Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 41 (7.10.1904)
- Date
- 1904-10-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 „bi* # Welt" Ift Mi 80.000 französischen Juden her; jetzt, da der Staat sich gleicherweise von Kirche und Synagoge zurückziehen will, müssten die Juden Frankreichs die 200.000 Franks aus eigener Tasche zahlen. Darob die Sorgen. — Man kann diesen Anblick beiehrsam finden. Denn was antworten die Juden, wenn man an sie die Frage richtet: „Welche Bedeutung hat für euch das Judentum?tf Die Antwort lautet; „Eine Religionsgenossenschaft! Wir schätzen das Judentum als Eahmen eines Bekenntnisses." Und nun sind ihnen 200.000 Franks, die den Fortbestand ihres Judentums sichern sollen, eine Schwierigkeit, wobei zu bedenken ist, dass die Juden Frankreichs durchaus nicht zu den Geldbedürltigen gehören. Fürwahr, man wird den Juden, welche die Liebe zu diesem, ihrem Judentum als die allein seligmachende hinstellen, mit einiger Ungläubigkeit zuhören müssen. Wir blättern weiter und kommen nach Deutschland, wo eine Aktion der Juden unsere Aufmerksamkeit erregt. Der Verband der deutschen Juden, der im Frühling dieses Jahres gegründet wurde, hat in den jüngsten Tagen zur Judenfrage Stellung genommen. In zwei Petitionen. Die eine Petition beschäftigt sich mit der Schächtfrage, die zweite mit der Gleichberechtigung des israelitischen Religionsbekenntnisses bei Ausgestaltung der konfessionellen Schulen. — Zwei Themen, die uns sehr bekannt vorkommen. — Es ißt eine Eigentümlichkeit des Buches der Sorgen, dass dieselben Sorgen immer und immer wiederkommen — dass die Juden keine anderen Sorgen haben. Einige Blätter weiter und wir sind in dem Riesenreiche, über dem jetzt als grellster Stern Mars steht. _ Einrückende Mannschaften, die sich dadurch auf Kampf und Eroberung vorbereiten, indem sie jüdische Kaufläden im ersten Ansturm erobern und alte Juden und Jüdinnen in den Strassen erfolgreich bekämpfen. Hinüber nach England! Ebenfalls ein wenig sympathisches Bild : Juden, die sich mit Juden herumprügeln. In London besteht ein Verein sozialistischer Juden, dessen Mitglieder die gröbliche Geschmacklosigkeit begingen, den gläubigen Juden zum Trotz am Versöhnungstage ein öffentliches Schauessen zu veranstalten. Es kam begreiflicherweise zu argen Schlägereien, aus denen beide Parteien mit blutigen Köpfen hervorgingen; solcherart wurde der nichtjüdischen Bevölkerung ein Kommentar geliefert, was die Juden unter einem Versöhnungstag verstehen. Genug! Wir wollen nicht weiterblättern! Wir sind im Begriffe, in die Chronik von Oesterreich, Rumänien und ähnlichen Gegenden hineinzugeraten. Das Buch der Misshelligkeiten hat uns noch viele, viele wichtigere und minder bedeutungsvolle Erlebnisse zu erzählen, doch wir flüchten in das andere Buch hinein, in die Blätter der Glückseligkeiten. Was mögen sie uns wohl aus den jüngsten Tagen verkünden! Wir schlagen die Chronik auf--Leere Seiten.-- sch. 1. h. Zwei Stücklein aus der Gegenwart i. Herr Radler war ein österreichischer Jude. Er wollte Zahnarzt werden und musste daher nach österreichischem Gesetze zunächst sein medizinisches Staatsexamen machen. Als er schon einige Jahre studiert hatte und die Zeit bis zum Examen ihm wohl zu lange währte, ging er nach Deutschland und studierte dort Zahnheilkunde. Nach dem üblichen dreijährigen Studium meldete er sich zum deutschen zahnärztlichen Examen, wurde aber, da er doch Ausländer war, nur unter der Bedingung zugelassen, dass er sich zuvor verpflichtete, sich nicht in Deutschland niederzulassen. Er erhielt auch nach bestandenem Examen keine Approbation, sondern nur eine Bescheinigung, das er das Examen bestanden. Damit versuchte er nun, sich in Oesterreich niederzulassen, was ihm natürlich nicht gelang, was ihm auch schon zu Beginn seines Studiums prophezeit worden war, da er doch die Bedingungen, des österreichischen Gesetzes nicht erfüllte. Da kam Herrn Radler eine Idee. Er ging auf die deutsche Botschaft und fragte an, ob es denn keine Möglichkeit für ihn gäbe, sich in Deutschland niederzulassen. Es wurde ihm gesagt, dass diese Möglichkeit wohl bestände, wenn er deutscher Staatsbürger würde. Ob das zu erreichen wäre, fragte nun Herr Radler. Das wurde btjaht NunmachU Herr Radler darauf aufmerksam, dass er Jude sei. Aus der Antwort, die er nun erhielt, entnahm Herr Radler, dass da* Judesein allerdings ein Hindernis für das Deutscherwerden sei, und er ging zu einem Pfarrer und wurde Christ. Der Christgewordene wurde bald Deutscher und er hatte sein Ziel erreicht. Wenn der nun wieder zurücküberträte? H. Die reichsdeutschen Studentenverbindungen nehmen bekanntlich keine Juden auf. Höchstens tut es einmal eint Burschenschaft, wenn es wieder einmal gilt, vor einem jüdischen .alten Herrn", der nicht so viel Ehrgefühl besass, auszutreten, als man den Arierparagraphen offiziell oder inoffiziell aufnahm, mit einem jüdischen Aktiven zu renommieren. Und das tut manchmal not. Man braucht ja — die „alten Herren*. Ganz judenrein sind die Turnerschaften, die zu allererst den Juden die Aufnahme verweigerten. Hin und wieder findet sich aber unter ihnen ein getaufter Jude. Ein solcher war auch in den letzten Jahren bei der Turnerschaft .Saxonia" einer norddeutschen Universität aktiv. Guttentag, wie wir diesen christgewordenen Saxonen nennen wollen, war ein hübscher, strammer Kerl, der vorzüglich fechten konnte. Wenn seine Verbindung irgend etwas auszupauken hatte, wurde immer Guttentag herausgestellt. Man nannte ihn bald den Renommierfechter der Saxonen. Die Jahre gingen dahin und Guttentag machte sein Examen. Nun wollte er natürlich in den „alten Herren- Verband" der Verbindung aufgenommen werden. Aber da plötzlich besann man sich, dass der Mann doch eigentlich Jude sei, und nach einer stundenlangen Beratung kam man zu dem Entschluss, Guttentag ist nicht würdig, „Alter Herr* bei der edlen „Saxonia" zu werden. Er hatte sich nichts zu Schulden kommen lassen, aber weder das Wasser der Taufe noch das für die Verbindung vergossene Blut waren imstande gewesen, den edlen Saxonen klar zu machen, dass er doch eigentlich — au§ seiner Rasse ausgetreten sei, ... Ob Herr Guttentag daraus etwas lernen wird? Und andere? Hillel. Briefkasten. Dr. S. F., Sofia. Dank für die Zusendung. jur. D. K—r, Czernowitz. So wie sich das Komitee für die Palästinareisen gebildet hat, erhalten Sie Nachricht. Gruss. Tortakowski, Karlsbad. Wenn das A.-C. die Veröffentlichung für angezeigt findet, wird sie genau nach dem Originale erfolgen. S. B., Pressburg. Wir haben von Ihrer Zuschrift Herrn Architekten O. Marmorek Mitteilung gemacht. Er wird Ihnen antworten* J. $., Mannheim. Eine russische Ausgabe ist wohl erschienen, doch ist uns nicht bekannt, wo sie erhältlich ist. Wir werden der Sache nachgehen und Ihnen so bald als möglich Mitteilung machen. Gruss. W. SPENDEN für den Nationalfonds: Sammlung Eugenie Fischer, Krumau. „I v r i a" « . . %— Wilhem Stern, Lemberg, anlässlich seiner Verlobung mit Frl. Pepie Mandel................. 2.— Sammlung S. Goldmark, Monasterzyska, am Erew Jörn Kippur...................... 4.16 Waszkoutz a. Cz.: Sammlung Frl. Jetti Schächter bei Hochzeit Schächter, Radautz 2.60, Sammlung D. Schürtz bei Hochzeit Marhofer-Sussmann, Czernowitz 3.30, Rest 1.—, G-r 0.10................ 7.— „Bar Kochba11 und „Bnei Herzl", Tarnopol, Kaaressammlung................... 39,79