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Die Welt · 1904-09-23 · 39 (23.9.1904) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
39 (23.9.1904)
Date
1904-09-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 „bis « W$It" Nr, 39 Einen sehr breiten Raum in unserer Volkserziehung nimmt noch immer das Cheder ein und in den Händen der „Beheifer" liegt ein guter Teil der Erziehung unserer Kinder. Hier muss mit der Agitation eingesetzt werden. Diese jungen Kindererzieher müssen wir gewinnen, wir müssen sie mit frisch pulsierendem Nationalgefühl erfüllen, wir müssen in ihnen das Gefühl glühender Liebe für ihr Volk und besonders für seine Zukunft, für seine Kinder, wecken. Sie werden dann in diesem Sinne und Geiste weiterwirken, sie werden jedes Stück Weges, das sie in Gesellschaft des Kindes zurücklegen, dazu benützen, um den Keim jüdischen Nationalgefühls in die jungen Herzen zu versenken. Man darf sich nicht durch Hindernisse abschrecken lassen. Das geschäftliche Interesse der Melamdim, die, ebenso unpädagogisch als geldlüstern, keine Ahnung haben von der Kulturmission, die sie zu erfüllen haben und in jeder Organisation ihrer „Beheifer" eine Gefahr für ihre Tasche erblicken, stellt sich uns zunächst in den Weg. Dann kommt aber die Unwissenheit und Unerfahrenheit der Beheifer selbst, die an das Joch der Melamdim gewöhnt, ihren Einflüsterungen von der Schädlichkeit einer Organisation leicht Gehör schenken. Schliesslich dient als * Waffe der von gewissen Dunkelmännern so sehr verhasste Zionismus, in dem besonders die Orthodoxen ungerechtfertigterweise den grössten.Feind der Religion erblicken. Aber alle diese Hindernisse können leicht überwunden werden, wenn man die Sache energisch in die Hand nimmt. Wir haben in Krakau seit einigen Wochen die Organisation der Beheifer in Angriff genommen. Schon die ersten Versuche zeugten von dem regen Interesse für die Sache in den betreffenden Kreisen. Ein Fachverein der Beheifer wurde gegründet, trotz gewaltigen Widerstandes der Melamdim, die vor gar keinem Mittel zurückschraken, um nur die Entstehung des Vereines zu hindern. Nun beschlossen sie, ihren Behelfern zu kündigen und in der Provinz neue Leute anzuwerben. Dies muss verhindert werden. Wir richten an euch die Aufforderung, auch in eurer Stadt unter den Behelfern zu agitieren, sie zu versammeln, entweder die Gründung eines neuen Vereines oder Anschluss an einen bestehenden durchzusetzen und eine feste Organisation zu gründen. In erster Linie müssen die Beheifer darüber aufgeklärt werden, dass sie ja nicht nach Krakau oder in eine andere grössere Stadt gehen, weil sie damit anderen Standesgenossen das Brot wegnehmen und selbst einen schlechten Tausch machen. In der festen Erwartung, dass ihr bald an die Arbeit gehen und alle Kräfte dazu benützen werdet, um eine Behelferorganisation ins Leben zu rufen und sie mit allen Mitteln zu unterstützen, zeichnen wir mit brüderlichem Zionsgrusse, für „Organizacya syonistyczna okr^gu krakowskiego" Kp*nps tnvän w E. F. Waschitz Dr. L Goldwasser Schriftführer Obmann * * * Brünn, am 11. August 1904. Löbliche Redaktion! Ich ersuche um Aufnahme folgender Zeilen an geeigneter Stelle in Ihrem werten Blatte: »Am Freitag Abend, am Vorabende des Rosch- Haschonohfestes, war ich beim Besuche des „grossen Tempels" unserer Stadt Augenzeuge einer recht widrigen Szene. Drei jüdische Auswanderer, die der Feiertage wegen ihre Reise unterbrachen, kamen, wohl in ärmlichen, aber in durchaus reinen Kleidern, in den Vorhof des grossen Tempels, wagten es aber offenbar nicht, den Tempelraum zu betreten. Nach einer längeren Unterredung fassten sie endlich Mut und wollten sich in das Innere des Gotteshauses begeben. Da verweigerte ihnen der Portier den Eintritt mit den Worten : „Heute ist für Puch kein Platz hier"; und das unter den Augen eines Mitgliedes der Kultusgemeinde, welches aber ganz ruhig, ohne Einsprache zu erheben, seiner Wege ging. Den Schmerz dieser drei Leute, die ja ohnehin nirgends als vollwertige Menschen angesehen werden, kann sich jeder vorstellen, wenn er bedenkt, wie kränkend es sein muss, sogar von der Andacht mit den eigenen Glaubensbrüdern ausgeschlossen zu sein. Dieses Vorgehen ist aber bezeichnend für den feudalen Geist, der alle Mitglieder unserer Kultusgemeinde beseelt. Nur der Reiche hat an den hohen Feiertagen Zutritt in den grossen Tempel, er erwirbt sich mit klingender Münze das Recht, an diesen Tagen im Gotteshause mit seinen neuesten Toiletten zu prunken. Für den Armen ist da natürlich kein Platz. Es könnte ja vielleicht der frisch gebügelte Salonrock des Herrn X Schaden nehmen, wenn er mit der fadenscheinigen Bluse eines armen Glaubensgenossen in Berührung käme. Im vorhinein bestens dankend, zeichne mit Zionsgruss H. W. * * * An die jüdischen Arbeitgeber und Arbeiter! Das Gründungskomite des Verbandes jüdischer Arbeiter und Handelsangestellter „Poalei Zion" unterhält an mehreren Orten unentgeltliche Stellen Vermittlungsbureaus, die miteinander in reger Verbindung stehen, und jedem Wunsche der Arbeitgeber, namentlich im Handelsstande, vollkommen zu entsprechen -in der Lage sind. Bei der wirtschaftlichen Depression, der der jüdische Arbeiter heute ausgesetzt ist, ist es Pflicht aller Stammesgenossen, die Arbeiter brauchen oder Arbeit suchen, sich dieses gut jüdischen Institutes zu bedienen und sich mündlich oder schriftlich an das Zentral-Stellenvermittlungsbureau (Adresse : J. Nussbaum, Krakau, Przesmikgasse 3) zu wenden, was wir dringend empfehlen. * * * Mittelschulabendkurs. Der Verein „Freies Lyzeum" eröffnet heuer zum sechsten Male seine bekannten Mittelschulabendkurse, welche Herren und Damen Gelegenheit bieten, sich zur Gymnasial- und Realschulmatura vorzubereiten. Die Einschreibungen finden täglich von 6—8 Uhr abends im Vereinssekretariat, VII., Neustiftgasse 95—99 (Realschule), statt. Der Beginn des Unterrichtes ist für den 21, September festgesetzt. Sehrgeehrte Redaktion! Ich bitte um gefällige Aufnahme folgender Erklärung in Ihrem geschätzten Blatte: Mit Staunen und Verdruss konstatiereich, da«s die „Ungarische Wochenschrift" ohne mein Vorwissen und ohne meine Einwilligung meinen in der Brünner T Jüdischen Volksstimmeu erschienenen Artikel („Die Orthodoxie in Ungarn") reproduziert und denselben sogar zu ihren Gunsten verstümmelt hat. Für Ihre Gefälligkeit im voraus dankend, verbleibe ich hochachtungsvoll Ihr ergebener Baläzsfalva, am 13. September 1904. Dr. J. Rönai. Verehrliche Redaktion! Ich bitte um die Aufnahme nachfolgender Erklärung in der nächsten Nummer der „Welt*. Im voraus bestens dankend. Pressburg, 20. September 1904. S. Bettelheim. Erklärung! In der letzten Nummer des „Frankfurterls r Familienblattes* veröffentlichen Herr Kopp und Genossen eine Erklärung, welche nichts enthält, als eine Schmähung der ungarischen orthodoxen Landeskanzlei, zu welcher die genannten Herren angeblich von der ungarischen Landsmannschaft der Misrachistenkonferenz beauftragt worden wären. Ich erkläre es für ganz und gar unwahr, dass die ungarische Landsmannschaft einen derartigen Auftrag gegeben hätte. Es ist bloss Tatsache, dass die ungarische Landsmannschaft beschlossen hat, eine Erklärung zu verbreiten, in welcher die ungarischen Delegierten Zeugnis ablegen,dass dieBeschuldigungen, die seitens der ungarischen orthodoxen Rabbiner gegen die misrachistischen Rabbiner vorgebracht wurden, auf irrigen Information beruhten und dass die Protestrabbiner gebeten werden mögen, nachdem die irrige Voraussetzung ihrer feindseligen Haltung gegen; den Misrachi nicht mehr vorhanden ist, ihre gegnerische Haltung gegen die Misrachibewegung aufzugeben. Mit dem Entwürfe dieser Erklärung wurde ich, dessen nahe verwandtschaftliche Beziehung zu dem Präses der orthodoxen Landeskanzlei zur Genüge bekannt ist, beauftragt, was wohl beweist, dass der ungarischen Landsmannschaft die Absicht zu einem solchen Pamphlet vollständig ferne gelegen ist. Ich habe die Redaktion dieses Entwurfes vertrauensvoll Herrn Kopp übergeben, welcher mir versprach, mir denselben vorerst zur Durchsicht einzusenden. Herr Kopp hat dies aus mir unbegreiflichen Gründen unterlassen. Ich beschränke mich auf die Konstatierung dieser Tatsache, wonach also die Erklärung der genannten Herren als eine

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