Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 31 (29.7.1904)
- Date
- 1904-07-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 31 „bi$ * W$lt" Seite 5 Zur praktischen Arbeit aber werden unsere Kräfte ausreichen. Noch ist Israel nicht ganz verwaist Selbstbewusstsein müssen wir dem Volke beibringen, Selbstbewusstsein im nationalen Sinne. Das Volk muss immer zum politischen Denken, zur freien Selbstbetätigung erzogen werden. Und dann können wir hoffen, dass man vom Döblicger Friedhof die Asche dessen überführen wird, der »die Schwerter uns gab*. Und bis dahin heisst es arbeiten, rastlos, zielbewusst. A. Coralnik. Trauerkundgebungen/) Der tiefe Schmerz, den das Hinscheiden Herzls bei tausenden und abertausenden Freunden geweckt hat, äussert sich in den Depeschen und Beileidszuschriften, die bei der Familie des Verblichenen, beim Aktionskomitee und bei der Redaktion der „Welt« eingetroffen sind und noch Tag für Tag anlangen. * * * Moskau. Die hiesigen Zionisten haben folgende Beschlüsse gefasst: 1. Es sei der Wunsch auszudrücken, dass die Leiche des Dr. Herzl auf Nationalkosten nach Palästina überführt werde, 2. Es möge ein Kapital zum Zwecke der Verewigung des Namens „Dr. Herzl" in Palästina gegründet werden, an dem wir uns mit einer Spende von 25.O0C Francs beteiligen. 3. Heuer soll hier am 9. Ab eine besondere Trauerfeier stattfinden. 4> Es sei der gesamten Organisation vorzuschlagen, alljährlich das Andenken des Namens des Verewigten am Nationaltrauertage, Tischo-Beaw, zu erneuern. Tschlenow. Sofia, 16. Juli 1904. An das löbl. zion. Aktionskomitee Wien. Nach langer, tiefer Trauer schworen wir bei der Thora Mosis, dem Zionismus ewig treu zu bleiben, und sowie Dr. Herzl uns ein nationales Testament zurückgelassen hat, auch unseren Kindern testamentarisch aufzutragen, die Gebeine unseres Theodor Herzl nach Palästina zu überführen. Auf zur Arbeit! O. Salomon. Wir erhalten folgende ergänzende Mitteilungen vom Grand Rabbin de Bulgarie: Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen mitzuteilen, dass unter den Juden Bulgariens die Trauer um das grausame Hinscheiden unseres geliebten Führers eine allgemeine ist, und dass die Gemeindevorstände sich offiziell an den Trauerkundgebungen beteiligen. Ich habe Ihnen bereits in meinem Telegramm von Dienstag kurz mitgeteilt, dass ich nach Empfang der Trauernachricht ein Rundschreiben an sämtliche Kultusgemeinden des Fürstentums sandte, worin ich sie vom schweren Verluste benachrichtigte, der das gesamte Judentum betroffen, und anordnete, dass am Sonntag, den 10. d. M., in sämtlichen Synagogen des Landes Trauergottesdienste für Herzl abgehalten werden. In Sophia wurden am 11. Juli im sephardischen und aschkenasischen Tempel sehr zahlreich besuchte Trauergottesdienste abgehalten, beide von mir zelebriert. Der sephardische Kultusvorstand hat in offizieller Form die Einladungen versendet und ausserdem angeordnet* dass am nächsten Samstag in allen Synagogen der Stadt ein vom Stadtrabbiner Chacham D. P i p a n o verfasstes Seelengebet vorgetragen werde. Die gestern in spagnolischer und deutscher Sprache hier gehaltenen Gedenkreden (Redner: ich, Stadtrabbiner Pip an o, Prediger Dr. Rabbiner) wurden von der andächtigen Menge unter allgemeinem Schluchzen angehört. Ueber die Veranstaltungen in der Provinz laufen in der Kanzlei des Grossrabbinats unaupgesetzt telegraphische und briefliche Meldungen ein. Dr. Ehrenpreis Grossrabbiner von Bulgarien. Kiew. Mittwoch den 1. Ab fand hier im Hause des Herrn Zlatopolski eine Rayonsitzung statt, auf welcher ein Bericht über die im ganzen Rayon stattgefundenen Trauerkundgebungen und Seelenfeiern erstattet wurde. Hierauf wurde über eine Stiftung zum Andenken des verstorbenen Führers beraten, Es wurden verschiedene Anträge gestellt. Herr Zlatopolski beantragte eine von der Regierung genehmigte Sammlung von 250,000 Pres, zur Gründung einer Kolonie, die den Namen „Herzl" tragen soll, während Herr Rabinowitz wünschte, einen solchen Betrag zur Gründung einer Hochschule in Palästina aufzubringen. Es wurde der Antrag Zlatopolskis angenommen, jedoch mit der Korrektur, dass die Höhe des gesammelten Geldes vorläufig nicht bestimmt werde. Mit der Exekutive dieses Antrages wurde ein Komitee betraut, in welches gewählt wurden die Herren : Prof. Mandelstamn], Zlatopolski, Dr. Mandelberg, Mazur, Machower, Dr. Gurewitsch, Dr. Holowtschiner, Rabinowitz und Roset. Im Namen der kaukasischen Bergjuden erhielt unsere Redaktion ein tiefempfundenes Beileidschreiben mit rührendem hebräischen Wortlaut. Das Schreiben schliesst mit einem Gebete, es möge Herzls letzter Wunsch ebenso in Erfüllung gehen wie einst das Vermächtnis Josefs, dass seine Gebeine in das freie ,Heimatland überführt werden. Unterschrieben sind die Herren Matwiej Bogatyrew und Salomon Marduchajew, die bekannten Delegierten vom 6. Kongresse. Die Trauerversammlung des Oest. L.-K. Am 6. Juli hielt das L.-K. eine feierliche Trauerversammlung ab, bei der Herr Dr. Krenberger Herrn Dr. Herzl einen ergreifenden Nachruf hielt, den die Anwesenden stehend bewegt anhörten. Hierauf wurde beschlossen, den Todestag des geliebten Führers (20. Tamuz) in Oesterreich für immer als National trauertag festzusetzen. Weiters wurde beschlossen, die Gg. in Oesterreich zu Sammlungen für eine Herzl-Kolonie aufzufordern. Mit Rüchsicht auf den Aufruf des A.-K. zu Sammlungen für ein Nationalgeschenk an die Kinder Herzls, ersuchen wir unsere Gg. zunächst für diesen letzteren Zweck eifrigst zu sammeln. Die Wiener Kultusgemeinde wies die übliche Bezahlung der Taxen für den Trauerkondukt Dr. HerzFs zurück, da sie es sich nicht nehmen lassen wollte, dem grossen Sohn dieser Gemeinde auf Kosten derselben ein Ehrenbegräbnis zuteil werden zu lassen, Damit hat sich die Gemeinde selbst geehrt. Herr Rabbiner Dr. Gr un w al d gab in einem rührenden Briefe an das A.-C seiner tiefen Trauer ob des Verlustes Dr. Herzl's Ausdruck. * * * Ausser den bereits in der „Welt" veröffentlichten Kondolenzen liefen ein, aus: Wien: Tief erschüttert von der traurigen Nachricht erlaube ich mir im Namen der Redaktion des „Jüdischen Volksblattes" in kollegialer Weise einer löblichen Redaktion mein Bedauern über dengrossen Verlust, den das jüdische Volk durch den Tod Herzls erlitten hat, auszudrücken. Sein Name wird in der Geschichte des jüdischen Volkes fortleben. Dr. Leo Sofer. Wien: Das Hinscheiden Ihres allgemein hochgeachteten Präsidenten Herrn Dr. Theodor Herzl veranlasst uns, unser innigstes Beileid zu übermitteln. Mit ausgezeichneter Achtung: »Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk": Jakob Kraus, M. Pappenheim, Obmann- Stellvertreter. Wien: Löbl. Zion. Akt.-Komitee. Wien! Das Ableben Dr. Th. Herzls erfüllt gewiss jedes jüdische Herz und ins-