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Die Welt · 1904-11-25 · 48 (25.11.1904) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
48 (25.11.1904)
Date
1904-11-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 48 „bi* & weit" Seite 11 des genannten Architekten und ohne sein Vorwissen beschloss der Vorstand, den genannten Architekten nach dem usuellen Tarif des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereines zu honorieren. Herr Architekt Marmorek erklärte jedoch sowohl in einer Rucksprache mit einigen Vorstandsmitgliedern und sodann in einer an die Kultusgemeinde gerichteten Zuschrift, dass er ein Honorar seitens der Kultusgemeinde entschieden ablehne und nach Fertigstellung der Arbeit bloss die ihm selbst erwachsenen Auslagen verrechnen werde." Wien, 20.- November 1904. Der Präsident: Dr. Alfred Stern. Jüdischer Kolonisationsverein in Wien. Der Jüdische Koionisationsverein, über dessen Begründung wir bereits kurz berichteten, hielt seine konstituierende Versammlung im grossen Sitzungssaale der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien ab. In seiner Eröffnungsrede führte Präsident Dr. Alfred Stern aus, dass die unmittelbare Anregung zur Gründung des Kolonisationsvereines die Ausstellung der Produkte der jüdischen Kolonien Palästinas in Wien gegeben hätte, welche den Beweis erbrachte, dass -dieses Hilfswerk befriedigende Resultate erzielt und daher, besonders in Anbetracht der stets wachsenden Judennot im Osten, tatkräftigste Förderung verdient. Das von Dr. F. E. Weisl und Dr. W. Pappenheim redigierte Statut des Kolonisationsvereines wurde von den zuständigen Behörden ohne Einspruch zur Kenntnis genommen; die formellen Bedingungen zur Konstituierung des Vereines seien also gegeben. Dr. Artur K a nü nka forderte hierauf die Anwesenden zu einem Akt der Pietät auf. Willy Bambus, einer der ersten und eifrigsten Förderer des jüdischen Kolonisationswerkes, sei vor kurzem gestorben. Die Versammlung ehrt den Verblichenen durch Erheben von den Sitzen. Dr. Alfred Nossig erstattete als Vertreter des Pariser Zentralkomitees -der Koloiiisationsveneine das Referat über die Bestimmung und den Plan der Kolonisationsaktion, deren Organe die Koloiiisationsveneine sind. Die jüdische Hilfsaktion hat in den letzten Jahren auf Grund der gesammelten Erfahrungen -einen wesentlichen Fortschritt gemacht. In ihren Anfängen begnügte sie sich mit Interventionen von Fall zu Fall, nach dem Eintritt von Katastrophen. Sie befolgte das Prinzip, mittels einmaliger Hilfeleistung die Emigranten in Kulturländern zu zerstreuen, und hatte einen rein philanthropischen Charakter. Es stellte sich jedoch heraus, dass man auf diesem Wege weder neuen Katastrophen vorbeugen noch die Emigranten entsprechend versorgen könne. Neben den improvisierten Aktionen müsse eine präventive in Angriff genommen, die Philanthropie müsse durch rationelle Sozialpolitik ersetzt werden. Da eine einmalige kleine Hilfe in vielen Fällen zur Gründung einer Existenz nicht geniige, und selbst die liberalsten Kulturländer sich allmählich den Einwanderern zu verschliessen beginnen, so müsse man Veranstaltungen treffen, um die Existenz der Emigrantenfamilien dauernd zu sichern. Dies geschehe am besten durch ihre Ansiedlung auf zusammenhängenden Terrains in einem noch dünn bevölkerten Lande. Als das geeignetste Gebiet für die Kolonisation von Juden habe sich erfahrungsmässig Palästina mit seinen Grenzländern erwiesen. Hier gedeihen die Kolonien aus wirtschaftlichen und moralischen Gründen am besten. Noch günstigere Resultate werden erzielt werden, wenn die Kolonisationsvereine sich die gesammelten Erfahrungen zunutze machen und nicht mehr vereinzelt und planlos vorgehen werden. Das zu kolonisierende Gebiet muss erforscht, die Kolonisation muss durch rationelle Massnahmen vorbereitet werden und dann in pianmässiger Weise auf wachsender Stufenleiter erfolgen, wobei die Kolonisten zu wirtschaftlicher Selbständigkeit zu erziehen sind. Eine derartige, wahrhaft moderne* Kolonisation ist aber nur dann möglich, wenn alle Kolonisationsvereine, ja sämtliche im Orient tätigen Organisationen sich dauernd untereinander verständigen. Der neugeschaffene Jüdische Kolonisationsverein inauguriert diese vom Referenten angedeutete neue Phase des Ansiedlungswerkes, da er alle Hauptprinzipien einer gesunden Kolonialpolitik in sein Statut aufgenommen hat. Es ist dies aus dem § 2 des Statuts ersichtlich, welchen wir hier mit Rücksicht auf seine reformatorische Bedeutung vollinhaltlich folgen lassen: § 2. Vereinszwecke. Der Verein hat den Zweck, allein oder in Verbindung mit anderen, gleiche Ziele erstrebenden Institutionen die planmässige Ansiedlung von Juden in Palästina und seinen Nebenläridern zu fördern. Es fallen daher in seinen Wirkungskreis insbesonders; a) die Förderung der Erforschung Palästinas und seiner Nebenländer unter dem Gesichtspunkte der Ermittlung geeigneter Kolonisationsmethodeu, unter anderem durch Errichtung von Versuchsstationen aller Art; b) Förderung des Verständnisses für eine planmüssige Ansiedlung von Juden in Palästina und seineu Nebenländern durch Versammlungen, Vorträge, Veröffentlichungen aller Art, Entsendung von Rednern, Unterstützung von Institutionen, die dieser Idee dienen, Enqueten u. derg!.; c) die Förderung der Kolonisation selbst durch 1. Erwirkung günstiger Ansiedlungsbedingungen jeder Art; 2. zweckmässige Heranbildung geeigneter Ansiedler; 3. unentgeltliche Erteilung von Ratschlägen und Anleitungen; 4.Unterstützung der Ansiedler, insbesondere von Ackerbauern, Gärtnern, Handwerkern, und Gewerbsleuten, z. B. durch Darlehen und ausnahmsweise durch Beihilfen, stets mit dem Ziele, die wirtschaftliche Selbständigkeit und die volle geschäftliche Unabhängigkeit und eigene Verantwortlichkeit der Ansiedler herbe izuf üh ren; 5. die Förderung von jüdischen Vereinen, Genossenschaften, Gesellschaften etc., die sich zur Aufgabe setzen, in Palästina und dessen Nebenländern Grundbesitz zu erwerben, zu pachten oder zu bearbeiten, und die ihnen von ihren Mitgliedern oder anderen Personen aus privatwirtschaftlichen, humanitären oder religiösen Motiven zur Verfügung gestellten Mittel dazu benützen, den Grundbesitz der Bewirtschaftung durch die Genossenschafter selbst, durch jüdische Pächter und jüdische Arbeiter für Rechnung der Genossenschaft oder von jüdischen Einzelbesitzern oder Korporationen zuzuführen oder sonst der Bestimmung der Eigentümer entsprechend zu verwenden und zu verwalten; 6. Ankauf oder Pachtung von Grundstücken in Palästina oder dessen Nebenländern behufs Ansiedlung, ihrer Vorbereitung und Förderung; 7. Förderung des wirtschaftlichen Gedeihens jüdischer Kolonien, in Palästina und dessen Nebenländern, namentlich durch Begünstigung des Absatzes der dortigen Boden- und Gewerbeerzeuguisse; 8. Herausgabe von Druckschriften und periodischen Mitteilungen. Nachdem Präsident Dr. Alfred Stern die formelle Konstituierung des Vereins festgestellt hatte, schritt man an die Wahl des leitenden Ausschusses, der sich vorläufig aus nachfolgenden Herren zusammensetzt: Dr, Rudolf Auspitz, Prof. Dr. Ehrmann, David R. v. Gutmann, Emil Horner, Dr. Alfred Stern, kais. Rat Sachs, Rabb. Dr. Schmiedl, Baurat Wilhelm Stiassny, Dr. F. E. Weisl, Dr. S. Zins, Ign. Schiff, Dr. J. Bloch, Oscar Marmorek, Dr. W. Pappenheim. Der Ausschuss, welcher sofort zusammentrat, wählte zum Vorsitzenden Dr. Alfred Stern, Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, zum Schatzmeister Emil Horner, Prokuristen des Hauses Rothschild, zum Schriftführer Dr. E. Weisl, Vizepräsidenten der Oesterreichischen Kolonialgesellschaft. Auch wurde

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