Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1904-08-12 · 33 (12.8.1904) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
33 (12.8.1904)
Date
1904-08-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316073-3316107--46030-3340864
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 33 „bi* & Weit11 Seite 13 Von Herzls Eigenart führende Apercus. Martin ßuber (Berlin) behandelt Herzls Verhältnisse Sur Historie, während Dr. Theodor 2 1 o c i s t i (Berlin) in feinsinniger Weise auf Grund zweier Porträts des Verstorbenen die grossen Wandlungen Zeichnet, die sein Schicksal an seiner äusseren Er* öclieinung vollzogen hat und wie er allmählich verblutet ist. Nicht ohne tiefe Rührung wird man die letzte literarische Arbeit Herzls (in Facsimile), ein Aufruf an die jüdische Jugend, lesen. Auch einige der feinsten älteren Arbeiten des feinsinnigen Künstlers Herzl findet man hier wieder, wie „Solon in Lydien", „Mauschel", „Die Menorah". Gegen fünfzig glänzend ausgeführte Illustrationen schmücken das vornehm ausgestattete Heft, von denen die meisten interessante Darstellungen aus dem Leben und Wirken Herzls bringen. Erschütternd wirkt die Reproduktion des neuesten grossen Gemäldes „Golus", von dem berühmten Maler Hirs z en b er g nebst zehn Einzelstudien^ zu dem* selben, von einem erklärenden Text begleitet. So bildet dieses Hefe an Inhalt und Ausstattung ein schönes und würdiges Denkmal der Pietät und der Erinnerung an den grossen Toten» Mit Rücksicht auf den beträchtlich erweiterten Umfang des vorliegenden Heftes wird dasselbe im Einzelverkauf zum Preise von Mir. 1.—, auf Kunstdruckpapier Mk. 1.50 abgegeben, —nz. Der theologische Verein der Hörer der isr.-theologischen Lehranstalt in Wien erlaubt sich hiemit, die P. T. Gemeinden auf seine Vereinsmitglieder, als Prediger für die hohen Feiertage aufmerksam zu machen und ihnen diese bestens zu empfehlen. Anfragen sind zu richten an den Präses, cand. theol. und phil. Heinrich Alperin, Klosterneuburg-Kierling, Lenaugasse 7. Todesfall. I J. Weissberg. Die Reihen lichten sich. Wiederhat die hebräische Literatur den Verlust eines Mannes zu verzeichnen, der Jahrzehnte in ihren Diensten stand und Erspriessliches geleistet hat. In Kiew starb am Mittwoch den 3. d. M. der hebräische Schriftsteller I s a k Jakob Weissberg im Alter von 64 Jahren. Nebst einer Eeihe von grösseren und kleineren Brochuren publizistischen und historischen Inhaltes, schrieb Weissberg sehr viele lesenswerte Aufsätze in hebräischen Zeitschriften über Erziehungsfragen, die er als Lehrer in ausgezeichneter Weise behandelte. Er gab eine Briefsammlung des Dichters Gor don in zwei Bänden heraus, veröffentlichte eine Briefsammlung I. B. Löwensohns und trotzdem er als Hebräist der alten Schule der Puristen angehörte, denen die biblischreine Sprache Hauptsache war, verschmähte er es nicht, die Volksliteratur zu pflegen und schrieb auch mehreres im Jargon. Er befasste sich erfolgreich mit Exegese der Bibel und des Talmuds und kritisierte zahlreiche neuerschienene Werke, wobei er stets mit grosser Entschiedenheit die Korrektheit der Sprache in den Vordergrund seiner Anforderungen stellte und so aus dem Neuhebräischen rechtzeitig manche sprachliche Unzulässigkeit entfernte, die von übereiliger Neuerungssucht in unverantwortlicher Weise versucht wurde. Dem hebräischen Unterrichte leistete er damit grosse Dienste, dass er neuerschienene Unterrichtsmethoden mit gründlicher Sachkenntnis prüfte und gefundene Fehler energisch bekämpfte. M. B. Feuilleton. Dr. Herzl in Palästina. Wie sehr die grossen Massen des jüdischen Volkes dem grossen Führer der zionistischen Bewegung anhänglich waren, beweist auch die Liebe und Treue, welche die Juden Palästinas Herzl gegenüber an den Tag legten. Ich war vor kurzem in Palästina und konnte mich nicht darüber wundern, dass gerade der Name Herzls in unserem historischen Lande so beliebt ist, fast als heilig gilt. Gab es doch grosse jüdische Männer, die für das Land — wenigstens in praktischem Sinne — mehr als Herzl getan haben; Männer, deren Arbeit unvergängliche Spuren in Erez Israel gelassen hat. Erez Israel hatte doch einen Baron Rothschild, der dem Lande Millionen geopfert und noch heute ihm Millionen zuführt. Erez Israel hatte einen Montefiore, der die grössten Opfer brachte für die Ausgestaltung und Verbesserung des Lebens der dortigen Juden* Und doch gilt den Juden Palästinas der Name Herzls viel mehr als die Namen dieser grossen Zionsfreunde. Man kann sich kaum vorstellen, wie rührend man mir, beispielsweise in R e c h o b o t h die Details von Herzls kurzem Aufenthalte in dieser Kolonie schilderte* Die Kolonisten errichteten ein Triumphtor und der ganze Weg von dem Tor bis zum Hause, wo Herzl wohnte, war mit Blumen bestreut Zu beiden Seiten der Strasse standen die Kolonisten und Arbeiter in wohlgeordneten Reihen, junge und alte; kein Kind blieb zu Hause zurück* Alle wollten ihn sehen— den grössten, edelsten Führer des jüdischen Volkes. Und Herzl? Als er die Kolonisten sah, weinte er, veigoss er Tränen der Freude beim Anblick des kleinen Häufleins Juden, die ein freies Leben auf heimischem Boden führen. Auch die Bewohner von „Rischon" können den Besuch Herzls nicht vergessen. Ich erinnere mich jetzt nicht mehr aller Details, die man in Rischon von Herzls Besuch erzählte; an eines denke ich aber, dass man nicht aufhörte, von ihm zu sprechen, auch als ich dort war. In dem Buche, wo so viele fremde Besucher in Rischons Keller ihre Namen einzutragen pflegen, fand ich einige Zeilen von Herzl, kernig und inhaltsreich, schön und elegant in der Form, wie es eben nur Herzl konnte. In der kleinen Kolonie M o z a in der Nähe von Jerusalem hatte ein Kolonist das Glück, dass Herzl in seinem Weingarten eine Cypresse pflanzte. Dem Kolonisten gilt der Baum als Heiligtum, zu dem er stolz und überglücklich jeden Besucher von Moza führt. Der Baum ist wunderbarer prächtig gediehen und aufgeschossen. Meine Frau pflückte einige Zweige von diesem Baume, die in unserem Hause das Bild des so traurig dahingeschiedenen Herzl zieren. Fahrt ihr in Gesellschaft eines Juden von Rischon nach Jaffa, so wird euch dieser mit dem Finger hinweisen auf den Ort bei Mikweh-Israel, wo Herzl vor dem deutschen Kaiser stand; hier — wird er euch stolz erzählen — blieb der Kaiser mit seiner ganze Suite stehen, um Dr. Herzl freundlich zu begrüssen und mit ihm ein freundliches Gespräch zu führen. Grösser noch als die Liebe zur Person Herzls ist in ganz Palästina das Vertrauen zum jüdischen Führer, zu allem, was er gesagt und getan hat. Ich gestehe, dass ich bei meiner Anwesenheit in Palästina dieses ungeheuere Vertrauen zu Herzl bekämpft habe. Als ich aber die dortigen Juden fragte, weshalb sie denn gegen die neugegründete Organisation so energisch protestirten, sagten mir alle einhellig: Wir sind getäuscht worden. Man sagte uns, U s s i s c hkin, Etlinger und Drujano w seien zu uns im Einverständnis mit Herzl gekommen; nun aber ergibt sich aus Herzls in der „Welt" gedruckten Antwort an Ussischkin, dass Herzl mit der Arbeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.