Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 32 (5.8.1904)
- Date
- 1904-08-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 „bie & w^it" Seite 13 Die P. T. Einsender werden ersucht von Ganzsachen die eingedruckten Maiken nicht auszuschneiden, da sie dadurch ganz wertlos werden. Wir bitten die Gg. uns österreichische Nachporto- Marken, sowie würtembergisehe Marken einzusenden, da wir für selbe einen Käufer haben. Für die Philatelie-Abteilung der Nationalfonds- Comission: A. Taglicht. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Chovevei Zion Association in Cork dem Andenken des Dr. Theodor Herzl . . . . Ffd.Strl. 10.— Bnei Zion in Chorol........... Kronen 240.— Degei Jehuda in Dubussary........ „ 240__ Die Zionisten in Turnu Magurele zur Eintragung Dr. Herzls........... „ 244.40 Ahawath Zion in Neutra zur Eintragung Dr. Herzls............... „ 246.31 Samlung in Drohobycz, den Sterbetag Dr. Herzls einzutragen........... „ 290.22 Dr. Selman Ochsman in Kamenetz Podolsk „ 252.— Erster zion. Verein in Kamenetz Podolsk trägt seinen Kassier Jacob Kahn ein . . „ 252.— Samuel Schon* in Lemberg......... „ 257.05 We1t=<SbFooi1i. Die Nationalfonds-Marke — obligatorisches Postwertzeichen in Palästina. Aus Palästina wird berichtet: Bekanntlich besitzen mehrere Grossmächte, darunter auch Oesterreich-Ungarn in der Türkei eigene Postämter und zwar teils infolge der UnzuverläRsigkeit der türkischen Post, teils und hauptsächlich weil eigene Postämter im Orient für die betreffenden Staaten ein politisches Machtmittel darstellen. Unter den einzelnen Postämtern herrscht daher eine grosse Konkurrenz. So hat Russland, um die jüdischen Interessenten zu gewinnen, einen Juden als seinen Postmeister in Jerusalem angestellt, dasselbe Russland, das zu Hause unter keiner Bedingung Juden zu Staatsämtern zulässt. Die türkischen Behörden hingegen haben, um die Juden zur Benützung ihrer Post zu veranlassen, sogar Poststempel mit hpbräischen Buchstaben herstellen lassen. Die österreichische Postverwaltung hat nun den jüdischen Kolonisten vorgeschlagen, die österreichische Post zu benützen und zu diesem Zwecke in jeder Kolonie einen Vertrauensmann zu ernennen, bei dem die Postsendungen hinterlegt werdpn sollen. Als Aequivalent hiefür erbot sich die österreichische Post, die Korrespondenz der Kolonien untereinander gratis zu befördern. Die jüdischen Kolonisten gingen auf die österreichischen Vorschläge ein, nur stellten sie die Bedingung, dass auf jeder Sendung aus einer Kolonie eine Nation alfonds-Marke seitens des Absenders aufgeklebt werde, was von der österreichischen Post akzeptiert wurde. Auf diese Weise gilt in den jüdischen Kolonien in Palästina die N.-F.-Marke als vollwertiges österreichisches Postwertzeichen! Fortschritte in Palästina. Mr. D i cks o n, amerikanischer Konsul in Jerusalem, hat in seinem Berichte über den Zustand des Handels in Palästina im Jahre 1903 ein sehr günstiges Urteil über den gegenwärtigen Stand und ebenso über die Entwicklungsmöglichkeiten Palästinas abgegeben. Es erhellt daraus, dass die wirtschaftliche Lage Palästinas sich bedeutend gebessert hat. Am meisten tritt die Besserung in Jerusalem hervor. In und um die Stadt Jerusalem wurden neue Gebäude errichtet, eine bessere Verbindung mit den östlichen Provinzen des Jordangebietes wurde hergestellt. Die Bemühungen, die Damaskus—Mecca-Strecke vorwärts zu bringen, hat bereits auf die Lage der Provinzen in der Nähe der syrischen Wüste einen günstigen Einfluss ausgeübt. Es ist ebenfalls geplant, drei oder vier Dampfer auf dem Toten See zu piazieren und sollte dieses Projekt verwirklicht werden, so könnte Jerusalem bald ein Verteidigungszentrum für Palästina, Südsyrien und Nordarabien werden, wie es Alpppo für Nordsyrien ist. Der Export steigerte sich im Jahre 1903 bedeutend (762,110 Pfund gegen 608.940 Pfund im Jahre 1902), ebenso der Import (405.550 Pfund gegen 439.775 Pfund im Jahre 1902). Der Zustand der Agrikultur im letzten Jahre war sehr gut. Die Ernte war reichlich, besonders in den Küstenebenen. Am besten gediehen die Orangenpflarzungen und die Weinberge. Es wäre der Ansicht des Konsuls nach sehr gut neue Orangenpflanzungen in einer Entfernung von 15 oder 20 Meilen von Jaffa anzulegen. Dazu wäre eine tüchtige Verwaltung und ein Kapital von 10.000 Pf. nötig. Ein sehr günstiges Urteil fällt der Referent über die jüdischen Kolonien in Palästina. Er meint, es sei Aussicht vorhanden, i;ie Pflanzung von Baumwolle in Palästina wieder einzuführen, da Palästina dem ßreitegrade und der Seehöhe nach für dieses Produkt sich vorzüglich eignet. Mr. D i c k s o n teilt auch verschiedene andere Projekte und Vorschläge mit, zum Beispiel die Herstellung zitier Eisenbahnverbindung zwischen Jerusalem und Betlehem, worüber mit der Pforte verhandelt wird. Er rät auch, die Möglichkeit einer Ausfuhr des palästinensischen Weines nach Amerika zu studieren. Im allgemeinen sind die Ausführungen des Konsuls sehr befriedigend. Proteststudenten. Die Essegger kroatischen Akademiker mosaischer Konfession, wie sie sich vorsichtig nennen, veröffentlichet» folgende Resolution : 1. Die Essepgtr kroatischen Akademiker mosaischer Konfession, die sich mit allen politischen und kulturellen Bestrebungen der kroatischen Nation identifizieren, verurteilen auf das schäifste die Agitation einiger ihrer Kollegen gleicher Konfession, die unter der Flagge „Zionismus und jüdischer Nationalismus" eine dem kroatischen Geist gegnerische politisch* Strömung propagieren, und so die Mitglieder der mosaischen Konfession unseres Vaterlandes völlig der kroatischen Sache zu entfremden streben. 2. Desgleichen prot^sti^rm die Versammelten pegen das Vorgehen des Präsidiums der israelitischen Kultusgemeinde in Ess^gg, das die Gemeinderäumlichkeiten den Verbreitern der zionistischen Strömung zum Zwecke von Agitationsv^rsamm Jungen zur Verfügung stellte. — Gefertigt ist diese Zuschrift von den Studenten: Samuilo Weiss, Richard und Louis Kraus, Josef Abrahamsohn, Josef Horn. Alfred Bachrach, Julius Kaiser, Viktor Rottmann, Mirko Frank, Karl Zwieback, Friedrich Schwarz, Heinrich Fischer, Richard Schleyen und Otto Schwarz. — Diese Phrasen sind nun schon etwas abgeschmackt und werden, wie alle diese langweiligen Stilübungan, uns weiter kühl lassen. Zu bedauern ist nur. dass akademische Bürger sich dem Kampf ihres eigenen Volkes für Freiheit und Ehre gegenüberstellen, noch dazu mit Verleumdungen und feigen Hetzereien. Woher nehmen denn die Leute den Mut zur Behauptung-, dass der Zionismus dem Kroatentum feindlich sei? Hoffentlich werden unsere Gg. in Essegg dieses Vorgehen anzunageln wissen. Eine interessente Reminiszenz. Jüngst fiel uns die Kandidatenliste zur Generalversammlung des Vereines „Ceskych akadem.Zi iü" aus dem Jahre 1876 in die Hand. Vorsitzender war damals J. U. C. Leopold Katz und in den Ausschluss wurde unter anderen J. U. St. Adolf Stränsky gewählt. Sowohl der Vorsitzende als auch der erste Au?sehuscmann liessen sich taufen. Kommentar überflüssig. Statistik der Juden in London. Der Magistrat von Gross- London hat soeben den Jahresbericht für das Jahr 1902 veröffentlicht. Im Berichtsjahre sind 33.060 Fremde in London eingewandert, darunter 21.013 Russen und Polen und 1016 Rumänen. Diesen Einwanderern steht einp grosse Zahl von jüdischen Auswanderern gegenüber, denn seit 1896 hat sich die Zahl der Fremden in London bloss um 58.300 vermehrt, was einer durchschnittlichen Einwanderung von 8526 gleichkommt. Damit ist die Lpgende von den „vielen Zehntausenden" in England einwandernden „Russen und Polen* endgiltig abgetan. Die Gesamtzur ahme der Fremdenbevölkerung Londons belief sieh von 1881 bis 1891 auf 34. 0t, von 1892 bis 1901 auf 40.321. (Im Jahre 1893/94 überstiegen die Ziffern der Auswanderer die der Einwanderer sehr beträchtlich.) Die Geburtsziffem erreichten in Stepney mit 37.91 pro Tausend gegen nur 17.9 in Westminster den höchsten Promillesatz. Aber auch die Todesziffern waren mit 21.5 gpgen de-) Durchschnitt von 18.1 in ganz London sehr gross. Zur Erhöhung der Sterbeziffern in Ostlondon hat die grosse Kindersterblichkeit sehr wesentlich beigetragen. Unter den Erwachsenen wütet die Schwindsucht, der von 100.000 Einwohnern 188 erlagen« Auffallend gering sind dagegen in Stepney die Todesfälle infolge von Krebs. Auf 100.000 Seelen kamen da nur 21 Krebsfälle vor, gegen 71 in der City von London. — Fast