Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 49 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk, 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7,—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17,— halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 Nr. 49. Wien, 2. Dezember 1904. — 24. Kislev 5665. 8. Jahrgang. Die Menorah**) iVon Benjamin. Sei f. Es war ein Mann, der hatte die Not, ein Jude zu sein, tief in seiner Seele empfunden. Seine äusseren Umstände waren nicht unbefriedigend. Er hatte sein genügendes Auskommen und auch einen glücklichen Beruf, indem er das schaffen durfte, wozu ihn sein Herz hinzog. Er war nämlich ein Künstler. Um seine jüdische Herkunft und den Glauben seiner Väter hatte er sieh schon lange nicht mehr gekümmert, als der alte Hass unter einem modischen Schlagworte sich wieder zeigte. Mit vielen anderen glaubte auch unser Mann, däss die Strömung sich bald verlaufen werde. Aber es wurde nicht besser, sondern stets ärger, und die Angriffe schmerzten ihn immer von neuem, obwohl sie ihn nicht unmittelbar betrafen; so dass nach und nach seine Seele eine einzige blutende Wunde war. Es geschah ihm nun, dass er durch diese inneren und verschwiegenen Leiden auf deren Quelle, also auf sein Judentum hingelenkt wurde, und was er in guten Tagen vielleicht nie vermocht hätte, weil er davon schon so ferne war: er begann es mit einer grossen Innigkeit zu lieben. Auch von dieser wunderlichen Zuneigung gab er sich nicht gleich deutliche Rechenschaft, bis sie endlich so mächtig war, dass sie aus dunklen Gefühlen zu einem klaren Gedanken erwuchs, den er dann auch aussprach. Es war der Gedanke, dass es aus der Judennot nur einen Ausweg gebe, und zwar die Heimkehr zum Judentum. Als dies seine besten Freunde erfuhren, die sich in ähnlicher Lage befanden wie er selbst, schüttelten sie über ihn die Köpfe und meinten, er wäre in seinem Geiste verwirrt geworden. Denn wie könne das ein Ausweg sein, was ja nur die Verschärfung und Vertiefung des Uebels bedeute. Er aber dachte, dass die sittliche üSTot so empfindlich wäre, weil den neuen Juden jenes Gegengewicht abhanden gekommen sei, das unsere starken Väter in ihrem' Innern besassen. Man spöttelte hinter ihm drein, manche lachten ihm sogar unverhohlen ins Gesicht, doch liess er sich durch die albernen Bemerkungen von Leuten, deren Einsicht er früher nie hoch zu schätzen Gelegenheit gehabt, nicht irre machen und ertrug die bösen oder guten Scherze *) „Die Welt4', L Jahrgang, Nr. 31 vom 31. Dezember 1897. gelassen. Und da er sich im'übrigen nicht unvernünftig gebärdete, so liess man ihn allmählich'sich seiner Schrulle hingeben, die freilich von" einigen auch mit härterem Wort als eine' fixe Idee bezeichnet wurde. Der Mann zog aber in seiner geduldigen Art. eine Konsequenz nach der anderen aus seiner, einmal gefassten Meinung. Dabei gab es eine Anzahl von Uebergängen, die ihm selbst nicht leicht fielen, wenn er dies auch aus Trotz nicht sehen liess. Als ein Mensch und Künstler von modernen Anschauungen war er doch mit vielerlei unjüdischen Gewohnheiten verwachsen und hatte aus den Kulturen, der "Völker, durch die ihn sein Bildungsgang geführt, Unvertilgbares in sich aufgenommen. Wie war dies mit seiner Iiückkehr zum Judentum zu versöhnen? Daraus erwuchsen ihm selbst manche Zweifel an der Richtigkeit seines leitenden Gedankens, seiner idee maitresse, wie es der französische Denker nennt. Vielleicht war die unter dem Einflüsse anderer Kulturen grossgezogene Generation nicht mehr fähig zu jener Heimkehr, die er als die Lösung gefunden hatte. Aber die nächste Generation würde schon dazu fähig .^ein, wenn man ihr. noch beizeiten die Richtung gab.. So bekümmerte er sich denn darum, dass wenigstens seine Kinder auf den rechten Weg kämen. Die wollte er von Haus aus zu Juden erziehen. Früher hatte er das Fest, welches die wunderbare Erscheinung der Makkabäer durch so viele Jahrhunderte mit dem Glänze kleiner Lichter bestrahlte, vorübergehen lassen, ohne es zu feiern. Nun aber benützte er diesen Anlass, um seinen Kindern eine schöne Erinnerung für kommende Tage vorzubereiten. In diese jungen Seelen sollte früh, die Anhänglichkeit an das alte Volkstum gepflanzt werden. Eine Menorah wurde angeschafft, und als er diesen neunarmigen Leuchter zum erstenmal in der Hand hielt, wurde ihm eigentümlich zumute. Auch in seinem Vaterhause hatten die Lichtlein in einer nun schon entlegenen-Jugendzeit gebrannt, und es war etwas Trauliches und Anheimelndes darin. Die Tradition nahm sich nicht frostig, nicht erstorben aus. Das war so durch die Zeiten heriibergegangen, immer ein Liehtlein am anderen entzündet. Auch, die altertümliche Form der Menorah regte ihn zum Sinnen an. Wann war der primitive Bau dieses Liehthalters geschaffen worden? Die Gestalt war offenbar einst vomlBaum genommen