Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 33 (12.8.1904)
- Date
- 1904-08-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 „bi* & Welt" Seite 3 Freunde! Wir danken den Männern, welche unserem Führer durch die nationale Erziehung sein er Kinder ein dauerndes Denkmal setzen wollen, denn sie haben das öffentlich ausgesprochen, was uns alle bewegt. Die Kinder Theodor Herzls, die um unseretwillen so früh den liebevollen Berater und Führer verloren haben, sollen wissen, dass das ganze Volk die Fürsorge übernommen hat, die er ihnen nicht mehr gewahren kann, An ihnen hat sein Herz gehangen mit einer Liebe, wie sie wohl selbst in jüdischen Häusern selten ist. An ihnen hängt unser Herz, sind sie es doch, die uns als lebende Erinnerung an ihn zurückgeblieben sind. Jedes jüdische Haus muss das Haus seiner Kinder sein, darum ist es unsere erste und heiligste Aufgabe, die Zukunft der Kinder Herzls sicher zu stellen. Wir wollen dafür Sorge tragen, dass sie im Sinne und nach dem Willen ihres Vaters erzogen werden zu guten Juden und Helfern an dem grossen Befreiungswerke ihres Volkes. Hierbei dürfen wir auf die tätige Mitwirkung der Mutter, wie sie in ihrer Kundgebung zum Ausdruck bringt, mit Sicherheit zählen. Darum darf von keiner anderen Sammlung oder Stiftung die Rede sein, bis dieses Ziel gesichert ist. Die schönste und würdigste Herzl - Stiftung bleibt ja doch die öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk, an welcher wir unentwegt arbeiten. Brüder und Schwestern! Beweist eure Liebe zu unserem Führer und seinen Kindern, damit sie rechtzeitig erkennen, dass im jüdischen Volk keine Tugend höher geschätzt wird, als die der Dankbarkeit. Ein jeder gebe nach seinem Vermögen. Werktätige Liebe misst man nicht nach Zahlen. Herzl selbst hätte es nie getan. Sein höchster Stolz war ja die Liebe des armen, arbeitenden Volkes. Aber an den Spenden wird man die Menge derer erkennen, deren Herz voll darüber ist, von unserer Riesenschuld ein winziges Teil abzutragen. Indem wir so den ehren, der unsere Ehre vor den Königen und Völkern neu hergestellt, ehren wir uns selbst. Wir werden inniger verbunden mit dem grossen Toten, wenn wir ein Teil seiner Sorgen übernehmen dürfen. Brüder und Schwestern! Leitet allenthalben unverzüglich die Sammlungen unter unseren Gesinnungsgenossen ein, damit die Welt sehe, wie wir unseren Führer ehren. . Köln, den 31. Juli 1904. Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland: Dr. Bodenheimer-Köln, Vorsitzender. Dr. Adler- Lübeck, Stadtrat, Dr. Elias - Mülhausen i. E.5 Dr. Frank- Altona, Assessor Dr. Friedemann-Wiesbaden, Rechtsanwalt Gronemann - Hannover, Rechtsanwalt Dr. Hantke - Berlin, Dr. phil. Halpern-München, M. Kaufmann, prakt. Arzt, Freiburg, Dr. Alfred Klee-Berlin, Dr. Julius Moses-Mannheim, Hugo Schachtel - Breslau, Gustav WoJff-Köln, D. Wolffsohn-Köln, Dr. Theodor Zlocisti-Berlin. * sjc * Ein Komitee von Krakauer Zionisten, mit Dr. Thon an der Spitze veröffentlichte unseren Aufruf betreffs der Sammlung eines Nationalgeschenkeß für die Kinder Dr. Herzls in polnischer Uebersetzung. Dem Aufrufe sind folgende Worte hinzugefügt: „Wir vermitteln diesen Aufruf in der Ueberzeugung, dass das jüdische Gewissen heute bereits so empfindlich ist, dass es .sieh seiner Pflicht gegenüber der Familie des Dahingeschiedenen bewusst ist, und wir gehenl'nicht fehl in der Annahme, dass jeder, der noch jüdisch denkt und jüdisch fühlt, bereitwilligst, in voller Würdigung der aussergewöhnlichen gemeinnützigen Tätigkeit des seligen Theodor Herzl, diesen Aufruf beherzigen wird. Er wird damit ein Werk der Selbstachtung erfüllen, der Achtung des jüdischen Volkes, für das Herzl gelebt hat und gestorben ist". Für das Krakauer Komitee: Rabbiner Dr. Osias Thon, Dr. Leon Ader, Dr. Ludwig Goldwasser, Heinrich Hilf st ein, Mendel Pamm, Dr. Zwi Hermann S y r o p, Dr. Samuel Wahrhaftig. Trauerfeiern. M.-Ostrau. Der sabbatliche Gottesdienst am G. August gestaltete sich zu einer würdigen Trauerfeier für Dr. Theodor Herzl. Die Gemeinde war überaus zahlreich erschienen, unter anderen sämtliche jüdische Korporationen. Herr EabbinerDr. Jakob Spira hielt dem Dahingeschiedenen einen tief empfundenen Nachruf im streng-zionistischen Sinne. Er pries Herzl als einen Mann, der vor allem die Jugend dem Judentume wieder nahe brachte, einen zweiten Moses, der Ost und West geeint und den Namen Jude zum Ehrennamen machte. Des weiteren entkräftete der Redner die Einwürfe unserer Gegner, dass der Zionismus eine Utopie sei,, gegen Patriotismus Verstösse, etc., und forderte zum Schlüsse der überaus kernigen, glanzvollen Ausführungen die hiesigen Juden auf, keiner unfruchtbaren Trauer zu huldigen, sondern tatkräftig für den Zionismus zu arbeiten, und so unserem Führer das schönste Denkmal zu errichten. Das Verdienst, in unserer Hochburg der Assimilation so tapfer für den Zionismus eine Lanze gebrochen zu haben, wird Herrn Rabbiner Dr, Jakob Spira nie vergessen werden dürfen. Körösmezö. Die Trauerfeier wurde hier von der Kultusgemeinde veranstaltet und fand am 25. Juli statt. Herr Rabbiner Bergmann aus Ribnik-Sarat, Sohn des hiesigen Rabbiners, hielt die ausgezeichnete Gedenkrede Herr Rath-Kolomea hielt eine anfeuernde Ansprache» Trauerpsalmen beschlossen die Feier. Endingen, Die Nachricht von dem allzufrühen Hinscheiden unseres grossen Führers, Dr. Theodor Herzl, erfüllte auch die hiesige jüdische Gemeinde mit tiefer Trauer. Auf Anregung der Zionisten wurde von der Kirchenpflege sofort die Abhaltung einer Trauerfeier in der Synagoge beschlossen. Leider konnte dieser ßeschluss nicht ausgeührt werden, da die meisten Endinger Juden nur Samstags zu Hause sind, an einem Tage, der sich für eine Trauerfeier nicht eignet. Als Ersatz dafür hielt Herr Lehrer Schachnowitz im Schulhause über Dr. Herzl einen Vortrag, zu dem die ganze jüdische Gemeinde eingeladen wurde. Der geräumige Saal war bis auf den letzten Platz von Herren und Damen, sowohl Zionisten als Nichtzionisten, gefüllt. Auch die Kirchenpflege war vollzählig erschienen. In tiefdurchdachten und gefühlvollen Worten entwarf uns der Redner ein klares Bild von der Persönlichkeit und der Tätigkeit Dr. Herzls. Er schilderte ihn als Menschen, Schriftsteller, Juden und Zionisten. Den Schweizer Juden sei das grosse Glück beschieden worden, Herzls Tätigkeit in nächster Nähe bewundern zu können. Als echter Jude habe Herzl im Zionismus nicht allein das nationale, sondern auch das religiöse Moment stets betont und hochgehalten. Als echter Jude habe er im Zionismus gewirkt, als solcher sei er auch gestorben. Friedrichstadt. Trotzdem unser Rabbiner sich weigerte, unserem verstorbenen Führer einen Nachruf zu widmen, veranstalteten die hiesigen Gg. eine Trauerfeier. Die Synagoge war überfüllt, die Geschäfte wurden geschlossen. Ergreifende Trauerreden hielten die Herren Abr. Taitz und Mordechai Schatz. Petersburg. Am 6./19. Juli a. c. hielt der Zionisten verein „Esrau in Gegenwart von 80 Mitgliedern und Gästen eine Trauerfeier für Dr. Theodor Herzl ab. Es wurden mehrere