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Die Welt · 1904-01-01 · 29 (1904) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
29 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 29 „bis * weit" Seite 7 sammelten Volke in glänzendster Sprache und beredten Worten. Eg zeigt den uahistorischen Sinn unserer Zeit, ihn einen Utopisten zu nennen, der ein vorausschauender Seher, ein die Zukunft bahnender Held war. Er besass den Mut, die Judenfrage zu formulieren, die Geschicklichkeit, sie vor das geeignetste Forum zu bringen. Und fragt das edle Banausentum nachdem Erfolge, hier ist er : Der Zionismus ist die Judenfrage, der Zionismus ist die Vertretung des Judentums. H e r z 1 ist unersetzlich. Aber wir wären nicht Männer und nicht unseres grossen Vorkämpfers würdig, wollten wir nicht von der Bahre weg die neuen Bahnen suchen, auf denen wir wandeln müssen, um ohne ihn seine Ziele zu erreichen. Ich glaube seinen Mahnruf aufsteigen zu hören: Auf mein Volk zu frischem Tun! Wir dürfen nicht rasten und erlahmen, denn es gilt, unsere Kräfte zu prüfen. Er war unser Vorkämpfer; wir müssen seine Kämpfer sein. Er gab uns Ideale, wir müssen sie zu verwirklichen suchen. Er war unser Vorbild, wir müssen ihn nachahmen. Er war aber mehr als wir alle. Daher müssen wir alle ihn, den einzigen und einzelnen, zu ersetzen trachten. Darin liegt die Lösung der unser harrenden Aufgaben. In geschlossener Einigkeit und angespannter Arbeit haben wir die Lehren Herzls zu verbreiten und zu verwirklichen. Im Namen der österreichischen Organisation darf ich es zu sagen wagen, dass wir Treue dem Andenken, den Werken und den Lehren Herzls bewahren werden. Uns wird der politische Zionismus heilig sein, wir sind die Hüter von Herzls Grab, wir müssen trachten, es bald in Palästina aufzurichten. Wir empfingen seinen unmittelbarsten Unterricht. Uns legt die Zugehörigkeit zur zionistischen Bewegung besondere Pflichten der Treue, des Fleisses und der Dankbarkeit auf. Jeder einzelne und die Gesamtheit wird sich dies vor Augen halten. Ich erneuere daher vor den Tausenden unseres Volkes den Treuschwur für den politischen Zionismus und leiste das Versprechen, mit ganzer Kraft nach seiner Verwirklichung zu streben. « Mr. Cowen (englisch): Mesdames Jeanette und Julie Herzl, Hans Herzl! Meine Damen und Herren! Sir Francis Montefiore, der Grossneffe von Sir Moses Montefiore, bat mich letzten Montag, als ich London verliess, einen Kranz auf Herzls Grab zu legen, was ich hiermit tue. Z a n g w i 11 bat mich am Abfahrtsbahnhofe in London, Frau Herzl zu sagen, „dass Herzl nicht gestorben ist? weil er unsterblich" und seit dem schrieb er mir: „Die Lehre die, aus seinem Tode zu ziehen ist, ist — seine Kraft nicht zu verschwenden." Greenberg, welcher wegen eines Krankheitsfalles in seiner Familie nach England zurückkehren musste, bat mich sein Bedauern auszusprechen, an dieser Feier nicht teilnehmen zu können. Professor Gottheil aus New-York, der durch Krankheit in Wildungen in Württemberg zurückgehalten ist, telegraphiert Folgendes : „Bitte Versammlung Sonntag innigste Teilnahme auszusprechen. Als Freunde betrauern wir einen geliebten Bruder, als Zionisten einen erlauchten Führer. Gott gebe uns Kraft, sein und seines Volkes Arbeit in seinem Sinne weiterzuführen. Gott heil." Reverend Wise aus Portland am Oregon in West- Amerika sendete folgende Depesche aus Engelberg in der Schweiz: „Krankheit hindert mich, unter Euch zu weilen. Meine beste brüderliche Sympathie den trauernden zionistischen Genossen. Herzl hat für ewige Zeiten zum Wohle seines Volkes gearbeitet. Er hat um das zukünftige Geschick Israels sich gesorgt und dasselbe vor Königen und Regierungen vertreten. Er gab uns sich selbst und ihm eine grosse Sache. Wir trauern um ihn, aber wir erben auch seine Aufgaben, sein Wille muss ausgeführt werden." Stephen Wise. Es hat einen Engländer gegeben, der auf dem Kontinente nicht unbekannt ist und der hiess Shakespeare. Ich will mich nicht mit irgend einem Charakter in seinen Werken vergleichen, aber ich will nur zitieren : „Begraben will ichCäsarn, nicht ihn preisen. Was Menschen Uebles tun, das überlebt sie, Das Gute wird mit Ihnen oft begraben.tf So wird es nicht bei Herzl sein, denn wir sind Juden und nicht alte Römer. Gestern wurde in jeder Syn agoge von Gross-Britannien und Amerika geweint und zu Gott gebetet für Herzl und das jüdische Volk. Heute wird in vielen Kirchen Gross- Britanniens und Amerikas der Hingang Herzls betrauert. Christen und Juden der ganzen Welt trauein um Herzl, denn er war im wahrsten Sinne des Wortes ein frommer Mann. Ich, der ich von ihm manches wusste, so lange er am Leben war, kenne ihn nun noch viel mehr, seitdem er tot ist. Und wenn während seines Lebens vielleicht bezweifelt werden konnte, dass er ein frommer und gottesfürchtiger Mann sei, so ist es nunmehr, da er nicht mehr da ist, unmöglich, daran zu zweifeln. Er war einer von jenen, welche Gott begnadet hat, das Unsichtbare, Fernliegende zu sehen. Möge Gott ihn und uns in seinen Schutz nehmen. Wrenn ich ein Redner wäre, würde ich sagen : „Habt Ihr Tränen bereit, so ist es jetzt Zeit, sie zu vergiessen." Aber ich bin nur ein bescheidener Kaufmann, wie es solche in London zu Tausenden gibt und sage bloss: „Wir kennen unsere Pflicht, wir werden sie ausführen." Ich habe die Wahrheit gesprochen. Des jüdischen Volkes Zukunft hängt an der Wahrheit. Die Wahrheit ist gross und kommt immer zum Siege. Dr. Klee: Meine lieben Freunde! Als wir hineingesenkt hatten in die Erde, was sterblich ist von unserem Herzl, da zitterte in uns allen nur ein Gefühl nach: Dank, heisser Dank dir, du teuerer Verklärter, für alles das, was Du uns gegeben. Und in dieser Stunde, wo wir hier versammelt sind, da darf ich im Namen tausender deutscher Zionisten diesen Dank erneuern: Dank, heissen, innigen Dank für alles das, was du uns gegeben. Und nicht nur im Namen derer, die sich um die blau-weisse Fahne bei uns geschart, auch im Namen vieler deutscher Juden, die nicht mit uns gehen, die aber doch die historische Grösse dieses Mannes anerkennen, dessen Zeitgenossen ihn nicht ganz zu würdigen wissen. Am ersten Zionistentage in Deutschland, es war in Frankfurt am Main, sprach einer unserer Freunde von Herzl das Wort des Maleachi: Dass er Elia3, dem Profeten, gleiche, der da bestimmt sei, das Herz der Eltern zurückzuführen zu allen Kindern. Meine lieben Freunde! Elias, das ist der gute Genius unseres Volkes, der lebendig wird, wenn es not tut, und diesmal ist er lebendig geworden in unserem Benjamin, ist lebendig geworden in ihm, der durch die nationale Idee, die er in unsere Herzen gepflanzt hat, die Herzen der älteren zurückgeführt hat zu den jungen und die Herzen der Jungen zu den Alten. Ost und West — ein jüdisches Volk! Meine verehrten Anwesenden! Unter den tausend Telegrammen, da hab ich eines gesehen, es kommt aus einem kleinen russischen Städtchen. Es heisst: Mut! Mut! Mut! Und das war das schönste Telegramm. Dass sie geweint, gejammert und geklagt, das brauchen sie uns nicht mitzuteilen, dass sie aber soviel Herzl'schen Geist besassen, in diesem Augenblicke zu schreiben: Mut! Mut! Mut! Das zeigt uns, wie tief sein Geist Wurzeln geschlagen in uns. Und nun

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