Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 28 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 „bie weit" Nr. 28 bürg, Lodz, Lemberg, Kischinew, Köln, Frankfurt a* MM Brüssel, Belgrad, Sophia, Rustschuk, Galatz, Bukarest, Heidelberg, Bern, Genf, München, Breslau, ferner aus allen österreichischen Städten, Abordnungen der Wiener Zionistischen Vereine, und zwar Studentenvereine: Kadimah, Unitas, Ivria, Libanonia, Makkabäa, Bar Kochba, Bar Giora, Erez Israel, Jordania, Theologia, Leo Pinsker, Lesehalle, Esperanza. Bürgervereine: Zion Wien, Zion Innere Stadt, Zion Leopoldstadt, Parterstrasse, Zion Landstrasse, Zion Wieden-Margarethen, Zion Favoriten, Zion Fünfhaus. Arbeitervereine: Allgemeiner Arbeiterverein, Verein jugendlicher Arbeiter III. Ortsgruppe, Handelsangestelltenverein, E. W. jüdischer Turnverein, Turnverein Zion Fünfhaus, Gesangsverein Zion Fünf haus, Männergesangsverein ,,Schir Zion", Erster Wiener zionistischer Frauen verein, Mädchenvereine Moria, Hadassa, Bikurj Ghaulim, Zionistischer Frauen-u. Mädchenverein Fünfhaus» Ferner Deputationen der Veritas (Brünn), Bar Kochba (Prag), Poale Zion (Lemberg u. Krakau), Hasmonaea (Berlin), Bund Jüd. Korporationen (V, J. St. Charlottenburg) etc. Weiters waren erschienen Abordnungen der Zeitschriften „Lemberger Tagblatt", Budapester „Zsido Neplap", Petersburger „Tog", Warschauer „Hazofe", Petersburger „Woschod", „Jüdisches Volksblattw, „Jüdische Volksstimme", „Jewrejskaja Schisnj", „Hazefira", Warschau, „Wschöd", Lemberg, „Generalanzeiger des Judentums", Berlin, „Corriere israelitico", Triest, „Odesskija Nowosti", Odessa, „Fraindu, Petersburg etc. Der Leichenzug bewegte sich längs der Haizingerstrasse, dann über die Gottagegasse, Prinz Eugenstrasse, an der Türkenschanze vorbei, über die Hochschulstrasse zum neuen Döblinger Ortsfriedhof. All die Tausende Leidtragender folgten zu Fusse trotz der sengenden Hitze und der ermüdend langen Strecke. Vor der Leichenhalle hielt der Trauerzug. Der Sarg wurde, allen sichtbar, beim Eingang auf eine niedere Bahre gestellt. Die Trauergebete wurden bei lautloser Stille all der Tausende verrichtet, und dann setzte sich der Zug in der nämlichen Ordnung zum Grabe in Bewegung. Die Mitglieder des Aktions-Komitees hoben den Sarg uud trugen ihn zu der Gruft, in der bereits der Vater Herzls ruht. Die nächsten Freunde des toten Führers, die so oft in seiner Nähe geweilt hatten, Dr. M. T. Schnirer, Professor Dr. Leon Kellner, Dr. Siegmund Werner, A. H. Reich, Dr. Erwin Rosenberger, Dr. J. Schalit, ferner Rektor Dr. A. Schwarz, Direktor Reicherifeld und einige Studenten, die die letzte Totenwache gehalten, lösten sie ab. Dann wurde der Sarg in die Gruft gesenkt. Das Weinen der Umstehenden war herzzerreissend, als die Mutter Herzls in Ohnmacht fiel und seine Frau am offenen Grabe niedersank. Direktor D. Wolfsohn sprach dann mit erhobener Stimme im Namen der Freunde und Zionisten: „Du hast nicht gewollt, dass an deinem Grabe Reden gehalten werden. Dein Wille ist uns heilig, aber schwören wollen wir, dass wir das von Dir begonnene Werk mit allen unseren Kräften fortführen werden, schwören wollen wir, dass wir Deinen Namen stets heilig halten werden und Dich nie vergessen werden, so lange noch ein Jude auf Erden lebt. In dieser schweren Stunde wollen wir den Schwur wiederholen, den Du auf dem letzten Krongresse schwurst: ts" nrwi D'fw^ yizwx „Wenn ich dein vergesse, Jerusalem, verdorre meine Rechte!" Mit hocherhobener Hand hatte Hans, Herzls Sohn, den Eid mitgeschworen und dann begann er weinend und unendlich rührend: Jis gadal wjiskadasch schmeh rabo.. ♦ Wer bisher noch die Fassung bewahrt hatte, verlor sie in diesem Augenblicke. Durch die Tausende, die ihrem toten Führer das letzte Geleite gegeben hatten, ging ein lautes Weinen. Von Freunden geleitet, wurden die Angehörigen Herzls vom Grabe entfernt, zu dem sie immer wieder zurückzukehren suchten. Dann rollten die Schollenauf Herzls Sarg und die Defilierung des ungeheueren Trauerzuges begann. Aber während die ersten Trauergäste bereits den Friedhof verliessen, strömten noch immer neue Scharen zum Gottesacker. So schläft nun Theodor Herzl in seiner Gruft, bis wir sein Testament erfüllen und ihn heimbringen werden ins Land seiner Sehnsucht, ins Land der Väter. Trauerkundgebungen. Die unbegrenzte Liebe und Verehrung, die II e r z 1 allüberall erweckt hat, tritt in den Bcileidszuschriften und Depeschen zutage, die beim Aktionskomitee, bei der Familie des Verblichenen, bei der Redaktion der „Welt" und bei seinen Freunden eingelangt sind und noch täglich eintreffen : Seine Majestät der König von Italien sendet folgende Depesche: Racconigi-Reggia. Le roi mon auguste souverain en recevant la triste nouvelle de la mort du docteur Herzl a bien voulu nie charger d'etre aupres de vous et vos collegues interprete de ses remerciments pour votre aimable empressement ä son egard et de ses venez sinceres condoleances pour la perte bien grave que vous venez de faire de votre eminent chcf qui sa majeste eut le plaisir de eonnaitre personnellement. Ministre de la maison roj^ale c. Ponzio Vaglia. „Racconigi-Reggia, 7. Juli. Der König, mein erhabener Souverän, hat beim Empfange der Trauernachricht mich gnädigst beauftragt, bei Ihnen und Ihren Kollegen der Dolmetsch seines Dankes für die grosse Liebenswürdigkeit ihm gegenüber zu sein und der Dolmetsch seines aufrichtigsten Beileids zu Ihrem schweren Verluste, den Sie durch den Tod Ihres hervorragenden« Führers, welchen Se. Majestät persönlich zu kennen das Vergnügen hatte, erlitten haben." — Der Hofmarsehall: Ponzio Vaglia. Der Grossherzog von Baden sendet folgendes Telegramm : „St. Blasien, 5. Juli 1904, An das Aktionskomitee des zionistischen Kongresses in Wien. Mit aufrichtiger Teilnahme vernehme ich die schmerzliche Nachricht von dem Ableben Ihres Präsidenten, des Herrn Dr. Herzl. Ich danke Ihnen für die Benachrichtigung und spreche Ihnen mein warmes Mitgefühl mit Ihrer tiefen Trauer aus. Ich schätze mit Ihnen die hohe Bedeutung dieses Verlustes und bewahre dem Verstorbenen dankbares Angedenken. Friedrich Grossherzog von Baden m. p." Seine königliche Hoheit, der Grossherzog von Hessen: Se. königliche Hoheit der Grossherzog von Hessen lassen für Anzeige von Ableben des Dr. Theodor Herzl danken und sprechen aufrichtige Teilnahme an diesem Verluste miK Geheimer Kabinettsrat R ö ni h e 1 d. *) Es braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, dass diese kleine Liste erwähnenswerter Trauergäste, die aus einer flüchtigen Momentaufnahme der Berichterstattung hervorgegangrn ist, weitaus keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Unerwähnt blieben unter anderem die hundert un1 hundert Gesinnungsgenossen, die deputativ aus allen Ländern erschienen waren.