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Die Welt · 1904-08-05 · 32 (5.8.1904) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
32 (5.8.1904)
Date
1904-08-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „bi^-weit Nr. 32 schwindende Ausnahmen alles — verreist war. Dass die Synagoge selbst zur Verfügung gestellt wurde, ist den freundlichen; Bemühungen des Herrn Theodor Oschinsky zu danken. Memel. In der alten Synagoge fand am 14. Juli eine Trauergedächtnisfeier statt, welche sehr zahlreich besucht war. Nach Abhaltung der Liturgie gedachte Herr Kaufmann Strunin in einstündiger Rede der Taten des grossen Ver*- ewigten und verstand es, mit seinen zu Heizen dringenden Worten die ergriffen lauschende Zuhörerschaft tief zu bewegen. Nach Beendigung der Trauerrede wurde eine Sammlung für die Herzlstiftung veranstaltet, an der sich alle Anwesenden beteiligten. Ein Gebet beschloss die würdige Feier. Tilsit. Am 24. Juli veranstaltete die „Tilsiter zionistische Vereinigung* im schwarz dekorierten Saale des Hotel „Kaiserhof eine sehr zahlreich besuchte Trauerfeier. Herr Kantor Schidorowsky sang Psalm 48, worauf Dr. Hoppe-Königsberg die tiefempfundene Gedenkrede hielt. Mit dem »El mole rachamim" schloss die ergreifende Feier, der auch Rabbiner Dr. Ehrlich beiwohnte. Die „Tilsiter Allgemeine Zeitung8 brachte die Gedenkrede im Auszuge in einem fünf Spalten füllenden Feuilleton. Die Nationalfondbüchsen bringen reichen Erfolg, die Inner arbeit wird jetzt energisch betrieben. Sebastopol. Am 30. Tage nach dem Tode Herzls versammelte sich in der grossen Synagoge eine grosse Menschenmenge, um das Andenken des Verstorbenen zu feiern. Es wurde der „Ner-Tomid% die Seelenlampe aufgehängt, was, dem Vorschlage der Sebastopoler Zionisten gemäss, alle Zionisten tun sollten, um dem Nationalfonds eine neue Einnahmsquelle zu eröffnen. Die Trauer- Rede hielt Dr. L. N. Kogan. Er hob die Bedeutung Herzls hervor, die Bedeutung seiner Epoche und meinte, die Zionisten. denen es vergönnt war, Herzls Zeitgenossen zu sein, müssen das Verantwortlichkeitsgefühl für die Fortsetzung und die Weiterentwicklung des zionistischen Ideals haben. Botosani. Am 7. Juli wurde auf Veranlassung der Sektion Basel-Zion in der grossen Synagoge ein Trauergottesdienst in Anwesenheit der hervorragendsten Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde, welche sich sonst als keine Zionisten bekannten und einer vieltausendköpfigen Menschenmenge abgehalten. Eabbiner Z. M. Landau hielt eine wirkungsvolle, von echtestem zionistischen Geiste durchwehte Gedenkrede, die einen ergreifenden Eindruck auf die Menge machte. Die Geschäftslokale waren während des Gottesdienstes zum Zeichen der Trauer geschlossen. Am Vormittag desselben Tages sprach auch Hr. Adolf Wahrmann hier in der israelitischen Knabenschule vor einer sehr grossen Menschenmenge von der Bedeutung unseres teueren Verblichenen. Bakau. Auch in unserer Stadt war die Trauerfeier am Bestattungstage unseres unvergesslichen Führers von besonderer Weihe. Zwischen 4,/a_61/, nachm. waren sämtliche Geschäfte gesperrt. Alle Handwerker verliessen ihre Arbeit, und alles strömte in dichten Scharen zur grossen Synagoge, wo das ai^m k^jq von den Herren Kantoren Jakob Segal und ßernh. Hellsingher in ergreifender Weise vorgetragen wurde. Die Trauerreden hielten Herr J. Balter und Herr E. A. Teller. Auf dem Almemor war das schwarz umränderte Bild Dr. Herzls angebracht. Die rnjö-Wand und die Türen der Synagoge waren schwarz drapiert. Ausser der viel hundertköpfigen Menge, welche die Synagoge kaum fassen konnte, waren die Schüler der israelitischrumänischen Knabenschule, mit Trauerflor am Arme, samt ihrem Lehrer erschienen. Unsere Sektion hat die Sammlung der zur Eintragung Dr. Herzls ins goldene Buch des Nationalfonds nötigen Summe veranlasst. Braila. Die Nachricht vom vorzeitigen Ableben Doktor Theodor Herzls hat in den jüdischen Kreisen Brailas einen niederschmetternden Eindruck gemacht. Dementsprechend waren auch die Trauerkundgebungen ausserordentlich. Am Tage des Begräbnisses fanden im grossen Tempel und in der grössten Synagoge der Stadt gleichzeitig Gottesdienste statt. Beide Gotteshäuser waren buchstäblich überfüllt, und viele Hunderte mussten draussen stehen. An diesen Gottesdiensten nahmen der Kultusvorstand und sämtliche Vereine teil. Im Tempel sprach Doktor Moscovitz, in der Synagoge Isak Agent. In beiden war die Trauer unaussprechlich, Alt und Jung weinten während des „El mole rachamim". Während dieser Zeit waren sämtliche jüdische Geschäfte geschlossen. Am Abende vor Tischah-be-Ab wurden im Tempel und in den vier grössten Synagogen der Stadt nach der Kinoth zionistische Reden gehalten, die wieder den Tod unseres unvergesslichen Führers zum Thema hatten. — Sonntag den 24 Juli wurde von den vereinigten zionistischen Vereinen der Stadt eine grosse Gedenkfeier veranstaltet. Dieselbe fand in einem grossen öffentliches Lokale statt. Bei dieser Feier fiel besonders die grosse Anzahl von Frauen auf.*) Die Feier in dem entsprechend dekorierten Saal nahm folgenden Verlauf: 1. „Dort, wo die Ceder", Orgel. 2, Gelegenheitsgedicht. Vorgetragen von dem zehnjährigen Seidner. 3. Isak Agent: Moses und Herzl. 4. Mediziner Schorr: Apotheose Herzls. 5. A. Hechter: Unsere Pflicht für die Zukunft. 6. Dr. Moskovitz: Das Nationalgeschenk für Dr. Herzls Kinder. 7. Gedicht. 8. Orgel. — Anstatt Telegrammen sendete der Verein „Erez [Israel* Kondolenzschreiben an Frau Dr. Herzl und das engere A.-K. Jedes Schreiben war von einem Bogen N.-F.-Marken begleitet. In ähnlicher Weise verfuhren die Vereine: „Makkabeii" „Th. Herzl" und „AI- Marmorek". — Die Sammlungen für das Nationalgeschenk werden in den nächsten Tagen beginnen. Belgrad. Der unersetzliche Verlust, welcher das Judentum betroffen, hat dargetan, dass hiei alle Juden ohne Ausnahme Zionisten sind. Erwägungen praktischer Natur, kurzsichtige Utilitäfcspolitik und Voreingenommenheit haben es bisher nicht vermocht, das Zionsideal aus den jüdischen Herzen auszumerzen. Dasselbe ist wach und vibriert vernehmlich bei jeder gewaltigen Erschütterung der jüdischen Volksseele. Herzls Tod war eine solche Erschütterung. Das ganze Volk empfindet schmerzlich den grossen Verlust, und wir alle ohne Unterschied unserer Stellung zu Herzls politischem Programme beweinen ein Nationalunglück. Würdevoll und ergreifend war auch die Trauerandacht für Dr. Theodor Herzl, welche der Belgrader Zionsverein am Sonntag den 11/24. Juli in der alten Synagoge veranstaltet hat. Das schwarz drapierte Gotteshaus war trotz der tropischen Hitze überfüllt. Der rühmlichst bekannte jüdische Gesangverein trug die Trauerpsalmen unter Leitung des Herrn Jacques Davitcho mit Empfindung und Weihe vor. Nun führte Dr. Alcalay die Bedeutung des toten Führers für ganz Israel aus und gelobte seinem erhabenem Vermächtnis Treue. Kein Auge blieb dabei tränenleer. Es sei noch erwähnt, dass der Vorbeter des hiesigen deutschisraelitischen Tempels seinen sephardischen Berufskollegen beim Trauergottesdienst assistiert hat. Auch wohnten viele angesehene Mitglieder der deutsch-israelitischen Kultusgemeinde der Trauerandacht bei. Im allgemeinen sind die Beziehungen zwischen der grossen sephardischen Gemeinde von Belgrad und derjenigen der deutschen Juden nichts weniger als freundschaftlich. Aber Herzls Name genügt, um das Bewusstsein, dass wir Brüder sind und ein einig Volk *) Sämtliche jüdische Institutionen waren durch Delegierte vertreten.

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