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Die Welt · 1904-01-01 · 29 (1904) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
29 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Nr. 29 „bi* # w^i t Seite 17 Wohl aber muss es anerkannt und ausgesprochen werden, dass unser hingeschiedener Glaubensbruder Theodor Herzl, mit allem Feuereifer, dessen nur eine den edelsten Regungen offeneMenschenseele fähig ist,mitallerLiebe für seine Stammesgenossen, wie sie nur ein wahrhaft gutes Herz empfindet, mit aller ihm in so hohem Masse eigenen Begabung in Rede und Schrift, mit dem ganzen ihm eigenen Zauber seiner Persönlichkeit für seine Ideale eintrat. Er sah die Verfolgung, die Leiden seiner Stammesbrüder; er sah den schweren Druck, unter dem sie seufzen, dort in jenen Barbaren-Ländern des Ostens und Nordens, über welchen noch die schwarze Nacht des Fanatismas und Vorurteils lagert* wo die Sonne der Humanität, der Aufklärung, der religiösen Toleranz noch nicht aufgegangen ist; er sah die Kränkungen und Bedrückungen, unter denen sie leiden — auch iu Mittel-Europa, auch bei unsin Oesterreich. Und wenn ihm da das Herz warm wurde, wenn er, ein Dichter, ferne Zukunftsgebilde in die Nähe gerückt zu erschauen wähnte, wenn er heilige, geschichtliche Erinnerungen und daran sich knüpfende Hoffnungen in den schwer belasteten Gemütern erweckte und stärkte, wenn er unsere Jugend unserem Bunde erhielt; wenn wir, die Alten — trotz allem und allem — dies sahen und erkannten und das alles sich heute in unserer Erinnerung zusammendrängt, dann ersteht vor unserem Auge in hellleuchtendem Glänze das Bild des Verklärten. Unbeirrt in uuseren Ueberzeugungen und Anschauungen und den Wegen, welche wir zu wandein haben, rufen wir ihm die Profeten-Worte nach : Deine Ruhestätte ist die Ehre. Da3 Andenken des Gerechten sei gesegnet. * * * Während der „Schiwa"-Tage versammelte sich täglich im Hause Herzls ein „Minj an". Als Vorbeter fungierten Herr S. Samuely und Herr E* Torczyner. * * * Trauergottesdienste fanden noch statt: In Duisburg (Gedenkredner Harry Epstein); in Kolin, wo Rabbiner Dr. Raphael Gugenheimer und Kantor M. Lamberg den Gottesdienst leiteten; im Leopoldstädter-Tempel in Wien. * , * * Wien. Samstag am 9. d. M. hielt die akad. Verbindung „Kadimah" in ihrem Vereinslokale eine Trauerfeier für Dr. Theodor Herzl ab. Anwesend waren Gründungspräses Dr. M. T. Schnirer, A.-C. Mitglied O. Kokesch, sämtliche inr Wien weilende A. H. A. H., ferner alle Aktiven und Inaktiven. Die Trauerrede hielt Bb. Präses jur. Ernst Schubert. Er würdigt die Bedeutung Herzls für das jüdische Volk, für die jüdische Studentenschaft und fordert alle Bb. Bb. auf, ihre besten Kräfte für die Zukunft ihres Volkes zu opfern und im Geiste Herzls fortzuwirken. Hierauf ergriff Dr. M. T. Schnirer das Wort, „Ich halte es nicht für unpassend, die Beziehung zu erwähnen, welche die „Kadimari" zur Tätigkeit Herzls im zionistischen Sinne gehabt hat. Wenn es wahr ist, dass j^der hervorragende Mann seiner Zeit den Stempel seiner Persönlichkeit aufdrückt, so ist es andererseits auch nicht minder wahr, dass die meisten Persönlichkeiten das Produkt ihrer Zeit sind. Und dieses allgemeine Gesetz kann auch in diesem Falle seine volle Anwendung finden. Als in den 80er Jahren die grossen Judenverfolgungen in Russland begonnen hatten und ais Leo Pinsker in seiner „Autoemanzipation* die erlösenden Worte in die Welt geschickt hatte, da gab es wenige gebildete Juden im Westen Europas, die den nationalen Gedanken erfasst und gepflegt hätten. Dieser Verbindung, der „Kadimah", gebührt das unsterbliche Verdienst eine nationale Bewegung unter den Juden des Westens entfacht zu haben; von hier aus hat sich die Bewegung im Westen fortgepflanzt. Wenn auch nicht unmittelbar veranlasst, so doch von diesem Hauche erfasst, hat Herzl seinen , Judenstaat" geschrieen. Und noch in einer anderen Beziehung steht unsere Verbindung mit der Tätigkeit Herzls im zionistischen Sinne im engen Zusammenhang. Als Herzl seinen „Judenstaat" geschrieben hatte, da war es ein alter Kadimahner, nämlich der Gründungspräses und unser A. H. Dr. Kokesch, die sich zu Herzl begaben und ihn veranlassten, sein Projekt auch auszuführen. Ich erinnere mich ganz genau, dass er sagte: „Ich bin der Architekt, die Baumeister mögen die andern sein, ich habe den Plan gegeben, ausführen mögen ihn andere." Wir haben in ihn gedrungen, und es mag nicht unbescheiden klingen, wenn wir das Verdienst in Anspruch nehmer, ihn bewogen zu haben, tätig in die Bewegung einzugreifen und ihr aufzuhelfen. Als Herzl in die Bewegung trat, da war es wieder in erster Lir ie die „Kadimah", aus deren Mitte ihm die treuesten und verlässlichsten Mitarbeiter erwuchsen. Und dieser Umstand legt gerade uns die Pflicht aufs in diesen trüben Zeiten für unsere Bewegung einzutreten und jeder Kadimahner mö#e Herzls Andenken dadurch heilig halten, dass er gelobe, für die Idee weiter zu leben, für welche Herzl starb." Hiemit war die Trauerfeier zu Ende. * * * Feiice Ravenna, Ferrara, teilt folgende Beschlüsse der „Federazione Slonistica Italiana* mit: 1. Die Föderation wird ein Jahrlang die Trauer anlagen. 2. Die Föderation wird durch ihren Präsidenten den Vorschlag machan, dem seligen Theodor Herzl ein Denkmal in Palästina zu errichten. 3. Die Federation wird einen ehernen Kranz auf sein Grab legen. 4. Man wird alle italienischen Vereine einladen, öffentliche Gedächtnisfeiern zu veranstalten. 5. Man wird dem Aktionskomitee, den Familien des grossen Abgeschiedenen Beileidschreiben mit Anzeige der von der Federation getroffenen Massregeln schicken. Ferner teilt Feiice Ravenna m;t, dass von allen Teilen Italiens hervorragende Zionisten, Privatleute, Jüdische Un i v er s i tä, Beileidsbezeugungen geschickt haben. * * * Moskau. Die hiesigen Zionisten haben folgende Beschlüsse gefasst: l. Es sei der Wunsch auszudrücken, dass die Leiche des Dr. Herzl auf Nationalkosten nach Palästina überführt werde. 2. Es möge ein Kapital zum Zwecke der Verewigung des Namens „Dr. Herzl" in Palästina gegründet werden, an dem wir uns mit einer Spende von 25.000 Francs beteiligen. 3. Heuer soll hier am 9. Ab eine besondere Trauerfeier stattfinden. 4. Es sei der gesamten Organisation vorzuschlagen, alljährlich das Andenken des Namens des Verewigten am Nationaltrauertage, Tischo-Beaw. zu erneuern. Tschlenow. * * * Dubno. In der Synagoge fand ein Trauergottesdienst statt. Redner H. Aschkenas. Es wurde beschlossen, dem Fonds, der die Ueberführung Herzls nach Palästina bewerkstelligen soll, 500 Francs zu widmen. Halperin. * * * Vaslui. Trauergottesdienst abgehalten. Subskription veranstaltet zur Errichtung eines Denkmals in Rischon- Lezion. Es wurde beschlossen, dass alle Söhne, die heuer g e b o r e n w e r d e n, den Namen Theodor Herzl bekommen poUpp.

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