Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 30 (22.7.1904)
- Date
- 1904-07-22
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18 „bis & W^lt" Nr. 30 storbenen Dr. Theodor Herzl gelangte dieser Kummer zum Ausdruck. Die erste Trauerfeier für den Verewigten wurde trotz der späten Abendstunde von Tausenden von Aüdächtigen besucht. Pinsk. Die „Nowosti" melden aus Pinsk: Allgemeine Trauer herrscht in der Stadt aus Anlass des Todes Dr. Theodor H er zl s. Der Kummer des jüdischen Volkes ist unbeschreiblich. Während der Trauerfeier für Herzl in der Hauptsynagoge schluchzte die vieltausendköpfige Menge ergreifend. Die Geschäfte waren geschlossen. Dünaburg. In der grossen Synagoge wurde eine Trauerandachtfür Dr.Theodor Herzl abgehalten. Das Gotteshaus war überfüllt. Potschtep. Die ganze jüdische Bevölkerung der Stadt wohnte der Trauerfeier bei, welche für Dr. Theodor H e r z 1 veranstaltet wurde. Wie die „Nowosti* melden, entsendete die Gemeinde an die Familie des Verewigten telegraphisch eine Beileidskundge bung. Hornel. Am Tage des Begräbnisses Dr. Theodor H e r z 1 s wurden in allen Synagogen Trauerfeiern abgehalten. Die jüdischen Geschäfte waren zum Zeichen der Trauer geschlossen. Brief aus Odessa, Die Trauer um unseren vorzeitig gestorbenen geliebten Führer Dr. Th. Herzl dauert fort. Alle Zionisten, wie auch Antizionisten sind schmerzgebeugt. Zweimal täglich finden in der schwarzdrapierten Synagoge Jawne Trauerfeiern für Herzl statt. Die Synagoge ist immer voll von Menschen. Bei der Erwähnung des teueren Namens Herz ls weinen alle in der Synagoge. Herzl war von allen hiesigen Zionisten, wie auch vom ganzen jüd. Volke vergöttert. Die lokalen Zeitungen widmen dem Andenken Herzl s täglich grosse Artikel, die vom Publikum mit einem ungewöhnlichen Interesse aufgenommen werden. Das hiesige zionistische Zentrum hat den Verkauf verschiedener Erinnerungszeichen an Herzl veranstaltet. Der Absatz ist enorm. Es wurde ein Komitee zur Sammlung für den Herzlfond organisiert. Man hofft, viel Geld zu sammeln. Das Volk wartet mit Ungeduld auf d^n Beginn der Saaimlungen. Alle sind bestrebt, ihr S<»herfMn zur Verewigung unseres teueren unvergesslichen Meisters beizutragen. Viele Vereine sammeln auch für die Eintragung Dr. Herzls ins goldene Buch. Als unser Rayonsvorstand Dr. Sapir von Wien nach Odessa zurückkehrte, kamen zu ihm alle hiesigen Zionisten und lauschten seinen Erzählungen über die traurigen Ereignisse und alle weinten wie Kinder. Unter den Zionisten herrscht vollständiger Friede und Einigkeit. Das Andenken an den geliebten Meister hat alle vereinigt. Alle begannen aufs eifrigste zu arbeiten. Man bringt volles Vertrauen den Handlungen des Aktionskomitees entgegen. Alle sprechen jedoch den Wunsch nach der baldigsten Einberufung eines Kongresses aus. Ja, der grosse Herzl ist in der Diaspora gestorben. Der Zionismus wird aber erst in Zion sein Ende finden. Herzl ist tot, aber der politische Zionismus lebt! S. S a 1 tz m a n n. Berlin. An die Berliner zionistische Vereinigung Z. H. des Herrn Dr. A.Klee: Ihre gefällige Einladung vom 5. d. Mts. ist wahrscheinlich durch ein Versehen der Post erst am 10. d, Mts. in unsere Hände gelangt, so dass wir zu unserem Bedauern nicht mehr in der Lage waren, der Trauerfeier für Dr. Theodor Herzl beizuwohnen. Zu dem schweren Verluste, den Sie durch den Tod dieses hervorragenden Mannes erlitten haben, sprechen wir Ihnen unser herzliches Beileid aus. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde : M. Simo n. Freiburg L B. Die Trauerfeier für Dr. Herzl wurde am 10. d., vormittags, 11 Uhr, unter zahlreicher Beteiligung im Betsaale der israel. Gemeinde abgehalten. Herr Rabbiner Dr. L e w i n, sowie fast der gesamte Gemeindevorstand waren anwesend. Der Verein Jüd. Studenten war vollzählig erschienen. Herr Kantor Sommer leitete die Feier durch Rezitation des Psalms Michtom le Dovid ein; darauf hielt Herr Julius Simon, Mannheim, die tiefgefühlte und ergreifend wirkende Trauerrede. Daran schloss sich das El mole rachamim und mit einem Kaddisch endigte die erhebende Feier. Beuthen 0. S. Als beredter Ausdruck tiefster Ergriffenheit und herzlichster Anteilnahme an dem schmerzlichen Verlust unseres grossen unvergesslichen Herzl darf die Trauerfeier gelten, die der Vorstand der hiesigen Ortsgruppe Montag den 11. d. M. 81;8 Uhr abends im „Deutschen Hause" in dem vom Besitzer Herrn Weiss würdig dekorierten grossen Saale abhielt. Die Beteiligung war sehr zahlreich. Als Vertreter des Gemein de-Vorstandes war der Präses Herr Amtsgerichtsrat Levy erschienen. Ebenso hatten die Vorstände der Ortsgruppen aus den umliegenden Städten ihre Deputierten entsendet. Nach einigen einleitenden Woiten des zweiten Vorsitzenden Herrn Lesser brachte das Vorstandsmitglied Herr Lewandowski in wirkungs- und stimmungsvoller Weise den Trau^rgesang „O Herr was ist der Mensch, dass du seiner gedenkest", im Urtext zu Gehör, worauf der erste Vorsitzende Herr Kopiowitz das Podium betrat, um der Versammlung in scharfen Umrissen das Lebensbild unseres heimgegargpnen Führers zu entrollen. Was H^rzl als feinsinniger F^uilletonist, als geistsprühender Dramatiker und besonders als Organisator und unermüdlicher Kämpfer tür die zionistische Bewegung geleistet, wurde den Hörern in fesselnder Weise vor Augen geführt. Unter gerechter Würdigung der hervorragenden seltenen Charaktereigenschaften beleuchtete der Renner mit feinem Verständnis das im innersten Wesen des Verstorbenen wurzelnde Gefühl kindlicher Liebe zu seinen Eltern, aus dem das potenzierte Empfinden für das grosse, unermessliche Leid und das tausendjährige Weh seines Voik s entsprang, Em grosser Sohn seiner Eltern und noch grösserer Sohn seines Volkes wird sein Andenken fortleben unter den Geschlechtern. Möge sein verehrungswür tiges Wesen zum Nacheifern diejenigen anspornen, die das Er be übernehmen, sein grosses Werk fortzusetzen, und das jüdische Volk zu dem von ihm angestrebten Ziele zu führen. An diese warm empfundene Rede schloss sich der Vortrag des in altjüdischer, ergreifender Weise rezitierten Psalms „JMichtom le Dovid" des CantorLöbund das „El mole rachamim* an, das die würdige Trauerfeier beschloss. Mainz. Die hiesige zionistische Ortsgruppe ehrte das Andenken unseres grossen, unvergesslichen Dr. Theodor Herzl durch eine am Dienstag, den 12. Juli, abends in der Liedertafel veranstaltete erhebende Trauerfeier. Dr. Schauer hielt die Trauerrede. Selbst tief ergriffen, verstand es der Redner, seinen Zuhörern ein Bild der erhabenen Grösse Herzls vor Augen zu führen und dem Schmerze aller Zionisten um dessen Heimgang einen rührenden Ausdruck zu verleihen. Die Allen tief zu Herzen gehende Rede klang in ein Gelöbnis der Treue aus. Rabbiner Dr. Salfeld widmete dem grossen dahingeschiedenen Führer in Israel warme Worte des Nachrufs. — Kantor Nussbaum sang ein hebräisches und ein deutsches Trauerlied. Ein Gebet und das Kaddisch beschlossen die würdig verlaufene, gut besuchte Feier. Bremen. Unsere Ortsgruppe veranstaltete heute Abend eine Gedächtnisfeier für unseren grossen verewigten Führer Dr. Herzl. In unserem zu diesem Zweck schwarz dekorierten Vereinssaal stellten sich eine sehr grosse Anzahl Mitglieder