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Die Welt · 1904-12-02 · 49 (2.12.1904) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
49 (2.12.1904)
Date
1904-12-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4SH flbie # Werf* Seite 9 Petersburg. Die „Jaschnija Sapiski", das Organ der südrussischen Professoren, widmetden sich in erschreckender Progression mehrenden Exzessen gegen die Juden einen längeren Artikel, in welchem die Rechtlosigkeit der Juden in Russland als die einzige Ursache der ununterbrochenen Exzesse gegen die Juden bezeichnet und von der russischen Intelligenz verlangt wird, diesem Zustande der Rechtlosigkeit der Juden so bald als möglich ein Ende zu machen. Das Blatt schildert gleichzeitig das Elend der Juden im Niederlassungsgebiete und konstatiert, dass dieses Elend Steine erweichen müsste. Petersburg. Der in Petersburg weilende Direktor der „Ica", S. Sonnenfeld, hat alle jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen in Petersburg besucht und sich hierauf dem russischen Minister des Innern Fürsten Swjatopolk-Minky vorgestellt. Sonnenfeld unterbreitete dem Minister die neuesten Daten über die Tätigkeit der „Ica" in Petersburg und versprach, die Erweiterung dieser Tätigkeit nach Möglichkeit zu fördern. Gegenwärtig weilt Direktor Sonnenfeld in Dubrowna, wo er die jüdischen Talleswebereien besichtigt. Von dort begibt er sich zur Visitation der jüdischen landwirtschaftlichen Schule nach Nowopoltawka und hierauf zur Besichtigung der Professionsschulen in Kischenew und Odessa. Odessa. Der neuernannte Oberkommandierende der dritten Mandschureiarmee, Baron Kaulbars, empfing dieser Tage eine Abordnung der Vertreter der jüdischen Gemeinden, welche ihm eine kostbare Thorarolle überbrachten und ihm gleichzeitig den Dank der Gemeinden für das den Juden stets bekundete Wohlwollen ausdrückte. Baron Kaulbars war von der Huldigung der Juden sehr gerührt und richtete an die Deputation, wie die deutsche „Odesaaer Zeitung" meldet, foigende Ansprache: „Ich bin Ihnen für die schmeichelhaften Glückwünsche sehr dankbar. Ihre Worte beziehe ich nicht persönlich auf mich als den General Kaulbars, sondern als auf den General der russischen Armee, den Seine Majestät der Kaiser an ein verantwortungsvolles historisches Werk sendet. Ich bin überzeugt, dass ihre Worte nur ausdrücken, was Ihr Herz empfindet. Ihre Herzen wünschen ohne Zweifel Glück und Erfolg der russischen Armee. Für unser Vaterland ist ein kritischer Moment eingetreten und sämtliche Nationalitäten erstreben, wie ein Mann, mit Verstand und Gemüt, nur ein Ziel, das Wohl des allgemeinen Vaterlandes. In diesem Falle überzeugen mich Ihre Worte, dass Sie in dem Streben nach dem Ruhme Russlands und des Kaisers einig sind. Ich bete zu Gott, dass von solchen Gefühlen der Gemeinsamkeit und Solidarität stets die Herzen sämtlicher russischer Untertanen erfüllt würden. Und wenn sich meine Hoffnungen in der Tat verwirklichen, so bin ich überzeugt, dass nach Beerdigung des Krieges der bemerkte Unterschied verschwinden werde. Dazu ist jedoch eines erforderlieh : dass alle von der wahren Liebe zum Vaterland und zu dessen Aufgaben erfüllt seien." Odessa. Die Umgestaltung der jüdischen Kolonien in den Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw, weiche mit dem 1. Jänner 1905 in die Verwaltung des Ministeriums des Innern übergehen, hat nun begonnen. Aus den jüdischen Kolonien werden nun Bauerngemeinden gebildet nach dem Muster der deutschen Kolonien in Südrussland. Behufs Feststellung aller Einzelheiten dieser Reorganisation findet dieser Tage unter dem Vorsitze des Gouverneurs von Cherson eine Beratung statt. Radomsk. Die russischen Reservisten der ältesten Jahrgänge 1887 bis 1889 sind zum grössten Teile nach ihren Heimatsorten wieder entlassen worden- In Radomsk erklärte der aus Warschau zur Abschiebung der Mannschaften eingetroffene Generalmajor, dass die christlichen Reservisten der alten Jahrgänge (1887—89) entlassen, die jüdischen derselben Jahrgänge aber zunächst nach Dwinsk und dann nach dem Kriegsschauplätze befördert werden sollten. Ein Trupp von 500 bis G00 jüdischen Reservisten protestierte dagegen, dass die christlichen Reservisten zurückgestellt, die jüdischen derselben Jahrgänge aber eingestellt würden. Der Generalmajor liess hierauf diejenigen, welche sich weigerten, die Fahrt nach Dwinsk anzutreten, verhaften und drohte mit kriegsgerichtlicher Aburteilung. Durch Vermittlung des Rabbiners in Radomsk wurde von den Reservisten eine Depesche an die Warschauer Militärbehörde abgesandt, worauf an den Bezirkskommandeur in Radomsk der Befehl eintraf, die Reservisten aller Religionsgesellschaften der Jahrgänge 1S87, 1888 und 1889 sofort zu entlassen. Die hierauf freigelassenen jüdischen Reservisten brachten stürmische Hochrufe auf die Warschauer Behörden aus. Gt. Die Wiener Kuftusgernemdewahl. Am -27. November fand die Wahl in den Vorstand der Wiener Kultusgemeinde statt. Gewählt wurden : a) Mit sechsjähriger Funktionsdauer Baurat Theod. Ritter von Goldschmidt, kais. Rat Moriz Hirsch, Emil Hörne r, Sigmund Kau d e r s, Salo Landau, Architekt Oskar Marmorek, Dr. Marcus Spitzer und Baurat Wilhelm Stiassny; b) mit vierjähriger Funktionsdauer kais. Rat Leop. Sachs^ c) mit zweijähriger Funktionsdauer Med* Dr, Isidor S c h n a b 1. Im ganzen wurden zirka 1600 Stimmen abgegeben. $pib(ii)e» (FIr diese Rubrik ist die Rsdaktioi nicht verantwortlich.) Marken für den Nationalfonds. Folgende Gesinnungsgenosssen haben für den N.-F. Briefmarken eingesendet: Wien: „Moria", D. Rosenzweig, Frl. Jenny Steinschneider, Olga, Oskar, Josef Steiner, stud. S. Lüfschütz, stud. Heim, Gymn. J. Neumann, techn. S. Ultmann, Frl. H. Schulmann, jur. Gross. Hamburg: Jak. Seligmann. London: Lewis Kohn. Konstantinopel: L. Schonmann. C ze r n o w it z : stud. M. Schindler. Lancut: Frl. P. Malter, Frl. E. Schückler, Frl. R. Tannenbaum. Kassel: V. Oppenheim. Suczawa: Sch. Langer. Burstyn: N. Friedländer. Allen Spendern besten Dank und Zionsgruss! Die Philatelieabteilung der N. - F. - Kommission. * * * Moskau, den 28./10. November 1904. An die geehrte Redaktion der „Welt" Wien. Schon jetzt werden in der russisch-zionistischen Presse Stimmen laut, die die Einberufung des Kongresses auf eine spätere Zeit als die anberaumte verlangen. Tatsächlich würde eine Tagung des Kongresses im Februar (eventuell im März, wie jetzt verlautet) für die überwiegende Mehrzahl die unmittelbare Folge nach sich ziehen, dass nur sehr wenige sich an demselben beteiligen könnten. Zunächst, weil bis zum Februar zu wenig Zeit geblieben ist, um sich zum Kongress, speziell zu einem von der eminenten Bedeutung des bevorstehenden, vorbereiten zu können, sodann machen auch die lokalen Verhältnisse den meisten ein Verlassen der gewohnten Tätigkeit speziell um jene Zeit zur Unmöglichkeit. Aus diesem Gesichtspunkte erlauben wir uns, dem Aktionskomitee durch Ihre gefällige Vermittlung vorzuschlagen, wenn irgendwie möglich, den Kongress auf einen der Sommermonate, am besten Ende Juli oder An fang August, zu berufen, selbst wenn dazu erforderlich sein sollte, denselben nicht wie tradüionsmässig in Basel, sondern an einem arideren Orte tagen zu lassen. Wir sind der festen Ueberzeugung, dass unsere Stimme nicht ungehört verhallen wird, da gerade jetzt nach dem Tode unseres unvergesslichen Führers ein wvnig besuchter Kongress unbedingt einen sehr unvorteilhaften Eindruck erzeugen und auch unvorteilhaft auf unsere Sache zurückwirken muss. Verein „Achwas Zion\ Muskau. * * * Zionistisches Disirikts-Komitee für Böhmen. Thesen. Der Dclegiertontag möge heschliesscn: Das J3ist lviktskomitee in Prag, welches laut § 11 des Statuts vom lo. März die Distriktsorganisaiion nach aussen wrtritt, hat im abgelaufenen (leschäfts jähre wieder einen grossen Teil seiner 'Einkünfte an das L.-X. abgeführt.

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