschüler „ Theodor Herzl". Samstag den 24. Dezember im Vereinslokale (IL, Untere Augartenstrasse la) Vortrag des Gesinnungsgenossen E. Obernik über „Die jüdische Arbeiterbewegung". — Die wöchentlichen Kurse sind folgendermassen angesetzt: Dienstag: Unterer Hebräischkurs, Mittwoch: Hebräischer Konversationskurs (Leiter Herr B. Lifschitz aus Pethach- Tikwah), Donnerstag: Jüdische Geschichte. — Die übrigen Vorträge sind zwei-und dreiwöchentlich. Anfang sämtlicher Kurse 7Va Uhr abends. Gäste aus allen Kreisen herzlich willkommen. Wien. („Poale Zion".) Samstag den 24. Dezember Versammlung im Restaurant Breuer, II., Kleine Schiffgasse Nr. 22. Referat über die Poale Zion-Bewegung in Galizien von Gg. Kaplan. Gäste herzlichst willkommen. Beginn 8 Uhr. Schluss halb 10 Uhr abends. Wien. Der „Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter Wien" veranstaltet Sonntag den 25. d. M. einen Vortragsabend im Kongressbureau, IX., Türkenstrasse 9. Refereet und Thema vorbehalten. Beginn präzise 6 Uhr. Gäste willkommen. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria".) Sonntag den 25. d. M. wird jur. Herr Fritz Löhn er über das Thema: „Zar Mission der Zionistintt einen Vortrag halten. Beginn 3l/2 Uhr nachmittags im Kongresssaale IX., Türkenstrasse 9. Gäste herzlich willkommen. Ungarisch-Brod. Die jüdisch-akademische Ferialverbindung „Achiwa" in Ungarisch-Eradisch begeht Dienstag den 27. Dezember d. J. in den Gasthauslokalitäten des Herrn Ad. Klein in Ungarisch-Brod ihre Makabäerfeier. Beginn 1ji8 Uhr abends. Bielitz. Der Bielitz-Bialaer Jüdische Turnverein begeht Samstag den 31. Dezember 1904 in den Saallokalitäten des „Schwarzen Adler" in Biala sein sechstes Stifiungsfest. Militärmupik. Karten bei Herrn M. Goldwurm, Optisches Geschäft, Schlossbasar. Berichte« Köln, 12. Dezember. Ueber die Frankfurter Konferenz in der Auswanderungsfrage berichteten Samstag abends im Alten Präsidium vor zahlreicher Zuhörerschaft unsere verdienten Führer Dr. Bodenheimer und D. Wolffsohn, welche in dieser ihrer Eigenschaft an der Tagung teilgenommen haben. Herr Wolffsohn gewann durch eine kurze Darstellung der mangelhaft organisierten jüdischen Wohltätigkeit und andrerseits der Entwicklung der zionistischen Idee den rechten Massstab, um daran die Frankfurter Beratung in ihrer geschichtlichen Bedeutung zu messen. Sie ist der erste Schritt auf dem Wege, die Judenwanderung als wesentlichstes Element der Judenfrage überhaupt zu erfassen, und zugleich die erste von der Gesamtjudenheit verwirklichte Bekämpfung der unabsehbaren Gefahr, die ihr durch die jetzige ungezügelte Wanderung der östlichen Juden und deren Folgeerscheinungen, die Regierungsmassnahmen der Einwanderungsländer, zu erwachsen droht. Wenn auch unbewusst und ungewollt, entfaltet die Konferenz und der Beschluss ihres regelmässigen Zusammentrittes die Anerkennung eines grundlegenden zionistischen Gedankens. Als Symptom dafür, dass leitende jüdische Kreise aber auch mit vollem Bewustsein dem Zionismus eine gerechtere und verständnisvollere Würdigung zuteil werden lassen als ehemals, betonte der Redner ausser der an die Zionisten offiziell gerichteten Einladung und der Wahl Dr. Bodenheimers in das Komitee auch den Trinkepruch, den der Frankfurter Oberrabbiner Dr. Horovitz bei dem den Besprechungen folgenden Bankett unter dem Beifalle der Anwesenden auf die zionistische Bewegung und die gemeinsame Arbeit ausgebracht hat. Der ehemalige Primarius der Protestrabbiner habe zwar durch den Vergleich mit Josefs Traum den Zionismus wohl nicht verherrlichen wollen, aber Worte wärmster Anerkennung gefunden für den zionistischen Erfolg der Erweckung eines neuen jüdischen Ideals in der Jugend, und er habe dem Zionismus ein Blühen, Wachsen und Gedeihen gewünscht. Die auf die Rede des Herrn Oberrabbiners gebührende Antwort zu erteilen, dass Josefs Traum bekanntlich zur Wirklichkeit geworden sei, habe er, Redner, willkommene Gelegenheit auf dun Bankette gefunden, welches die Fiai kfurter zionistische Ortsgruppe zu Ehren ihrer zu der Konferenz eingetroffenen Gesinnungsgenossen mit bestem Gelingen veranstaltet habe. Herr Dr. Bodenheimer ergänzte in fesselnder Weise diese nach dem Inhaltewie in der Gestaltung vortrefflichen Ausführungen. Er knüpfte an die Erscheinung au, dass sich in der Natur je nach der Höhe des Organismus des angegriffenen Wesens die Abwehr drohender Angrifft? vom unbewussten Mimikri zur zielbewussten Bekämpfung steigert. Die Gründungen der grossen Wohltätigkeitsverbände, beispielsweise der Allianz als unmittelbarer Reaktion auf das Blutbad von Damaskus, und die Beschäftigung mit jüdischer Geschichte und Literatur seien Abwehrmassnahmen mehr instinktiver Art gewesen. Ihre in Frankfurt begonnene Umsetzung in eine planvollere gesamijüdische Verteidigung begrüsste der Redner als Anzeichen höherer organischer Entwicklung des Volkskörpers. Notgedrungen werde man auch die Landfrage in den ihr bisher fernstehenden Kreisen nun bald aufrollen müssen* Stelle sich diese Erkenntnis als Folge nüchternen Nachdenkens im stillen Kämmerlein ein, so sei damit mehr gewonnen als mit einer noch so überzeugenden vorzeitigen Erörterung von zionistischer Seite. Die Frage sei aber auch jetzt schon von Sokolow in seiner bekannten geistvollen Weise berührt worden. Bei der Heranziehung der Vertreter des Zionismus zur Mitarbeit sei übrigens zweifellos auch die rein praktische Erwägung massgebend gewesen, dass der Zionismus allein schon heute eine die jüdischen Massen umspannende Organisation geschaffen habe, die in den Dienst der in Berlin gegründeten Auswanderungszentrale gestellt werden könne. Nach einem Hinweise auf die in diesen Tagen gefeierte glorreiche Erhebung des jüdischen Volkes unter den Makkabä*>rn schloss Dr. Bodenheimer mit einem warmen Aufrufe, durch Mitarbeit an der Verwirklichung des zionistischen Programms das jüdische Volk von neuem der Freiheit entgegenzuführen. Die Diskussion musste wegen vorgerückter Zeit verschoben werden. Die Wirkung der ausgezeichneten Reden fand in dem gespendeten lebhaften Beifall, den erfolgten Beitrittserklärungen und einer Nationalfondssammlung ihren äusseren Ausdruck. Wien. Sonntag den 20. November fand im Hotel Central vor einem zahlreichen Publikum der erste jüdische Abend statt. Der Zweck der Veranstaltung, die ostjüdische Volkssprache (Jargon) durch Vortrag seiner Kunst und Dichtung den westjüdischen Kreisen zugänglich zu machen, scheint in glänzender Weise erreicht. Es mögen viele gewesen sein, die den Jargon nicht verstanden, gewürdigt haben sie ihn alle. Man war gewohnt, den Jargon als Ausdruck der plattesten Albernheiten, der schmutzigsten Zoten anzusehen, jetzt haben ihn viele als den Pulsschlag unseres Volkslebens, den Spiegel der Volksseele erkannt. Nach einer kurzen Eröffnungsansprache des Herrn Bernhard Tag verlas Herr Mathias A c h e r ein geistvolles Referat „über die Sprachen des jüdischen Volkes". Er wies dem Jargon den Ehrenplatz in unserer Literatur an, bewies mit scharfsinnigen Worten den engen Zusammenhang zwischen dem Volk und seiner Sprache, rechtfertigte seine Existenzberechtigung und versprach eine glänzende Zukunft. Den besten Beweis lieferten die zum Vortrag gebrachten Gedichte von Reisen, Frug und Rosenfeld sowie die prächtigen Erzählungen von Perez und der köstliche Humor des Schalom -Aleiehem. Die Rezitation besorgten in liebenswürdiger Weise die Herren tech. Rosenblatt („Bar-Kochba"), jur. Goldhammer und theol. Schapira (Verein .Theodor Herzl"), med. Marschow und med. Saidis (Verein „Leo Pinsker"). Das Publikum spendete allen Darbietungen lebhaften Beifall und akklamierte den anwesenden hochbegabten Lyriker

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.