Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 41 (7.10.1904)
- Date
- 1904-10-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Tölephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Hedaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet., ♦ Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—Vil2 Uhr. Preise der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Der Ip geratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern 30 Heller. R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs." 17.- halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 Nr. 41. Wien, 7. Oktober 1904. — 28. Tischri 5665. 8. Jahrgang. Von der Judenwanderung.*) III. Die Erkenntnis der Notwendigkeit einer Regelung der jüdischen Auswanderung wird wohl am ehesten von denjenigen Juden gewonnen werden, die bereits jetzt den Nutzen der Organisation eingesehen haben. Infolgedessen sind die Zionisten diejenigen, welche solchen Bestrebungen das lebhafteste Interesse entgegenbringen werden. Dass dem so ist, das bezeugen die bereits bestehenden zionistischen und von Zionisten gegründeten Komitees, die den jüdischen Auswanderern schon jetzt nach Möglichkeit zu Hilfe kommen. Es liegen auch schon einige Berichte über die Tätigkeit dieser Komitees vor, ganz abgesehen von den Zeitungsnotizen, die uns hie und da von solchen Komitees zu erzählen wussten. Vor allem sei hier des Berichtes des Hilfskomitees für jüdische Auswanderer in Basel gedacht Nach zweijähriger Tätigkeit (Juli 1902 bis Juli 1904) gab dieses Komitee vor kurzem seinen Rechenschaftsbericht heraus. Seit etwa vier Jahren durchzieht Basel ein endloser Strom jüdischer Auswanderer. Es sind jene, die mit französischen Schiffen die Reise nach Amerika antreten. Das entsetzliche Elend der Auswanderer bewog zunächst zwei Vorstandsmitglieder der Baseler zionistischen Vereinigung, durch einige Wochen hindurch Lebensmittel an die Emigranten zu verteilen. Allein es zeigte sich in kürzester Zeit, dass einzelne so gut wie keine nennenswerte Hilfe leisten können. Darum erliessen die beiden Herren ein Zirkular an die Baseler jüdische Einwohnerschaft und es gelang ihnen auf diese Weise, das Hilfskomitee zu konstituieren. Dieses Komitee hat nun mit bescheidenen Mitteln wirklich Anerkennenswertes geleistet, aber der Bericht kann selbst nicht umhin, auf das Unvollkommene und Unzureichende dieser Hilfe hinzuweisen, Organisierung der jüdischen Auswanderer scheint ihm das einzige Mittel, das den jüdischen Auswanderern wirklich Hilfe bringen kann. *) Vide „Die Welt" Nr. 39 und 40. Zu ähnlichen Resultaten kommen auch unsere Gesinnungsgenossen in den Städten an der russischen Grenze, ferner die in Hamburg, Bremen, in Holland, in England und Amerika. Die holländischen Gesinnungsgenossen namentlich haben schwere Arbeit. Sehr viele jüdische Auswanderer, die aus Russland nach England oder Amerika fahren wollen, werden durch dasAnglo Gontinentale Reisebureau in Rotterdam befördert. Die Auswanderer können die Schiffskarte entweder an der russischen Grenze bekommen oder sie zahlen dort nur ihre Eisenbahnkarte und kaufen die Schiffskarte erst an der holländischen Grenze. Aus Geldmangel oder wegen der hohen Preise, die der Agent fordert, entscheiden sich viele Auswanderer für den letzteren Modus. Dann geschieht es aber oft, dass die Leute, die nach Zevenaar kommen, für die Schiffskarte nicht genug oder infolge unvorhergesehener Ausgaben während der Reise überhaupt kein Geld haben. Das Anglo Continentale Bureau kann dann nicht den Beweis erbringen, dass die Auswanderer innerhalb acht Tage Holland wieder verlassen werden, sie sind daher als Fremdlinge ohne Vermögen anzusehen und müssen von der Polizei wieder nach Deutschland zurückgebracht werden. Dort finden sie entweder einen anderen Weg (oft durchziehen sie ganz Deutschland, ehe sie über die Grenze kommen können), oder die deutsche Polizei schickt sie wieder nach Holland. Dann kann eventuell wieder die Abschaffung nach Deutschland und nochmalige Zurücksendung nach Holland erfolgen. Dieser jämmerliche Zustand hat das Mitgefühl einzelner erweckt und sie versuchten (unter wackerer Mitarbeit des Rabbiners M. Petzon), den Unglücklichen zu helfen. Natürlich waren auch da die Mittel bald erschöpft, und auch die Gesinnungsgenossen, die sich in Holland um Hilfe für die jüdischen Auswanderer bemühen, sind zur Ueberzeugung gekommen, dass nur eine Weltorganisation den Uebelständen abhelfen kann. Unsere Gesinnungsgenossen in Amerika haben bei ihrer Tätigkeit für die Auswanderer sehr grosse Schwierigkeiten in Ellis Island zu überwinden. Ellis Island ist die kleine Insel, auf der alle Zwischendeckpassagiere, die über New York in Amerika einwandern wollen, zu landen haben. Dort wird darüber entschieden, ob