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Die Welt · 1904-01-01 · 29 (1904) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
29 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Seite S fi bie * w^it ii Nr. 29 ^t) das jüdische ^oll<! Jl^cidei3! cb^^stei3!?! Unser grosser Führer hat uns verlassen. Er war zu uns gekommen, um uns zu helfen, mit seinem ganzen Herzen, mit "seiner ganzen Seele und mit seinem ganzen Vermögen, Seit neun Jahren schenkte er täglich, stündlich dem jüdischen Volke mit einer Freigebigkeit, zu der sich nur die Liebe einer so hochgestimmten, reinen Seele wie der seinigen erheben kann, alles, was ihm zu Gebote stand. Ein endloses Opfer auf dem Altare seines Volkes, bis er sich selbst zum Opfer gebracht hatte. Seine ungeheure Kraft, seine kostbare Zeit, sein ganzes Denken und Fühlen gehörten seinem Volke. Selbstlbs, wie er war, erntete er nicht nur keinen Vorteil für sich, sondern gab auch sein Hab und Gut hin mit einer Freudigkeit, die keine Grenze und keine Berechnung kannte, mit einer Freudigkeit, die so zart und unauffällig war, dass nur die Allernächsten von der Grösse seines Tuns eine Ahnung haben konnten. Alles ging ihm in der Liebe zu seinem Volke auf: Familieninteressen, Tageserfordernisse, Zukunftssorge. Herzl lebte nur einem Ziele: der nationalen Auferstehung, der Erlösung seines Volkes. Jetzt erst erglänzt vor unserem Auge seine Lichtgestalt in all' ihrer Reinheit. Wir wissen und wir bezeugen es, dass Herzl rein, wie er gelebt, von dieser Welt schied, bar jedes selbstischen Gedankens, bar jedes Strebens nach persönlichem Vorteil, rein wie der Tau auf dem Gipfel des Hermon. Alle zivilisierten Völker pflegen ihre grossen Männer nach deren Tode durch Staatsbegräbnisse, prunkende Denkmäler, hohe Pensionen an die Hinterbliebenen, Erziehung der Kinder auf Staatskosten und ähnliche ungewöhnliche Auszeichnungen zu ehren. Der wahrhaft grosse Sinn Herzls war äusserlichen Ehren abhold. Prunkvoile Feiern, Denkmäler aus Erz verbieten sich daher von selbst. Aber eines ist sicherlich nach seinem Sinne: dass seine Kinder wissen, dass sie unser sind, dass sie gelehrt werden, das jüdische Volk mit derselben glühenden Liebe zu umfassen, wie er selbst es getan. Deshalb halten wir es für unsere heilige Pflicht, für eine Ehrenpflicht des ganzen jüdischen Volkes, den Kindern zu geben, was ihnen der Vater, uns zu Liebe und uns zum Nutzen, entzogen hat. Theodor Herzls Kinder sollen ein Nationalgeschenk erhalten, so gross, dass sie zu edlen Menschen und freien Juden erzogen werden können. Des ganzen jüdischen Volkes Kinder sollen sie sein! Ein jeder von uns gebe nach seinen Kräften und seiner Liebe zu dem grossen Toten! Wie er unser Vater war und uns zur Nation erzog, so soll die Nation nun seine Kinder lieben und erziehen! Wir haben daher beschlossen, einen Aufruf an alle Juden, vor allem aber an sämtliche Zionisten, Einzelne und Korporationen, zu erlassen, damit sie zum Sammeln. Es soll ein Fonds geschaffen werden, der in der jüdischen Kolonialbank in London, der Bank des jüdischen Volkes, hinterlegt werden wird. Es ist unser aller Wunsch, dass nicht nur die Reichen, sondern alle Juden sich beteiligen, dass es ein wahres Nationalgeschenk werde. Keine Spende, und sei sie noch so klein, darf uns zu gering dünken, denn heilige Pflicht ist es unserem Volke, seinen toten Führer und in ihm sich selbst zu ehren. Wir zweifeln nicht, dass jeder Jude* jede Jüdin, wo immer sie seien, unserem Rufe, der gebieterischen Forderung der Ehre, folgeleisten, dass sie ihre Pflicht tun werden. $aticr)al§escbet)H fär die Rinder des ©1*. flerzl

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