Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 35 (26.8.1904)
- Date
- 1904-08-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 „bie * weit" Nr. 35 So konnte die Jahreskonferenz nicht nur die .ersten Massregeln ergreifen, die eine Sicherung der Fortführung unserer Arbeit bezwecken,, sondern auch bis zum nächsten Kongress einrProvisonum ^chaifen, das der Zustimmung aller unserer Gesinnungsgenossen sicher sein darf. ' Wir werden bis zum nächsten Kongresse keine einschneidenden Verfügungen treffen, weil wir der Meinung sind, dass dies erst die Aufgabe der unter Berücksichtigung der geänderten Verhältnisse Gewählten sein kann. Die wichtigste Frage, die augenblicklich die zionistische Oeffentlichkeit beschäftigt, die der Organisation, wird einer besonders eingehenden Prüfung unterzogen werden. Es sind uns bereits einige ernste Vorschläge überreicht worden. Wir werden nicht nur diese, sondern auch alle andern, die uns etwa noch vorgelegt werden sollten, genau erwägen, zur öffentlichen Diskussion stellen und dem Kongresse einen Entwurf unterbreiten, der, unter strikter Aufrechterhaltung der prinzipiellen Gesichtspunkte, der neugeschaffenen Situation Rechnung tragen soll. Zionisten! Wir sind uns der Schwere und Verantwortlichkeit unserer Aufgabe wohl bewusst. Wir wissen aber auch, dass alle Schwierigkeiten überwunden werden können, wenn unsere Eintracht und Disziplin gewahrt werden. An Euch ist es nun, unsere Arbeit zu einer erfolgreichen, unserer Bestrebungen und unseres verewigten Führers würdigen zu machen! Zionisten!. Wir rufen Euch zu verdoppelter Arbeit und Anstrengung auf! Wir erwarten, dass Ihr begeistert wie bisher Euere Pflicht tun werdet! An die Arbeit, Gesinnungsgenossen, an die Arbeit für die Erlösung unseres Volkes, unseresLandes! Das grosse Aktionskomitee. Die Jahreskonferenz/) Bericht des Kongressbureaus. 2. Tag. 18. August 1904. Vormittagssitzung. Es gelangt zunächst das Referat Professor Warburgs über das Ostafrikaprojekt zur Debatte. Im wesentlichen bestand diese aus Interpellationen: Welche Autonomie von der englischen Regierung eingeräumt wurde, wie das Land beschaffen sei, wann die Expedition sich auf den Weg machen könne, welche Zeit die Expedition zur Erforschung brauche, wie die Bevölkerung gegen die jüdische Einwanderung gesinnt sei, wie die Transportverhältnisse seien. Prof. Warburg gibt die entsprechenden Aufklärungen: Das in Frage kommende Gebiet liegt 5 bis 7 Kilometer nördlich von der Eisenbahn. Es ist zum grössten Teile dicht bewaldet und geht in ein Höhenplateau über. Das Land eignet sich teilweise für den Ackerbau, teilweise für die Viehzucht. Es liegt sehr hoch und bietet daher günstige klimatische Verhältnisse und ist fast so gut wie gar nicht bevölkert. Im vergangenen Jahre gab es ungefähr 500 Weisse, derzeit zählt man über 1500. Von der englischen Regierung wurde eine lokale Autonomie zugestanden. Es sind alle Bürgschaften dafür gegeben, dass die Juden auch die Verwaltungsämter übernehmen können. Selbstverständlich Juden, welche dem englischen Staatsverbande angehören. Die Transportverhältnisse sind günstig. Das beweist das Prosperieren der Gesellschaft in Nairobi, welche Kartoffelanbau treibt und dieselben nach dem Transvaal exportiert. Wie hoch sich die Kosten der Kolonisation stellen werden, hängt von der Art und Weise der Kolonisation ab. Die Expedition dürfte drei Monate zur Erforschung des Gebietes benötigen. Dr. Oppenheim e r ergänzt diese Aufklärungen: Die Kommission betrachtet ihre Aufgabe als eine rein wissenschaftliche. Es war zu untersuchen, ob das Land in klimatischer; landwirtschaftlicher, technischer Richtung geeignet sei. *) Vergleiche Nr. 3* „Die Welt". Es waren zu erforschen die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Möglichkeit des Importes und Exportes. Wird es möglich sein, eine zionistische Ansiedlung in grossem Umfange auf Grund der gegebenen Verhältnisse ins Werk zu setzen oder nicht?^ Nur mit diesen Fragen hat sich die Kommission beschäftigt. Alle anderen musste sie ausschalten in Gemässheit des Kongressbeschlusses. Der Bericht Warburg wird sodann mit Dank zur Kenntnis genommen. Zum weiteren Punkte der Tagesordnung ergreift der Vorsitzende Dr. T s c h 1 e n o w das Wort. Das A.-G. war der Ansicht, dass für die Zeit bis zum nächsten Kongresse ein Provisorium geschaffen werden müsse. In dieser Zeit sollen alle Fragen der Organisation studiert werden, damit man vorbereitet zum Kongresse komme, um dort dauernde Zustände zu schaffen. In Erkenntnis dieses Umstandes hat das A.-G., weil es nicht imstande war, die grosse Lücke, die der Tod Herzls in unseren Arbeiten gerissen hat, durch einen Mann zu ersetzen, eine Kommission gewählt, welche dem engeren A.-G. mit beratender und beschliessender Stimme zur Seite gestellt wird. Die Tätigkeit dieser Kommission wird darin bestehen, sich mit allen Angelegenheiten, die bisher in der Hand des engeren A.-G. lagen, vertraut zu machen, alle Dokumente zu studieren, alle Vorbereitungen kennen zu lernen und die weitere Arbeit der engsten Parteileitung zu bestimmen. In der ersten gemeinsamen Sitzung des engeren A.-G. und dieser Kommission wurden ferner die Herren Dr. Max Nord au, D. Wolffsohn, Dr. Katzene 1 söhn mit dezisiver Stimme kooptiert. Dieser Beschiuss wurde dem grossen A.-C. zur Genehmigung vorgelegt, dieses stimmte der Kooptierung bei. Nur in der Frage, welche Rechte diesen Herren einzuräumen seien, ob eine beratende oder eine beschliessende Stimme, wurde beschlossen, die Entscheidung der Jahreskonferenz vorzulegen. Des weiteren wurde auch Prof. W a r b u r g für diese Kommission in Vorschlag gebracht. Die Herren Dr. K a h n und Arch. Marmorek unterstützen die Annahme des Antrages des engeren A.-C. und der Kommission, da es notwendig sei, die