Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 50 (9.12.1904)
- Date
- 1904-12-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 56 „bi* * W$li" Seite 11 1. Dass die einzelnen Länder Vorsorge treffen, damit die osteuropäische Auswanderung von Land zu Land überwacht werde; 2. dass ein spezielles Bureau mit dem Sitze in Berlin für Informationszwecke gebildet wird. Die daselbst eingehenden Informationen werden den zuständigen Komitees zur Verfügung gestellt; die Organisationen behalten das Rocht der unmittelbaren Einziehung der Information. Das Bureau in Berlin wird seitens des „Hilfsvereins der deutschen Juden'* und der „Grossloge U. 0. B. B." für Deutschland ins Leben gerufen; dass periodische Konferenzen zur Behandlung der östlichen Emigrationsfragen zusammentreten. Die Einberufung steht dem Vorsitzenden des Berliner Bureaus für Informationszwecke zu, oder sie findet statt auf Antrag einer der grossen jüdischen Wohlfahrtsorganisationen. Nach Annahme dieser Resolution, die fast einstimmig von der Versammlung gebilligt wurde, ging man zur Erörterung von Detailfragen, der Lage einzelner Länder und Städte über. Das Ergebnis dieser Debatten lässt sich kurz in folgender Weise zusammenfassen: Da die Auswanderung infolge starker Ansammlungen in den Grossstädten Englands und infolge der vielfach traurigen Lage des jüdischen Proletariats in Amerika keine Aussicht auf eine Linderung der Not bietet, so erklärten sich die verschiedenen Organisationen bereit, zur Besserung der Lage der osteuropäischen Juden in deren Heimatländern nach allen Richtungen, insbesondere auch durch die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten entsprechend den Landesgesetzen helfend beizutragen. Der Vorsitzende Herr James Simon schloss mit Danke sworten die durchaus harmonisch verlaufene Versammlung mit dem Ausdruck der Hoffnung, dass die gefassten Beschlüsse zum Segen der Glaubensgenossen gereichen mögen. * * * Von Zionisten waren zur Konferenz gekommen: Als Vertreter des A.-C.: 0. M a rmore k, Dr. M. Bodenh.e im e r, Dr. S. W emc r. Als Vertreter des J. C. Trust D. W o 1 f f s o h n. Ferner: Dr. Katzenelsohn, Dr. A. K1 e e, Dr. M o s e s (Mannheim), Posen (Frankfurt), Direktor M eyer und Bollag-Feuch t w a n g e r (Basel), Dr. A d 1 e r (Lübeck), L u 1> a r s k y und noch andere. Von Wichtigkeit war die Anwesenheit N. Sokolows (Warschau). * * * Namens deszionistischen A.-0-. gab Architekt O. Marmorek folgende Erklärung ab: „lieber unsere Beteiligung an dieser Konferenz scheinen mamnigfachei Anschauungen und Befürchtungen obzuwalten. Diesen gegenüber will ich konstatieren, dass die Befürchtungen grundlos waren, die dahin gingen, dass wir Zionisten die Konferenz zu propagandistischen Zwecken benützen würden. Wir sind hergekommen, weil überall dort, wo es gilt, die Interessen unseres Volkes wahrzunehmen, wir nicht fehlen zu dürfen glauben. Die Frage der Emigration ist gegenwärtig die vitalste für unser Volk. Wir wollen mittun, wo es gilt, den durch den Drang der Verhältnisse hinausgejagten Teilen unseres Volkes eine, wenn auch noch so kleine Hilfe zu bringen, wenn wir auch über die Situation ganz andere Anschauungen haben und die Hilfe in ganz anderer Art bringen möchten. Gilt es doch, gesunde Volkskraft der Zukunft unseres Stammes zu erhalten. Wir haben unsere Mitarbeit ganz vorbehaltlos zur Verfügimg gestellt und werden nicht zögern, wenn Sie sich zu einer Hilfsaktion zusammentun, die ein gutes Resultat verspricht, unserem Kongresse vorzuschlagen, dass unsere Organisationen sich in den Dienst der guten Sache stellen. Als unser Gesinnungsgenosse Direktor Meyer aus Basel hier erzählte, dass in der Schweiz die zionistischen Organisationen die einzigen sind, welche für die Auswanderung etwas bieten, und daran den Vorschlag knüpfte, Sie mögen die ganze Arbeit den zionistischen Organisationen übertragen, wurde dieser Vorschlag von einer Seite dieser Versammlung belächelt. Allein, meine Herren, eine Organisation schaffen, ist keine leichte Sache. Wir können das aus Erfahrung sagen. Aber mit all dem Oelde, das Ihnen zur Verfügung stehen soll, werden Sie nicht so leicht eine Organisation wie die unselige schaffen können; denn unsere Organisation ist aus dem Volke entstanden und geniesst das Vertrauen des Volkes, ist volkstümlich. Es fällt mir aber nicht ein, uns Ihnen aufzudrängen. Sie werdefi jedoch diet Zionisten insbesondere in Russland nicht umgehen können; denn ein grosser Teil derer, die sich um jüdische Angelegenheiten überhaupt kümmern, sind doch unsere Gesinnungsgenossen, sind Zionisten. Wir stellen an unsere Mitarbeit keine Anforderung als die, unseren unglücklichsten Brüdern dienlich sein zu können. Diese Erklärung wurde von der ganzen Versammlung sehr freundlich aufgenommen. Die Stimmung für den Zionismus erwärmte sich ganz merklich, was seinen Ausdruck fand in einem Toast auf den Zionismus, den einer der ersten deutschen Protestrabbiner, Dr. II o r o w i t z (Frankfurt), beim Bankette des Abends unter lebhaftem Heifall der Versammlung ausbrachte. de* JSe\fregüi)£. Gedenket des Schakals! Voranzeigen. Wien. Der „I. zionistische Frauen verein" hält Samstag den 10. d. M. eine Versammlung im Kongressbureau, IX., Türkenstrasse 9 ab, wobei Herr Lektor Friedmann über das Thema „Jakob und Laban, zwei biblische Charaktere" sprechen wird. Anfang des Vortrages präzise 8 Uhr abends. Gäste, Damen wie Herren, herzlichst willkommen. Wien. (Literarischer Verein jüdischer Mädchen „Moria*.) Sonntag den 11. d. M. wird Schriftsteller Herr Heinrich Glücks mann einen Vortrag über das Thema: „Bas Judentum in der lyrischen Poesie" halten. Beginn präzise 3^2 U&r nachmittags im Kongressbureau IX.. Türkenstrasse 9. Gäste herzlich willkommen. Wien. („Poalei Ziona.) Samstag den 10. November, 7,8 Uhr abends, findet im Kongressbureau eine Vereinsversammlung statt. Tagesordnung: Bericht über die Kultuswahlen, Eeferent Dr. S. Krenberger. Diskussion. Gäste willkommen. Wien. (Jüdischer Sport- und Geselligkeitsverein.) Die diesjährige Plenarversammlung fand am 29. November statt. Die Vereinsleitung, bestehend aus den Herren Dr. Moriz Münk, Eugen Hauser, Julius Münk, Rudolf Tandler und Fritz Gutfreund, wurde einhellig wiedergewählt. Fechtübungen jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag im Vereinslokale IL, Praterstrasse, 34 von 6—8 Uhr abends. Sadagöra. Der Frauen- und Mädchenverein „Hadassa" und der jüd.-nat. Verein „Zionu in Sadagöra veranstalten gemeinsam am Samstag den 10. Dezember im Schmatn i k sehen Saale eine Makkabäerfeier, verbunden mit musikalisch-deklamatorischen Vorträgen. Berichte« Triest. Vor vielen Zuhörern hielt Se. Ehrwürden der Oberrabbiner von Florenz Herr Margulies einen schwungvollen Vortrag über unsere Bewegung, worin er seine Unterredung mit Sr. Majestät dem König von Italien wiedergab, in welcher er den Empfang unseres leider verstorbenen Führers vorbereitete. Mit Freude und Genugtuung entnahmen wir seiner Rede, dass nunmehr die Schranken der Vorurteile auch in den höheren Kreisen verschwunden sind und nur die Arbeit einzig und allein unsere Aufgabe und Pflicht bildet. Zu unerschütterlicher Arbeit und zu kein Zagen kennendem Mute forderte er uns auf, denn nur so kann unser Bestreben sicher das heilige Ziel für uns alle er-