Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 47 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3315709-3316073-3316121--46312-3341160- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Redaktion und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14.199. Erscheint jeden Freitag, Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—1/*I2 Uhr. Preise der Anzeigen : laut aufliegendem Tmrif. Der Inseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern SO Heiler. Rß7lin<tnrßicßK Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland OtKliybprpibe. -Deutschland ganzjährig Mk. r~" — ' ...... ' ~" ~ " halbjährig Shg. 7.- 13.70, halbjährig Mk» 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig Shg. 14 _ w ________________ ^_____9______o _____ 7 ______^____o R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten"ganzjährig Frcs." 17, halbjährig Frcs. 8;50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 Nr. 47. Wien, 18. November 1904. — 10. Kislev 5665, 8. Jahrgang. Von der Judenwanderung, Wenige Wochen sind erst vergangen, seitdem an dieser Stelle wieder einmal eine Regehing der Judenwanderung gefordert wurde. Rascher als es zu hoffen war^ winkt nun den langjährigen Wünschen und Bestrebungen Erfüllung. Immer weitere Kreise ergriff die Erkenntnis, dass in diesem Problem schwerwiegende, vielleicht entscheidende Wandlungen der bisherigen Jiidenpolitik enthalten seien. Vielleicht war das nicht nur für die einen der Ansporn, nach einer vernünftigen Lösung zu suchen, sondern auch für die anderen der Grund, weshalb sie nur ungern und mit zaudernder Aengstlichkeit ans Werk gingen. Dem energischen Eingreifen grosser jüdischer Korporationen ist es zu danken, dass nicht nur die nötigen Vorarbeiten in verhältnismässig kurzer Zeit zustande kamen, sondern dass auch in einer Vorkonferenz eine Einigung über eine Anzahl von Vorschlägen erzielt werden konnte. Nun ist die Aktion so weit gediehen, dass in der ersten Woche des nächsten Monates eine Konferenz der bedeutendsten jüdischen Korporationen zusammentreten soll, in welcher die Begründung eines Zentralkomitees zu erfolgen hat, das die ersten gemeinsamen Schritte zu beraten haben wird. Die Grossloge für Deutsehland VIII. TT. O. B. B., der Hilfsverein der deutsehen Juden und Frankfurter Notabilitäten versenden gemeinsam die Einladungen zu dieser Konferenz, die in Frankfurt zusammentreten wird. Den Beratungen werden Thesen zugrunde liegen, die der Vorsitzende des Hilfsvereines der deutschen Juden, Dr. Paul Nathan, ausgearbeitet hat. Für uns Zionisten. die wir uns an dieser Konferenz beteiligen, werden, ist es nun erfreulich, dass wir mit den vorgeschlagenen Thesen im grossen und ganzen einverstanden sein können. Wir verschliessen uns aber auch nicht den Bedenken, die namentlich der Passus über die beabsichtigte Dezentralisation hervorrufen muss. Es handelt sich uns dabei nicht nur darum, dass die sogenannten Distributionsbestrebungen bisher mit ungeheuren Kosten verbunden waren und keineswegs den gewünschten Erfolg hatten. Das mag vielleicht in einer unrichtigen Organisation und in dem bisherigen Mangel an Erfahrung auf diesem Gebiete liegen. Wichtiger ist das rein praktische Bedenken, dass es nicht leicht ein Mittel gibt, um Auswanderer zu nötigen, nach einem bestimmten Orte zu gehen, selbst wenn dies durchaus in bester Absicht und zu ihrem eigenen Nutzen geschehen soll. Dabei ist zu berücksichtigen, dass den Verteilungskomitees auch nicht die Macht zusteht, die „Verteilten" an den ihnen angewiesenen Orten festzuhalten. Abgesehen davon, dass sich die Erwerbsverhältnisse an gewissen Stellen durch Einflüsse ökonomischer Faktoren, die selbst in den vorsichtigsten Berechnungen nicht annähernd genau abgeschätzt werden können, leicht und gründlich ändern können. Auch das mag nur nebenbei erwähnt werden, dass die Emigranten in ganz neue Verhältnisse kommen, in welchen vielleicht ihre bisherigen Arbeitsmethoden unzureichend oder ganz unpassend sind, so dass der Nachweis von Arbeitsgelegenheit allein, ohne folgende Fürsorge und Ceberwachung, nicht genügen dürfte. Das sind aber schliesslich Dinge, mit denen sich die geeigneten Faktoren beschäftigen werden,/deren Erfahrungen dann eine eventuell nötige Verbesserung bewirken können. Auch darüber wollen wir vorläufig noch nicht diskutieren, ob nicht eine besondere Berücksichtigung der Landarbeiter am Platze wäre. Für unsere Leitung hat die beabsichtigte Dezentralisation eine wichtige prinzipielle Seite. Wir Zionisten sind der Anschauung, dass die Verteilung der Juden in kleine und kleinste Gruppen und deren Zerstreuung über möglichst weite Länderstrecken keineswegs gutgeheissen werden kann. Nicht dass wir meinen, es empfehle sich, bereits überfüllten Städten noch mehr Juden zuzuführen. Das wäre eine Torheit und wir denken nicht daran, sie zu begehen oder dazu Veranlassung zu geben. Ebenso schädlich scheint es uns -aber im Interesse der Juden sowohl als ihrer künftigen Landesgenossen, kleine, schwache Gruppen von Juden in fremden Ländern, deren Sprache sie meist gar nicht kennen, dem guten oder bösen Willen der Umgebung zu überlassen. W i. r w ü r d e n e s also gerne sehen, dass in diesen Verteilii'ngsbestrebungen zum ni i n d e s t e n M a s s g e h a 11 e n w erde, wenn ihre N o t w c n d i g k c i t vor der Hand nicht zu umgehen ist. Wir würden auch einer ländlichen Kolonisation, womöglich auf genossenschaftlicher Basis, freundlich gegenüberstehen, weil sie einen innigeren Zusammenhang der Einwanderer versprechen und ihre Unabhängigkeit von